Start ETF-Marktbericht ETFs: Warum in die Ferne schweifen?

ETFs: Warum in die Ferne schweifen?

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Seit sich der DAX über der 9.000 Punkte-Marke hält, ist der Ansturm auf Aktien-ETFs groß. Es müssen aber Industrieländerwerte sein, Schwellenländertitel werden ignoriert.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Nach dem Höhenflug des DAX in der vergangenen Woche tritt das Börsenbarometer zwar derzeit auf der Stelle, dennoch berichten Händler von extrem großem Kaufinteresse. Offenbar gehen die meisten Anleger von weiter steigenden Kursen aus, Gewinnmitnahmen sind kein Thema. „Wir haben nur Zuflüsse“, erklärt etwa Gregor Hamme von der UniCredit Group in London. Andreas Bartels von der Commerzbank ( Zum Testbericht) spricht von einem „sehr starken Käufermarkt“ – mit Fokus auf Europa. „Es gilt weiter: risk on“, bemerkt Sidi Kleefeld von der Deutschen Bank. Aktien- und Unternehmensanleihen-ETFs gingen sehr gut weg.

Europäische Aktien mit Nase vorn

Gekauft werden Aktien-ETFs jeglicher Couleur. Favorit der Investoren ist derzeit offenbar der MSCI Europe, doch auch der STOXX Europe 600, der EURO STOXX 50 und der DAX sind beliebt. Bartels zufolge legen sich Anleger etwa den iShares MSCI Europe ins Portfolio (WKN A0M5X2), außerdem den iShares STOXX Europe 600 (WKN 263530) sowie den Comstage- und iShares DAX (WKN ETF001, 593393). „Der Schwerpunkt liegt klar auf Europa“, meint der Händler.

Allerdings würden auch US-Aktien gekauft, etwa in Form von S&P 500-ETFs. Hamme berichtet ebenfalls von Zuflüssen im iShares DAX. „Daneben sind, anders als in der Vorwoche, auch wieder Peripherieaktien, vor allem aus Italien (WKN A0YEDP), gefragt.“ Doch auch bei Ländern außerhalb der Europäischen Union werde zugegriffen, etwa mit dem Amundi MSCI Europe ex EMU (WKN A0YF2V). Kleefeld zufolge stößt zudem der Lyxor ETF MSCI EMU Small Cap (WKN A0F420) auf großes Interesse. Der zeichnet die Kursentwicklung kleinerer Werte in der Eurozone nach.

Beliebte Südländer

Die Krise scheint schon fast vergessen: Ganz eindeutig gesucht sind jedenfalls derzeit Aktien aus Europas Peripherie. Cronemeyer meldet eine rege Nachfrage nach dem Amundi MSCI Spain (WKN A0REJT), dem ComStage PSI 20 (WKN ETF047), der den portugiesischen Markt abbildet und dem iShares FTSE MIB (WKN A0YEDP), der an die Mailänder Börse gekoppelt ist. „Wir sehen großes Interesse an spanischen und griechischen Aktien“, meldet auch Sengfelder und nennt für den griechischen Markt den Lyxor FTSE ATHEX 20 (WKN LYX0BF) als Beispiel. Der ETF hat in den vergangenen drei Monaten immerhin um 38 Prozent zugelegt, der Amundi MSCI Spain um 28 Prozent, der iShares FTSE MIB um 19 Prozent und der ComStage PSI 20 um 13 Prozent. Zum Vergleich: Der iShares DAX (WKN 593393) kommt im gleichen Zeitraum auf gut 6 Prozent.

Auch fernere Regionen finden Sengfelder zufolge Anhänger, etwa der iShares MSCI Japan (WKN A0DPMW), der iShares MSCI Korea (WKN A0HG2L) und der breit streuende db x-trackers MSCI EM LatAm LA (WKN DBX1ML).

Emerging Markets: nein, danke

Zwar haben einige Schwellenländerbörsen nach dem Einbruch im Sommer in den vergangenen Wochen ordentlich zugelegt, etwa der russische, der indonesische und der brasilianische Markt. Der indische Leitindex Sensex ist sogar auf ein Allzeithoch geklettert. ETF-Anleger trennen sich aber tendenziell von ihren Engagements, wie Stefano Valenti von der UniCredit festgestellt hat. „Das könnten Gewinnmitnahmen vor Jahresende sein.“ Betroffen von den Abgaben seien etwa der Lyxor MSCI India (WKN LYX0BA), der db x-trackers CNX NIFTY (WKN DBX1NN), der Lyxor Brazil Ibovespa (WKN LYX0BE) und der breit streuende iShares MSCI Emerging Markets (WKN A0HGZT). „Wenn in diesem Bereich gekauft wird, dann allenfalls die osteuropäischen Länder„, merkt Valenti an (WKN A0F6BV).

„Im Bereich Schwellenländer sehen wir kaum Interesse“, meint auch Bartels. Dass Emerging Markets derzeit auf wenig Gegenliebe stoßen, wundert Sidi Kleefeld nicht: „Zum einen läuft Europa einfach zu gut, da braucht man keine Schwellenländer. Zum anderen ist der Euro so stark, dass Kursgewinne in anderen Regionen zunichte gemacht werden.“

Zyklisches und Defensives gefragt

Im Handel mit Branchenfonds ist das Bild weiterhin gemischt: Bei der UniCredit ist die Finanzbranche gefragt, etwa in Form des SPDR MSCI Europe Financials (WKN 550881). „Das sehen wir schon einige Wochen“, konkretisiert Hamme. Doch auch defensive Branchen wie der Gesundheitssektor würden gekauft (WKN 550884). Laut Commerzbank ( Zum Testbericht) werden Immobilien- und Versorger-Indexfonds viel gehandelt, bei den Ersteren hielten sich Zu- und Abflüsse die Waage, bei den Letzteren gebe es einen Käuferüberhang.

Fixed Income: Rendite muss stimmen

Rentenfonds finden nur dann Anhänger, wenn die Rendite überzeugt. Kleefeld sieht hauptsächlich Interesse an Unternehmensanleihen. „Nach Geldmarkt-ETFs gibt es keine Nachfrage.“ Bartels berichtet ebenfalls von Käufen von Unternehmensbonds, etwa in Form des iShares Euro Corporate Bond Large Cap (WKN 251124). Manche Investoren setzten aber auch auf Bundesanleihen. „Bestimmte Laufzeitpräferenzen gibt es hier nicht.

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.