Start ETF-Marktbericht ETFs: Weltuntergang verschoben

ETFs: Weltuntergang verschoben

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FRANKFURT (Börse Frankfurt). Vom Aktienmarkt kommen erste Lebenszeichen: Nach einer tiefroten Woche mit Kursverlusten von fast 7 Prozent verzeichneten die Börsen am Montag kräftige Kursgewinne, gestern setzte sich die Erholung fort. „Der ifo-Geschäftsklima-Index ist weniger gefallen als erwartet, das GfK-Konsumklima hat sich stabil gehalten“, erläutert Florian Perini von Flow Traders. „Die deutsche Industrie ist nach wie vor auf Wachstumskurs.“ Allerdings hänge die Schuldenkrise weiter wie ein Damoklesschwert über den Märkten. „An einigen Tagen wird gekauft, dann wieder verkauft. Das gilt für alle Anlageklassen“, fasst der Market Maker die Lage zusammen. Ein klarer Trend sei nicht auszumachen.

„Bis Freitag herrschte noch Ende-der-Welt-Stimmung“, erklärt Sidi Kleefeld von der Deutschen Bank. Dann habe sich der Wind gedreht. „Seitdem sehen wir überwiegend Käufe.“ Die Umsätze im ETF-Handel seien „recht solide“, wenn auch nicht so hoch wie während der Ausverkaufswelle im August. Laut Frank Mohr von der Commerzbank ( Zum Testbericht) bewegt sich das Handelsaufkommen „auf ordentlichem Niveau“, er registriert insgesamt einen Käuferüberhang. „So mancher hat die niedrigen Preise für einen Einstieg genutzt.“

Wieder Zutrauen nach umfangreichen ETF-Abflüssen

Vor allem bankenlastige Indizes wie der Euro Stoxx 50 (WKN DBX1EU) sowie reine Banken-ETFs (WKN DBX1SF) seien Kleefeld zufolge in der vergangenen Woche verkauft worden. Seit Freitag positionierten sich Anleger wieder, vor allem in DAX-Trackern (WKN DBX1DA), aber auch in an andere europäischen Indizes gekoppelten Produkten. „Gesucht sind die Underperformer der vergangenen Wochen.“ Im Gegenzug würden revers partizipierende DAX-ETFs (WKN DBX1DS) wieder verkauft. „Immer mehr Investoren nutzen Short-Produkte als Vehikel für ihre kurzfristige Anlagestrategie“, bemerkt auch Florian Perini und verweist neben dem ShortDAX-ETF auch auf den db x-trackers Euro Stoxx 50 Short (WKN DBX1SS), den db x-trackers S&P 500 Short (DBX1AC) und den ETFX DAX 2X Short (WKN A0X9AA).

Ein Blick in die Umsatzliste der Börse Frankfurt für die vergangenen fünf Handelstage bestätigt dies: Etwa liegt der db x-trackers ShortDAX ETF auf dem zweiten Platz und damit ungewöhnlich weit oben. Auch der ETFX DAX 2x Short Auch Short-ETFs auf US-Indizes würden abgegeben, wie die Deutsche Bank feststellt, etwa auf den S&P 500.

Gleichzeitig würden Long-Positionen eingegangen (WKN DBX0F2). „Die Umsätze sind aber verhalten. Europa steht im Zentrum.“ Auch die Commerzbank ( Zum Testbericht) sieht die großen Indizes weiter im Fokus, speziell DAX- (WKN 593393, ETF001) und Euro Stoxx 50-Tracker (WKN 593395), doch auch S&P 500- (WKN ETF012) und Nikkei-ETFs (WKN ETF020) gingen über den Tisch. Angesichts der hohen Volatilität verwundern auch die hohen Umsätze im gehebelten LevDAX ETF von Lyxor (WKN LYX0AD) wenig.

Banken-ETFs mit kleinen Fortschritten

Im Vergleich zu den Bluechips finden Sektoren im ETF-Handel nach wie vor wenig Beachtung. Die arg gebeutelten Indexfonds mit Bankaktien können allerdings etwas an Boden gutmachen. Für die vergangene Woche hat die Commerzbank noch überwiegend Abgaben registriert (WKN ETF062), mittlerweile wagen sich einzelne Anleger aber wieder vor, wie die Deutsche Bank meldet. Der db x-trackers Stoxx 600 Banks (WKN DBX1SF) konnte sich in den vergangenen Tagen in der Tat etwas erholen, liegt mit Verlusten von 28 Prozent auf Drei- und 37 Prozent auf Sechsmonats-Sicht aber immer noch tief im Minus.

ETFs mit Unternehmen aus der Versicherungs- (WKN ETF070) und Grundstoffbranche (WKN ETF063) überzeugten nicht, wie Mohr ergänzt. „Die Verkäufe bei den Grundstoff-Indexfonds waren wohl schon Vorbote der kräftigen Preisverluste der Rohstoffe“, erklärt der Händler. Die Preise zahlreicher Rohstoffe, speziell der Industrie- und Edelmetalle, sind zuletzt deutlich eingebrochen. Gut angekommen seien Mohr zufolge hingegen die als konjunkturunabhängig geltenden Versorger (WKN ETF079). Die Branche hat sich, gemessen am Euro Stoxx Utilities, in den vergangenen Monaten dem allgemeinen Abwärtssog zwar nicht entziehen können, schlug sich – trotz der Belastung der deutschen Energiekonzerne durch den Atomausstieg – aber deutlich besser als der marktbreite Euro Stoxx 50. Umsätze in beiden Richtungen hat Perini bei ETFs mit Öl- und Gasaktien (WKN A0H08M) ausgemacht.

Deutsche Staatsanleihen-ETFs nicht mehr ganz so beliebt

Bei Rentenprodukten hatten in der vergangenen Woche noch Indexfonds mit deutschen Staatsanleihen und Geldmarktpapieren die Nase vorn. Der Deutschen Bank zufolge legten sich Investoren zum Beispiel gerne den db x-trackers II iBoxx Euro Germany 1-3 Total Return (WKN DBX0C9) und den db x-trackers II EONIA (WKN DBX0A2) ins Portfolio. Mit dem Stimmungsumschwung an den Märkten seien diese sicheren Häfen in der Gunst der Anleger aber gesunken. „Größere Abgaben haben wir allerdings nicht gesehen.“ Auch laut Commerzbank zeigten sich Investoren bei ETFs mit deutschen Kurzläufern kauffreudig, Abgaben hat Mohr im Bereich der Renten-ETFs so gut wie keine ausgemacht. Flow Traders zufolge hielten sich auch hier unter dem Strich Zu- und Abflüsse die Waage (WKN A0LGQB, A0RFFT, 628947).

Der wöchentliche ETF-Marktbericht stammt von der Börse Frankfurt.

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.