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ETFs: Windrichtung ungewiss

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FRANKFURT (Börse Frankfurt). Bis Ende vergangener Woche kauffreudig, seit Wochenbeginn mit einer Prise Skepsis begleiten ETF-Anleger die Bewegungen an den Aktienbörsen. Gut ankommen Schwellenländer-ETFs, insbesondere mit kleinen und mittleren Werten.

Robuste Umsätze verbuchten die Spezialisten in den vergangenen fünf Handelstagen im Handel mit ETFs. „Wir hatten einen Kaufüberhang im Verhältnis 56 zu 44 Prozent“, meldet etwa Frank Mohr von der Commerzbank ( Zum Testbericht). „ETF-Anleger, darunter auch viele Privatanleger, reagierten auf das freundliche Umfeld im Aktienmarkt“, meint der Händler. Die Stimmung an den Börsen sei insbesondere durch die hohe Liquidität im Markt nach der großzügigen Geldspritze der Europäischen Zentralbank in der vergangenen Woche beflügelt worden.
Seit Beginn dieser Woche gönnten sich die Aktienbörsen eine Verschnaufpause, wie Florian Perini anmerkt. Der steigende Ölpreis sowie das überraschend hohes Defizitziel der spanischen Regierung macht der Händler von Flow Traders für die Schwäche an den Märkten mitverantwortlich. Zudem schrumpften die Aussichten für einen freiwilligen Forderungsverzicht der privaten Gläubiger Griechenlands. „Möglicherweise müssen die Hellenen mithilfe der „Collective Action Clauses“ die Teilnahme der Privatgläubiger erzwingen.“ In dem Fall würden Kreditausfallversicherungen in Höhe von über drei Milliarden US-Dollar zum Tragen kommen. „Auch deshalb sind die Umsätze im ETF-Handel zuletzt schwächer ausgefallen“, meint Perini, der unterm Strich von einem Abgabedruck spricht. „Allenfalls im Bereich der Schwellenländer-ETFs gab es zuletzt noch mehr Zu- als Abflüsse.“ Seit Montag drehe sich aber auch dort teilweise das Bild.

Kauflust für europäischen Aktien

In Portfolios mit europäischen (WKN 593395) und deutschen Unternehmen (WKN ETF001, ETFL01) registrieren Mohr und Schönbrodt auf Wochensicht deutliche Zuflüsse. Und in US-amerikanische, denn: „ETFs auf US-Indizes sind in dieser Woche ganz oben in der Umsatzstatistik dabei“, bemerkt Mohr, der vier US-Indizes unter den Top-Ten führt.
Durchweg ausgeglichen gestaltet sich der Handel für Perini in den großen Indizes der Industrieländer. Zu- wie Abflüsse gebe es zum Beispiel für Indexfonds auf den S&P 500 (WKN 264388), den Euro Stoxx 50 (WKNs 593395, DBX1ET, 935927) und den DAX (WKN 593393). Im Gleichgewicht sieht Flow Traders den Handel mit Trackern, die den MSCI World (WKN A0HGZR) und den MSCI Japan (WKN A0DPMW) nachbilden.

Interesse an Schwellenländern hält an

Von einem eindeutigen Käuferbild spricht Mark Schönbrodt von der DekaBank bei Indexfonds mit Emerging Markets-Aktien. Anleger deckten sich derzeit insbesondere mit Trackern kleinerer und mittlerer Unternehmen (WKNs DBX1AU, 593399) aus den Schwellenländern (WKNs DBX1AU, 593399) ein. Auch beim marktbreiten MSCI Emerging Market (WKNs A0HGZT, ETFL34) griffen Investoren vermehrt zu. Mehr Käufe als Verkäufe habe es zudem für brasilianische Bluechips (WKN A0HG2M).
Hingegen registriert Perini einen ausgeglichenen Handel mit breiter aufgestellten Emerging Market Trackern (WKNs DBX1EM, A0HGZT). Ausgewogen gehe es auch bei Indexfonds mit asiatischen Standardwerten (WKNs DBX1AE, DBX1MA) zu. Länder-ETFs aus dem asiatischen Raum etwa aus Korea (WKN DBX1K2), Malaysia (WKN LYX0CW) und Vietnam (WKN DBX1AG) seien bei Investoren zuletzt gut angekommen.

Banken wieder salonfähig

Bei den Sektoren punkteten Mohr zufolge die Chemiebranche (WKNs LYX0AY, ETF064) und die Gesundheitsindustrie (WKN LYX0AS). Ganz vorn mit dabei sei auch in dieser Woche der Bankensektor mit Käufen beispielsweise von Trackern des Euro Stoxx Banks (WKN 628930) und des Stoxx 600 Europe Banks (WKN DBX1SF, ETF062).Mehrheitlich Käufe registriert Perini zudem im Energiesektor (WKN A0Q4R0). Aktien aus der Grundstoffindustrie werden Flow Traders zufolge tendenziell abgestoßen. Auch von der Reise- (WKN LYX0A2) und Konsumgüterindustrie (WKN 550882) verabschiedeten sich Investoren in Summe.

Deutsche Staatsanleihen unbeliebt

Begleitet worden seien die verstärkten Engagements in Aktien-ETFs von Abgaben etwa bei festverzinslichen Wertpapieren. „Anleger beschafften sich dadurch Liquidität für Zukäufe im Aktiensegment“, glaubt Mohr. Insbesondere Tracker deutscher Staatsanleihen unterschiedlicher Laufzeiten seien in Ungnade gefallen, wie Mark Schönbrodt bemerkt. „Diese tragen bei uns zu einem leichten Verkaufsüberhang im ETF-Handel insgesamt bei.“ Anleger trennten sich beispielsweise in Summe von hiesigen 5- bis 10-jährigen (WKN ETFL20) und 2,5 bis 5,5-jährigen (WKN 628948) Bonds. Abgestoßen worden seien auch deutsche Staatsanleihen mit Restlaufzeiten von 1 bis 3 Jahren (WKN ETFL18) und 1,5 bis 2,5 Jahren (WKN ETFL20).

Geldmarktfonds ausgewogen

Bei Geldmarktfonds, die den eb.rexx Money Market abbilden (WKN A0Q4RZ), verbucht die Commerzbank ( Zum Testbericht) tendenziell einen ausgeglichenen Handel. Abgegeben worden seien indes der ComStage ETF Commerzbank EONIA Index (WKN ETF100). „Die Mittel werden eher in risikoreichere Aktienanlagen gesteckt“, vermutet Mohr

Unternehmensanleihen ziehen

Körbe mit festverzinslichen Unternehmensanleihen sind laut Schönbrodt in der vergangenen Woche gut gelaufen. „Wir haben in diesem Sektor fast nur Käufe verbucht.“ Einmal mehr interessierten sich Anleger beispielsweise für bonitätsstarke Unternehmen soweit sie die Finanzwerte außen vor lassen (WKNs ETFL38, A0YEEX). Einen Kaufüberhang gebe es zudem für ETFlab iBoxx € Liquid Corporates Diversified (WKN ETFL37), der Finanzwerte sehr wohl mit berücksichtige. Ebenfalls gesucht sei der iShares Markit iBoxx EURO Corporate Bond (WKN 251124), der aus 40 Unternehmensanleihen mit guter Bonität besteht.

Der ETF-Marktbericht erscheint jeden Dienstag bei boerse-frankfurt.de

© 6. März 2012 / Iris Merker