Start ETF-Marktbericht ETFs: Zinsanstieg bewegt

ETFs: Zinsanstieg bewegt

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Umsatzrenner bleiben zwar Aktien-Tracker, doch zuletzt wurden auch Renten-ETFs reger als üblich gehandelt. Grund ist der Einbruch am Anleihemarkt.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Über Langeweile können sich ETF-Händler weiterhin nicht beklagen: Durchaus deutliche Bewegungen im DAX sorgten für gute Umsätze. Doch das war nicht alles: „Dass Renten-ETFs vergangene Woche bei uns 22 Prozent der Umsätze ausgemacht haben, ist schon außergewöhnlich“, meldet Sascha Cronemeyer von der Commerzbank ( Zum Testbericht). Auslöser waren die heftigen Verluste der Bundesanleihen, Anleihehändler sprachen von historischen Ausmaßen. In Aktien-ETFs überwogen Cronemeyer zufolge die Abgaben, in Rentenindexfonds seien beide Richtungen gespielt worden.

Profitieren vom Zinsanstieg

Ein derart rapider Verfall der Anleihekurse und signifikante Anstieg der Renditen waren ganz außergewöhnlich: Zehnjährige Bundesanleihen warfen am Donnerstag vorübergehend wieder eine Rendite von fast 0,77 Prozent ab – Mitte April waren es nur 0,05 Prozent. Der Euro-Bund-Future als Indikator für die langfristigen Zinserwartungen, vor zwei Wochen noch bei fast 160 Prozent, rutschte bis auf 151,41 Punkte ab. Analysten verwiesen auf die verbesserten Konjunkturaussichten für die Eurozone und die wieder ansteigenden Inflationserwartungen, Folge des anziehenden Ölpreises. Für die hohen Kursausschläge wird aber auch die geringe Liquidität in den Märkten verantwortlich gemacht. Ab Freitag normalisierte sich die Lage wieder etwas. ETFs, die an die Entwicklung von Bundesanleihen, den Euro-Bund-Future oder den Euro-Bund-Future Short gekoppelt sind, fanden daher regen Absatz, wie Cronemeyer berichtet. „Im ComStage Bund-Future Short (WKN ETF562) haben wir überwiegend Käufe gesehen, bei Bundesanleihen aller Laufzeiten ebenfalls, kürzere Laufzeiten wurden abgegeben.“

Aktien-ETFs: viele Abgaben

Umsatzstärkste ETFs waren an der Börse Frankfurt in den vergangenen fünf Handelstagen allerdings – wie üblich – DAX- und Euro Stoxx-Tracker, konkret der iShares Core DAX (WKN 593393), der Deka DAX, der iShares Euro Stoxx 50 (WKN 593395), der db x-trackers DAX (WKN DBX1DA) und der iShares Stoxx Europe 600 (WKN 263530). Deutsche Bluechips, die gemessen am DAX, Mitte März ihre Aufwärtsbewegung beendet und Anfang vergangener Woche auf unter 11.200 Punkte gefallen waren, hatten am Freitag einen großen Satz nach oben auf über 11.700 Zähler gemacht. Am Dienstagmittag notiert der Index wieder bei nur 11.390 Punkten. Während bei der Commerzbank ( Zum Testbericht) in DAX-Trackern noch ein kleiner Käuferüberhang zu beobachten war, dominierten ansonsten die Abgaben. „Das betraf etwa MSCI USA-, Euro Stoxx 50- und MSCI Europe-ETFs“, bemerkt Cronemeyer.
Gregor Hamme von der Unicredit in London berichtet für breit aufgestellte europäische ETFs hingegen von Käufen, etwa im iShares Euro Stoxx 50 und im iShares MSCI Europe (WKN A0RPWG). Ralf Bendig von der ICF Bank meldet neben den gewohnten Käufen im Deka DAX (WKN ETFL01) noch Zuflüsse in den beiden mit Faktor 3 gehebelten ETFS 3x Daily Long DAX 30 (WKN A1YKTG) und ETFS 3x Daily Short DAX 30 (WKN A1YKTK), bei denen es sich allerdings um ETN und keine ETFs handelt.

Britische Aktien nach Cameron-Sieg gekauft

Der Wahlsieg der Konservativen in Großbritannien am Donnerstag führte außerdem zu Zuflüssen in britische Aktien, wie Hamme feststellt. Gekauft wurde vor allem der iShares FTSE 100 (WKN A0YEDM), der am Freitag um über 4 Prozent im Wert zulegte. „Die Unsicherheit ist jetzt weg, die Machtverhältnisse sind klar“, kommentiert der Händler. Das von den Konservativen in Aussicht gestellte Referendum über einen Austritt aus der EU sei derzeit kein Thema. „Cameron ist ja selbst nicht dafür.“

Schwerpunkt Asien

Auch in Schwellenländer-ETFs geht wieder viel um. „Eine eindeutige Richtung gibt es aber nicht“, erläutert Hammes Kollege Stefano Valenti. „Zum Teil wird verkauft, das sind Gewinnmitnahmen nach der sehr guten Kursentwicklung, zum Teil gekauft und zwar von neuen Investoren. Das Interesse der Anleger richte sich aber klar auf Asien. „Russland wird trotz deutlicher Erholung des Aktienmarktes als zu unsicher angesehen, und auch in Lateinamerika engagieren sich Anleger höchstens kurzfristig“, so Valenti weiter. Ge- und verkauft würden somit etwa der db x-trackers Harvest CSI300 (WKN DBX0NK), der die Börsen Shanghai und Shenzhen abbildet, und der Lyxor MSCI India (WKN LYX0BA). Käufe überwögen im db x-trackers Emerging Markets Asia (WKN DBX1MA).

Öl- und Gas-Branche erholt

Sehr beliebt im Bereich der Branchen-ETF ist derzeit der iShares Stoxx Europe Oil & Gas (WKN A0H08M). Der belegt in der Umsatzstatistik der Börse Frankfurt den ungewöhnlich hohen sechsten Platz. Kein Wunder: Das Barrel der Nordseesorte Brent kostete am vergangenen Mittwoch wieder fast 70 US-Dollar – nach zwischenzeitlich 46,41 US-Dollar Mitte Januar, aktuell sind es 66,06 US-Dollar. Die Öl- und Gasbranche, gemessen am Stoxx Europe Oil & Gas, hat sich seit den bereits im Dezember erreichten Tiefs deutlich erholt, der ETF hat seit Mitte Dezember rund 30 Prozent an Wert gewonnen.
Die Commerzbank berichtet von Zuflüssen in die Energie- und die Autobranche sowie Abflüssen aus der Gesundheitsbranche, bei der Unicredit setzten Anleger auf Banken- (WKN 628930) und Chemie-Indexfonds, etwa mit dem iShares Stoxx Europe 600 Chemicals (WKN A0H08E).

von Anna-Maria Borse,
Deutsche Börse AG© 12. Mai 2015

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.