Start ETF-Marktbericht ETFs: Zinsspekulationen belasten

ETFs: Zinsspekulationen belasten

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Höhere Zinsen und das anhaltende Gezerre um eine Einigung mit Griechenland lassen die Börsen einbrechen. Eine Verkaufswelle gibt es im ETF-Markt aber bislang noch nicht.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Eins ist klar: So gut weg wie noch vor wenigen Wochen gehen Aktien-ETFs mittlerweile nicht mehr. Im Handel macht sich die schlechtere Stimmung an den Börsen bemerkbar. Nun ist der DAX sogar unter die 11.000 Punkte-Marke gerutscht, am Dienstagmittag notiert er bei nur noch 10.880 Zählern, seit dem Allzeithoch vom April bei 12.390,80 hat der Index somit 1.500 Punkte verloren.

„Eine Trendwende ist das aber nicht“, kommentiert Frank Mohr von der Commerzbank ( Zum Testbericht). Investoren zeigten sich überwiegend gelassen. „Panikverkäufe sehen wir nicht.“ Für die vergangene Woche meldet er einen kleinen Verkaufsüberhang bei Aktien-ETFs.

„Nach dem ‚Wechselbad der Gefühle‘ in der Vorwoche herrscht nun weitgehend Verkaufslaune am Aktienmarkt“, erklärt unterdessen Marcel Sattler von der ICF Bank. Auch Gregor Hamme von der Unicredit Group sieht überwiegend Abgaben. „Da werden Gewinne mitgenommen.“ Hamme zufolge ist das Handelsaufkommen etwas zurückgegangen. Gregory Guerrand von der BNP Paribas spricht von einer „ruhigen“ Handelswoche. Mohr meldet hingegen 34.000 Trades auf Wochensicht. „Das ist angesichts des Feiertags schon sehr gut.“

„Sell in May“-Anhänger lagen richtig

Laut Hamme verabschieden sich Anleger vor allem von europäischen Aktien, also Euro Stoxx 50- und DAX-Indexfonds. „Es wurden viele Stopp Loss-Limits ausgelöst.“ Generell seien Kunden nervöser geworden. US-Aktien seien weniger betroffen. „Massiv sind die Abgaben aber nicht.“ Die heftigen Bewegungen rufen Kurzfrist-Trader auf den Plan: Sattler meldet Käufe in Short-Produkten wie dem ETFS DAX Daily 2x Short (WKN A0X9AA) bei gleichzeitigen Abgaben in klassischen DAX-Trackern (WKN ETFL01). Die BNP Paribas berichtet für die Vorwoche noch von kleinen Zuflüssen in europäischen Aktien, etwa mit dem Stoxx Europe 600 THEAM Easy (WKN A1W37K).

Bei der Commerzbank ( Zum Testbericht) hielten sich Zu- und Abflüsse von DAX- und Euro Stoxx-Trackern die Waage, mit einem leichten Käuferüberhang bei DAX-ETFs und einem Verkäuferüberhang bei Euro Stoxx 50-ETFs. S&P 500-ETFs hätten meist auf den Abgabelisten gestanden. „Der Spruch ‚Sell in May‘ hat sich wieder einmal bestätigt“, bemerkt Mohr. Er geht davon aus, dass es nach der Sommerpause wieder aufwärts gehen wird.

Türkische Wahlen bewegen den Markt

Umsatzstark präsentieren sich in dieser Woche ETFs, die an türkische Aktien gekoppelt sind. Der Grund: Bei den Parlamentswahlen in der Türkei am Sonntag hat die islamisch-konservative AKP von Präsident Erdogan die absolute Mehrheit verloren und muss nun einen Koalitionspartner finden. Es herrscht Unsicherheit im Land, die Börsen reagierten mit Verlusten. Ob die Kurse wieder steigen oder noch weiter sinken, darüber gehen die Meinungen auseinander: „Bei uns wird ge- und verkauft“, erklärt Mohr mit Blick auf den Lyxor Turkey (WKN LYX0AK).

Hammes Kollege Stefano Valenti sieht lediglich einige Käufer. Guerrand zufolge positionieren sich Investoren in asiatischen Aktien. „Es ist aber die Region als Ganzes, auf die gesetzt wird. Chinesische und südkoreanische Aktien werden eher verkauft“, konkretisiert der Händler. Bei der Unicredit wird auch in Schwellenländer-Indexfonds Kasse gemacht, wie Hammes Kollege Valenti beobachtet. „Das betrifft alle Regionen und hängt mit den steigenden Zinsen zusammen.“ Betroffen seien auch die zuletzt sehr gesuchten indischen Aktien.

Beliebte Tech-Aktien

Im Handel mit Branchen-ETFs gibt es wieder einmal einen klaren Favoriten: die Banken, und hier vor allem der iShares Euro Stoxx Banks (WKN 628930), der auch auf der Umsatzliste der Börse Frankfurt für die vergangenen fünf Handelstage den ungewöhnlich hohen sechsten Platz belegt. Unicredit, Commerzbank und BNP Paribas melden Käufe. Bei Commerzbank und BNP Paribas griffen Anleger außerdem zu Technologie-ETFs (WKN ETF076) und trennten sich von Immobilien-Indexfonds. Guerrand nennt den zuvor stark gesuchten FTSE EPRA Eurozone THEAM Easy (WKN A0ERY9) als Beispiel.

Hohe Schwankungen am Anleihemarkt

Aufgrund des signifikanten Zinsanstiegs in den vergangenen Wochen ist zudem viel los in Anleihen-ETFs. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt aktuell bei 0,86 Prozent, in der Vorwoche waren es zwischenzeitlich sogar 0,99 Prozent – ein großer Sprung gegenüber dem Rekordtief von 0,05 Prozent vom April. Zuletzt haben starke Daten vom US-amerikanischen Arbeitsmarkt Spekulationen auf eine frühe US-Zinswende geschürt. Laut Ciriaco Carrozino von der Unicredit steigen Anleger aus ETFs mit Staats- und Unternehmensanleihen aus. Gesetzt werde auf Produkte wie den Lyxor Daily Double Short Bund (WKN LYX0FW), mit dem Anleger von einem fallenden Euro-Bund-Future gleich doppelt profitieren.

Bei der Commerzbank machten Anleihen-ETFs 23 Prozent am Gesamtumsatz aus – vergleichsweise viel. „Das liegt vor allem an Käufen im Deka Deutsche Börse Eurogov Germany 5-10 (WKN ETFL20) und im Deka Deutsche Börse Eurogov Germany 10+ (WKN ETFL21)“, erklärt Mohr. Beide Indexfonds haben zuletzt an Wert verloren; so manchem geht die Korrektur offenbar zu weit.

von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse AG
© 9. Juni 2015

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.