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ETFs: Zurückhaltung beim Dax

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FRANKFURT (Börse Frankfurt). Gewinne im deutschen Aktienbarometer schlagen sich derzeit nicht eins zu eins in Käufen von DAX-Trackern nieder. Vielmehr setzen Anleger offenbar lieber auf andere Industrieländer oder Emerging Markets. Im Anleihe-Bereich gelten deutsche Papiere ohnehin zunehmend als Langeweiler.

Trotz satter Kursgewinne an den Aktienmärkten in den vergangenen Tagen: Im Handel mit DAX- und Euro Stoxx 50-Trackern werden derzeit beide Seiten gespielt. „Anleger positionieren sich, es werden aber auch Gewinne mitgenommen“, erklärt Marco Salaorno von der Société Générale. „Rekordverdächtig war die Woche von den Umsätzen her nicht“, fügt er außerdem hinzu.

Andere Händler berichten ebenfalls von einem mehr oder weniger ausgeglichenen Handel. Der Deutschen Bank zufolge verharrten Investoren vor der unter Anspannung erwarteten Entscheidung zum griechischen Schuldenschnitt in der vergangenen Woche in Wartestellung. „Doch auch danach blieb das Euphoriefeuerwerk aus“, meint Alexander Kuppler. Auch nach Einschätzung der Commerzbank ( Zum Testbericht) haben sich Zu- und Abflüsse im ETF-Handel insgesamt mehr oder weniger die Waage gehalten – mit einem ganz kleinen Verkaufsüberhang. „Aktien-ETFs wurden dabei eher gekauft, Renten-Indexfonds eher verkauft“, meint Frank Mohr. „Sowohl institutionelle als auch private Anleger versuchen, auf ein bisschen mehr Rendite zu kommen.“

Lieber jenseits der Grenzen

DAX-ETFs gehörten zwar, wie immer, zu den Umsatzrennern, Favoriten der Anleger sind sie im Moment aber nicht. Laut Commerzbank ( Zum Testbericht) sind es vor allem europäische, US-amerikanische und Welt-Tracker (WKN ETF050, 264388, A0HGZR) , die überzeugen. „In DAX-ETFs (WKN ETF001) sehen wir etwas mehr Abgaben.“

„Bei uns stehen der MSCI Europe, der MSCI World und der MSCI Japan ganz oben auf den Einkaufslisten“, erklärt Aysun Cifsi von der DekaBank (WKN DBX1ME, DBX1MW, DBX1MJ). Bei DAX- und Euro Stoxx 50-Trackern würden hingegen beide Seiten gespielt. Eindeutig kauffreudig zeigten sich Investoren, der Händlerin zufolge, allenfalls bei an den DAX gebundenen Dividendenstrategiefonds wie dem ETFlab DAXplus Maximum Dividend (WKN ETFL23).

Schwellenländer trumpfen auf

Die im vergangenen Jahr unbeliebten Emerging Markets stehen unterdessen hoch im Kurs: „ETFs mit Schwellenländeraktien und -anleihen kommen im Moment gut an“, berichtet Salaorno. Dabei fänden Investoren an fast allen Emerging Markets-Regionen Gefallen: „Gesucht sind etwa China-, Türkei-, Lateinamerika- und Brasilien- sowie Russland- und Südafrika-Fonds“, bemerkt der OTC-Händler (WKN A0F5BW, LYX0AK, LYX0AF, LYX0BE). Kuppler berichtet ebenfalls von einer guten Nachfrage nach Schwellenländer-ETFs. „Vor allem Indexfonds mit asiatischen und lateinamerikanischen Aktien ziehen.“ Cifsi meldet eine rege Nachfrage nach breit aufgestellten Schwellenländer-Anlagen (WKN DBX1EM, ETFL34), ihrer Einschätzung nach verkaufen sich diese aktuell besser als ETFs auf einzelne Länder.

Luft raus bei Bankenwerten

Nach der Erholungsrallye der Banken-ETFs zum Jahresauftakt gehen die Meinungen über die weitere Entwicklung dieser Indexfonds jetzt offenbar auseinander. „Wir sehen zwar auch Zuflüsse, einige Anleger stellen aber Gewinne lieber glatt“, bemerkt Salaorno. Der iShares Euro Stoxx Banks (WKN 628930) hatte innerhalb eines Monats um rund ein Drittel zugelegt, schwächelt seit Anfang Februar aber wieder etwas. Daneben standen Salaorno zufolge Gesundheits-Indexfonds (WKN A0REJ2) auf den Verkaufs-, Telekommunikations-ETFs (WKN LYX0A1) auf den Einkaufslisten. Bei der Commerzbank gehören Banken-ETFs (WKN ETF062) zu den Umsatzspitzenreitern – neben Chemie-, Grundstoff- und Konsumgüter-ETFs (WKN ETF064, ETF063). „Diese Branchen zogen drei Viertel des Handelsaufkommens auf sich“, sagt Frank Mohr. Außer bei Grundstoff-ETFs hätten in allen Kategorien Eindeckungen überwogen. „In Konsumgüter-Indexfonds gab es sogar 90 Prozent Käufe.“

Heraus aus sicheren Häfen

Im Bereich der Anleihen-ETFs ist die Richtung klar: Bundesanleihen sind nicht mehr das A und O, wie noch im vergangenen Jahr. Investoren werden wieder mutiger und wagen sich an riskantere Anlageklassen. „Wir sehen Interesse an Unternehmensanleihen, selbst an hochprozentigen“, konkretisiert Salaorno mit Blick auf den Lyxor Euro Corporate Bond (WKN LYX0EE) und den Lyxor iBoxx Euro Liquid High Yield 30 (WKN LYX0LY). Die DekaBank bestätigt das: „Wir haben hohe Zuflüsse im iShares Markit iBoxx Euro High Yield Bond“, bemerkt Cifsi (WKN A1C8QT). Im Gegenzug stiegen Anleger etwa aus dem ETFlab Deutsche Börse EuroGovernment Germany 5-10 (WKN ETFL20) aus. Die Commerzbank meldet ebenfalls Abgaben von Staatsanleihen-ETFs aller Laufzeiten. „Investoren verkaufen Indexfonds mit europäischen und deutschen Papieren. Das dient wohl der Liquiditätsbeschaffung“, erklärt Mohr.

Der ETF-Marktbericht erscheint jeden Dienstag bei boerse-frankfurt.de

© 13. März 2012 / Anna-Maria Borse