etf marktbericht

   

Anleger nutzen Kursverluste der vergangenen Woche zum Einstieg und setzen dabei auf europäische Bluechips ebenso wie auf Nebenwerte.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Griechenland bleibt bestimmendes Thema an den Aktienbörsen und im ETF-Handel. Nach den Unsicherheiten der vergangenen Woche keimt derzeit ein wenig Hoffnung im Streit um die Reformen zwischen Athen und den Euro-Partnern. Mit Vize-Außenminister Euclid Tsakalotos übernimmt künftig ein als umgänglich geltender Politiker die Koordinatorrolle und löst damit Yanis Varoufakis ab.

Der DAX reagierte am Montag zunächst mit Kurszuwächsen von knapp 2 Prozent und knackte damit wieder die 12.000 Punkte-Marke. Aktuell notiert das deutsche Aktienbarometer deutlich darunter. Die jüngste Delle am deutschen Aktienmarkt nutzten viele Investoren zum Zukauf, wie ETF-Händler melden. „Dem DAX, aber auch dem MDAX, trauen Anleger offenbar noch einiges zu“, meint Atakan Sahin von der ICF Bank, der von einem regen Handel mit Indexfonds spricht. „Hingegen ist es um das Thema Emerging Markets mit Ausnahme von China nach wie vor auffallend still“, bemerkt Marco Salaorno von der Société Générale. Einen vorderen Platz in der Umsatzstatistik belege aber der Harvest CSI 300-Tracker von DBX (WKN DBX0NK), der gleichermaßen hin und her gehandelt würde. „Mit 34.000 Trades und entsprechendem Volumen hatten wir in der vergangenen Woche ordentlich zu tun“, berichtet auch Frank Mohr von der Commerzbank ( Zum Testbericht). „Über alle Anlageklassen hinweg überwogen bei uns mit 54 Prozent die Käufe.“ Händler sind sich einig: Deutsche und europäische Standardwerte stehen bei Anlegern ganz oben auf der Beliebtheitsskala. „In Europa spielt die Musik“, fasst Mohr zusammen.

Hauptsache europäisch

Investitionen außerhalb der Industrieländer haben nach wie vor wenig Konjunktur. Im Vordergrund stehen laut Händlern wie so häufig DAX- (WKNs 593393, ETF001), Euro Stoxx 50- (WKNs ETF050, 593395, ETFL05) und MSCI Europe-Tracker (WKN A0JDGC), die zumeist in den Anlegerdepots landeten. Unternehmen aus dem gemeinschaftlichen Währungsraum kämen ebenfalls gut an. Beliebt seien Produkte, die an den MSCI EMU (WKN 633611) gekoppelt sind. „Diese wurden bei uns hauptsächlich gekauft“, informiert Mohr.

Passend zur hiesigen Berichtssaison entscheiden sich Anleger nach Beobachtung Sahins per Saldo für den DAXplus Maximum Dividend (WKN ETFL23) mit den 20 dividendenstärksten heimischen Aktien. „Auch deutsche Unternehmen aus der zweiten Reihe (WKN ETFL44) kommen zum Zuge.“ Von Abgabedruck spricht Salaorno hinsichtlich ETFs mit Werten aus südeuropäischen Ländern der Eurozone. Abgestoßen würden Tracker, die an den italienischen Leitindex MIB (WKN A0BLNG) und spanischen Bluechip-Index IBEX 35 (WKN DBX0HR) angelehnt sind.

US-Mittelständler überzeugen

Portfolios mit US-Unternehmen gingen in der vergangenen Woche häufig über Salaornos Tisch. „Dabei war ein Trend weg von Largecaps hin zu Nebenwerten erkennbar.“ Anleger trennten sich zum Beispiel in Summe von US-Aktien im MSCI USA (WKNs ETFL26, A1H53M) und MSCI North America (WKN A0J201) während bei S&P 500-Portfolios (WKNs A0YEDG, DBX0F4, A1C0B5) beide Seiten gespielt würden. Deutliche Kaufüberhänge macht der Händler bei S&P 400- (WKN A1JSHV) und Russel 2000-ETFs (WKN DBX1AB) aus. Weltweit aufgestellte Indizes wie der MSCI World (WKN A0X8ZX, ETF110) finden bei Mohrs Kunden wenig Anklang und würden in Summe abgestoßen. Ebenso verbucht die Commerzbank ( Zum Testbericht) leichten Verkaufsdruck für S&P 500-Tracker.

Wasseraktien und Private Equity gefragt

Zu den häufig gehandelten ETFs gehören bei Salaorno gleich zwei Produkte, die sich mit dem Thema Wasser beschäftigen und in Summe gekauft worden seien. Anleger entdeckten beispielsweise den Lyxor World Water Index (WKN LYX0CA) und den PowerShares Global Water-ETF (WKN A0M2EF) für sich. Letzterer orientiert sich an dem Palisades Global Water Index mit Unternehmen aus dem Bereich der Trinkwasserversorgung, Wasseraufbereitung sowie Technologien und Dienstleistungen für die globale Wasserversorgung. Der World Water Index enthält die weltweit 20 größten Unternehmen aus den Sektoren Wasserversorgung, -infrastruktur und -reinigung. Ebenso setzten Anleger auf Private Equity-ETFs (WKN LYX0BH) mit Bezug zum Privex Index, der aus weltweit 25 gelisteten, zahlungskräftigen Gesellschaften oder Fonds des Sektors besteht.

Langläufer bevorzugt

Mit einem Anteil von 15 Prozent der ETF-Flows nähere sich der Rentenbereich bei der Commerzbank wieder dem langfristigen Durchschnitt. Der Trend in Richtung langlaufenden Bundesanleihen (WKN ETF522) halte an. „Insgesamt überwiegen hier die Käufe“, schildert Mohr.

Den Trend weg von US-Dollar-Investments erkennt Salaorno auch bei Fixed Income-ETFs. Sieben- bis zehnjährige US-Treasuries (WKN A0LGP4) kämen ebenso in Summe aus den Depots raus wie Corporate Bonds (WKN A0DPYY). „Die Währungsschwankungen und damit verbundenen Gewinne spiele eine Rolle“, urteilt der Händler.

Bankaktien auf den Verkaufslisten

Bei den Branchen-ETFs stehen Banken (WKN 628930) einmal mehr im Vordergrund des Anlegerinteresses. „Wir haben bei europäischen Banken sehr viel Bewegung mit Tendenz Abflüsse gesehen“, meint Mohr und führt dies auf negative Schlagzeilen wie den neuen Sparkurs bei der Deutschen Bank und die Kapitalerhöhung der Commerzbank zurück. Rund 36 Prozent unserer Umsätze aus gehören zur Finanzbranche. Zuflüsse im Gesundheitswesen und in der Automobilindustrie fielen dem gegenüber eher bescheiden aus.

Von Iris Merker, Deutsche Börse AG
© 28. April 2015

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.