Start ETF-Marktbericht Euro wieder im Abwärtstrend

Euro wieder im Abwärtstrend

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Dr_Alexander_Seibold

Im laufenden dritten Quartal kommen die Fakten für die Konjunkturentwicklung in Europa auf den Tisch, und sie sind nicht positiv. Einzig Deutschland kann dank starker Exporte und durch seinen deutlich flexibilisierten Arbeitsmarkt ein BIP-Wachstum von 2,2 Prozent im zweiten Quartal 2010 gegenüber dem Vorquartal ausweisen. Bei den anderen großen Volkswirtschaften des Euro-Raumes sieht es düster aus. Spanien (0,2 Prozent Wirtschaftswachstum), Italien (0,4 Prozent) und Frankreich (0,6 Prozent) treten auf der Stelle. Spaniens Wirtschaft ist sogar gegenüber dem schwachen zweiten Quartal des Krisenjahres 2009 noch weiter geschrumpft.

Auf den ersten Blick sind dies nur nüchterne Zahlen, aber es drängt sich eine unangenehme Frage auf: Was nützt der Euro-Rettungs-Schirm, wenn die Finanziers auf wackligen Beinen stehen? Oder: Wer rettet die Retter? Die Griechenland-Krise mag in den Köpfen vieler Marktteilnehmer abgehakt sein, aber ein Kollaps in Spanien und Italien deutet sich gerade erst an. Deutliches Zeichen für diese Wahrnehmung ist die erneute Abwertung der Gemeinschaftswährung im Vergleich zum Beispiel mit dem US-Dollar (siehe Chart). Meiner Meinung nach ist die Parität, also ein Wechselkurs von eins zu eins zwischen Euro und US-Dollar, in absehbarer Zeit realistisch. Diese Entwicklungen werden in einem aktuellen Interview von mir mit Börse Stuttgart TV beschrieben. Das Video finden sie hier.

In Verbindung mit der Sorge um die Gemeinschaftswährung sind auch die Rekordkurse für deutsche Staatsanleihen zu sehen. Weil die Anleihen anderer Euro-Länder als unsicher gelten, schichten Investoren massiv in Bundesanleihen und treiben die bereits hohen Kurse weiter nach oben. Entsprechend fallen die Renditen, die sich bei Anleihen immer umgekehrt zu den Kursen verhalten. Die Umlaufrendite deutscher Staatsanleihen, die den Durchschnitt der Renditen verschiedener Laufzeiten abbildet, ist auf weniger als zwei Prozent gefallen. Ein solch niedriges Niveau wurde seit 130 Jahren in Westeuropa bei Staatsanleihen nicht gesehen.

Die Schwierigkeit ist nun: Bei wieder steigenden Kapitalmarktzinsen fallen die Kurse und es drohen Kursverluste. Aus Mangel an Alternativen für Rentenanleger, sowie aus Ungewissheit bezüglich der Dauer einer solchen Niedrigzinsphase, kommt man allerdings um ein begrenztes Investment in Bundes- oder „Kern-Euro-Staatsanleihen“ nicht herum.

Video zum Thema:

Seibold_VID

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