Start ETF-Marktbericht Investoren bleiben pessimistisch

Investoren bleiben pessimistisch

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Investoren setzen mittelfristig weiter auf fallende Indizes. Während Fonds auf Standardwerte-Indizes derzeit wenige Freunde finden, bedienen sich die aktiven Anleger bei Short-Produkten und wollen damit an fallenden Kursen verdienen. Begehrt sind außerdem marktbreite Aktien-ETFs sowie der Geldmarkt.

„Anleger positionieren sich mittelfristig weiter auf der Short-Seite“, kommentiert ein Händler von der Deutschen Bank das Geschehen im Markt der Indexfonds. Sie kaufen Short-ETFs auf die großen Indizes DAX (WKN DBX1DS) und DJ Euro Stoxx 50 (WKN DBX1SS). Short-ETFs sind invers mit der Wertentwicklung des zugrunde liegenden Index verknüpft. Steigt also der DAX® zum Beispiel um 3 Prozent, so fällt der ETF dazu um 3 Prozent und umgekehrt.

Klassische ETFs mit positiver Indexkorrelation werden dagegen nur mit sehr kurzfristigem Zeithorizont hereingenommen. „Wir sehen Verkäufe auf breiter Ebene in den Index-Produkten“, beobachtet der zuständige Market Maker von der HypoVereinsbank. Die liquiden und viel gehandelten ETFs iShares DAX (WKN 593393) und iShares DJ Euro Stoxx 50 (WKN 593395) werden verkauft.

Die Reaktion der Investoren birgt keine Überraschung, betrachtet man sich die Entwicklung der großen Indizes. Allein in der vergangenen Woche verlor der deutsche Bluechip-Index DAX® zeitweise fast 20 Prozent, der ShortDAX-ETF gewann entsprechend hinzu. Ebenso erging es dem DJ Euro Stoxx 50, hier legte der passende db x-trackers Euro Stoxx 50 nahezu 20 Prozent zu.

Stimmung in der Nähe des Allzeittiefs

Die heute veröffentlichten Zahlen zur ZEW-Konjunkturerwartung passen aus Sicht der Markteilnehmer zu der negativen Entwicklung der Aktienmärkte. „Die Stimmung der Finanzmarktanalysten ist mit -63 Punkten wieder in die Nähe des Allzeittiefs vom Juli bei -63,9 Punkten gefallen, der Rückgang um 21,9 Punkte ist stärker ausgefallen als erwartet“, berichten Volkswirte der DekaBank.

„Die Verwerfungen auf den Finanzmärkten haben die Perspektiven für die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland spürbar verschlechtert. Neben dem Finanzgewerbe sollten vor allem die exportorientierten Branchen von der Krise betroffen sein. Zudem fahren die privaten Haushalte angesichts der angespannten Lage auf den Finanzmärkten und der extremen Unsicherheit ihre Ausgaben zurück.“ Die Stimmung der Finanzmarktanalysten sei frostig. „Das gerade beschlossene Rettungspaket der Bundesregierung könnte helfen, die Situation zu stabilisieren. Mehr als eine Verlangsamung der Abwärtsbewegung sei aber vorerst davon nicht zu erwarten“, meinen die Analysten.

Kauflaune in ausgewählten Indizes und Branchen

Vereinzelt sehen jedoch andere Anleger in den günstigen Aktienkursniveaus eine Chance zum Einstieg. Der db x-tracker MSCI World (WKN DBX1MW), der MSCI USA (WKN DBX1MU) und der MSCI Brasilien (WKN DBX1MR) werden nach Angaben der Market Maker in den vergangenen Tagen eher gekauft. Ebenso steigt nach Aussagen der Skontroführer von der HypoVereinsbank die Nachfrage nach Banken- und Versicherungsfonds an. Der iShares DJ Stoxx 600 Banks (WKN 628934) und der iShares DJ Euro Stoxx Banks (WKN 628930) sind eher auf der Käuferseite zu finden, ebenso der iShares DJ STOXX 600 Insurance (DE) (WKN 628941).

Rentenanleger nehmen Gewinne mit

Ebenfalls weit oben mit ihrem gehandelten Volumen in der wöchentlichen ETF-Statistik sind etliche Rentenfonds wie der iShares eb.rexx Government Germany 2,5-5,5 (DE) (WKN 628948) und der iShares eb.rexx Government Germany 5,5-10,5 (DE) (WKN 628949), die Bundesanleihen unterschiedlicher Laufzeiten enthalten. „Anleger haben die Produkte Ende vergangener Woche eher verkauft, um die unter der Woche angefallenen Gewinne mitzunehmen. Neupositionierungen waren aber kaum darunter“, berichten die zuständigen Market Maker von der HypoVereinsbank über den Handel mit Renten-ETFs.

Geldmarkt- ETF bleibt gesucht

Hohe Nachfrage besteht wie in den vergangenen Wochen beim db x-tracker Eonia Total Return (WKN DBX0AN). Der Indexfonds ist an eine täglich rollierende Einlage zum Eonia-Satz gekoppelt. Zu diesem von der Europäischen Zentralbank nach Umfragen unter europäischen Banken berechneten effektiven Zinssatz handeln Banken untereinander Tagesgeld. „Klassische Tagesgeldanlagen ohne Risiken werden von Investoren besonders in unruhigen Börsenzeiten bevorzugt“, meint ein Händler.

14. Oktober 2008/Andreas Wolf
Dieser Beitrag wurde dem Börse Frankfurt Fonds-Newsletter entnommen.

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