Start ETF-Marktbericht Krise gelöst, Börse jubelt – bis zum nächsten Tiefschlag

Krise gelöst, Börse jubelt – bis zum nächsten Tiefschlag

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Wie lange wird der Frieden in der Ostukraine halten? Tage, Wochen, Monate? Für immer? Die Börse feiert einen angekündigten Waffenstillstand, als gäbe es keinen Zweifel – das macht sie verletzlich.

So könnte es gerne noch eine Weile weitergehen: Eine Krise wird gelöst, die Börsianer jubeln und feiern, die Kurse klettern auf Rekordhochs. Genug Krisen gibt es ja, um mit ihrer Lösung die Börsen noch lange zu befeuern. Und bei Griechenland sind wir ja ganz kurz davor, eine Lösung zu erzielen – zumindest wenn man den Analysen mancher Kommentatoren glaubt. Steht hier also das nächste Kursfeuerwerk bevor?

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Uwe Zimmer

Meridio Vermögens-

verwaltung AG

 

Bestimmt, denn wie man an der Diplomatie zur Ukraine sieht, wird schon jede nur halbwegs als Erfolg verkaufbare Vereinbarung als Anlass zum Jubel genutzt. Die Börsen sprangen, nachdem der russische Präsident angekündigt hatte, dass in einigen Tagen ein Waffenstillstand in Kraft treten soll. Viel Vertrauensvorschuss also. Oder vielmehr der unbändige Wille, die Kurse steigen zu sehen.

Machen die Unternehmen jetzt bessere Geschäfte mit Russland oder der Ukraine? Verkaufen sie mehr? Nein, denn die Sanktionen bleiben in Kraft, lediglich die Aussichten sind gut, dass zumindest wieder so viel nach Russland verkauft werden kann wie vor der Krise. Rechtfertigt das also steigende Gewinnerwartungen, bessere Geschäftszahlen? Eher nicht.

Wie sieht das in Griechenland aus? Hier stehen in den kommenden Wochen viele Gesprächsrunden an, in denen die Euroländer mit ihrem Mitglied Griechenland einen Weg aus der Krise suchen werden. Wissen wir nicht heute schon, wie es ausgeht? Ein Kompromiss wird es der neuen griechischen Regierung erlauben, das Gesicht nach innen zu wahren und nach außen zumindest so viele Zugeständnisse zu machen, dass die Euro- Partner wiederum ihren Bürgern das ganze als Erfolg verkaufen können. Die einen sind also nicht vom Sparkurs abgewichen (so reden die Euro-Länder ohne Griechenland), die anderen haben fundamentale Erleichterungen und Verbesserungen ausgehandelt (das sagt Griechenland).

Und die Börse? Die wird jubeln. Wieder eine Krise gelöst, wieder ein Thema abgehakt, wieder ein Grund zum Feiern. Vielleicht sehen wir neue Rekorde in den Indizes. Vielleicht ist bis dahin aber auch der Katzenjammer über die Entwicklung in der Ukraine eingekehrt. Vielleicht war der Waffenstillstand nicht haltbar, vielleicht geht auch nur der Aufbau der Ukraine nicht schnell genug.

Vielleicht hätten die Börsianer einmal den Blick heben sollen für die längeren Strecken, oder zumindest nicht über jedes Stöckchen springen, das ihnen hingehalten wird. Noch immer sind an der Börse diejenigen tonangebend, die schnelle Gewinne wollen und dafür auch starke Verluste in Kauf nehmen. Die am Auf und Ab verdienen und nicht an der dauerhaften Werthaltigkeit von Investments. Das ist berechtigt – aber mitmachen sollte man es bei offensichtlich nur kurzfristig angeschobenen Kursfeuerwerken nicht. Sonst sitzt man nachher auf den Scherben, während die anderen schon die nächste Krisenbewältigung feiern.

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