Start ETF-Marktbericht Neue Höchststände bei den Aktien

Neue Höchststände bei den Aktien

37
daxaufschwung

Plötzlich ist der DAX ausgebrochen. Nachdem er sich seit Beginn des Jahres unter Schwankungen mehr oder weniger seitwärts bewegt hat,

ging es in der letzten Woche mit einem Sprung plötzlich bis auf fast 10.000 Punkte nach oben. Das kam überraschend. Es gab dafür auch keinen besonderen Anlass. Die meisten Marktteilnehmer hatten – nach dem üblichen Muster „Sell in May and Go away“ – eher mit einem Rückgang der Kurse gerechnet. Ist das nur eine vorübergehende Laune des Marktes oder könnte es der Beginn einer neuen Aufwärtsentwicklung sein?

  • Die Aktienmärkte sind in der vorigen Woche ohne besonderen Anlass aus der bisherigen Seitwärtsbewegung nach oben ausgebro¬chen.
  • Das fundamentale Umfeld der Aktienmärkte ist so gut wie schon lange nicht mehr.
  • Ein Rückschlag ist nach wie vor möglich. Er würde die Märkte auf eine attraktivere Bewertung stellen. Am Jahresende dürften die Kurse aber höher sein als jetzt.

Ganz kurzfristig sind die Aussichten für eine weitere positive Entwicklung gut. Der Markt wird durch die Erwartung neuer geldpolitischer Lockerungen durch die EZB gestützt. EZB-Chef Draghi hat dabei die Latte sehr hoch gehängt. In seiner bekannt entschlossenen Sprache, die keine Zweifel aufkommen lässt, sagte er letzte Woche: „Wir werden es nicht hinnehmen, dass die Inflation zu lange zu niedrig ist.“ Das ist Balsam für die Aktienmärkte. Freilich hat die Zentralbank die Erwartungen damit sehr hoch gehängt. Beim letzten Mal, im Juli 2012, hat das geklappt. Ob das diesmal auch wieder so sein wird, ist nicht sicher. Es kann auch Enttäuschungen geben.

huefneretf 
Dr. Martin W.Hüfner 

Nun weiß jeder, dass monetäre Faktoren allein den Markt nicht auf Dauer treiben können. Für eine längerfristige Aufwärtsentwicklung kommt es darauf an, dass die Wirtschaft weiter wächst und sich die Gewinne der Unternehmen erhöhen. Auch hier sehen die Perspektiven nicht schlecht aus.

Das Wirtschaftswachstum zieht in fast allen großen Industrieländern spürbar an. Die USA hatten zwar ein schwaches erstes Quartal. Im zweiten Quartal geht es aber deutlich nach oben (wenigstens um 3 %). In Deutschland war schon das erste Quartal gut (annualisiert 3 %). Der Euroraum hat in den ersten drei Monaten des Jahres etwas enttäuscht (annualisiert 0,8 %). Das lag aber im Wesentlichen daran, dass die Niederlande stark geschrumpft sind, weil wegen des milden Winters weniger Gas gebraucht wurde. Nur Italien und Frankreich waren richtig schwach.

Die Grafik zeigt, wie wichtig Wirtschaftswachstum für die Aktienkurse ist. Der Aufschwung der Kurse im März 2009 wurde ausgelöst durch die gesamtwirtschaftliche Erholung nach der Rezession. Als die Konjunktur 2011 an Kraft verlor, stürzten die Kurse vorübergehend kräftig ab (um über 25 %). Danach bewegten sich Aktienkurse und Wirtschaftswachstum in unterschiedliche Richtungen. Die Kurse gingen hoch, das Wachstum nach unten. Das konnte so nicht auf Dauer funktionieren. Die Bewertungen des Marktes wurden immer ungünstiger.

Erst ab Mitte 2013 hat sich die Konjunktur wieder ins Po¬sitive gedreht. Die Wachstumsraten stiegen in Deutschland an. Die Unternehmensgewinne nahmen zu. Das wird sich fortsetzen. Die üblichen Konjunkturprognosen gehen davon aus, dass sich die gute Konjunktur noch wenigstens bis in das Jahr 2015 hält. Allerdings werden sich die Wachstumsraten nicht mehr beschleunigen. Sie werden auf dem erreichten Niveau von 2 % bleiben. Kurszuwächse wie in den letzten zwei Jahren (jeweils mehr als 25 %) sind dann also nicht mehr gerechtfertigt.

Was sind die Risiken, die den Weizen am Aktienmarkt – jedenfalls temporär – verhageln könnten. Einmal sind es die politischen Probleme in Osteuropa (Ukraine), Ostasien (zwischen den Anrainern des Südchinesischen Meeres) und anderen Schwellenländern in verschiedenen Teilen der Welt (unter anderem Thailand, Ägypten, Türkei, Brasilien). Die große Ausnahme ist Indien. Hier kann es, wenn der neue Ministerpräsident Nadrema Modi seine Versprechungen hält, zu „Recovery Rates“ kommen ähnlich wie die in den letzten achtzehn Monaten im Euroraum (mit dem Unterschied nur, dass die Kurse in Indien nicht so stark gefallen waren).

1
2
TEILEN
Die Redaktion des EXtra-Magazins setzt sich aus erfahrenen Finanzexperten zusammen. Teilweise veröffentlichen wir auch Gastbeiträge auf unserem Portal. Wir lieben ETFs, Indexfonds und alles zum Thema Geldanlage und arbeiten täglich daran Ihnen die aktuellsten und nützlichsten Informationen zu liefern.