Start ETF-Marktbericht Parkplätze für Liquidität gesucht

Parkplätze für Liquidität gesucht

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Nach dem ersten Schock über die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers nehmen einige Anleger ihre Gewinne in bearishen Indexfonds mit. Gefragt sind erwartungsgemäß Geldmarkt- und Renten-Portfolios, hohe Umsätze verzeichnen aber auch Banken-ETFs. Die zwischenzeitliche, moderate Erholung an den internationalen Aktienmärkten in der vergangenen Woche hat Investoren nicht überzeugt. Produkte auf steigende Aktienkurse werden so gut wie nicht nachgefragt. „Die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers und der Verkauf von Merrill Lynch an die Bank of America begründet eine neue Zeitrechnung in der Finanzwelt. Mit dem Verschwinden dieser ehemaligen Schwergewichte gibt es nun fast keine Bank oder Versicherung mehr, die nicht demnächst zur Disposition stehen könnte. Der US-Versicherer AIG und die Großbank Washington Mutual könnten die nächsten Kandidaten sein“, erklären die zuständigen Händler der HypoVereinsbank. Das führe zu einem starken Abbau von Risikopositionen. Die meistgehandelten Produkte auf den DAX und DJ Euro Stoxx 50 (WKNs 593393 und 593395) werden von den Investoren verkauft.

Gewinnmitnahmen bei Short-ETFs

Den zu Wochenbeginn erfolgten Kursrutsch nutzen Investoren nach Angaben der Market Maker von der Deutschen Bank zu Gewinnmitnahmen in Short-ETFs auf die großen Indizes DAX (WKN DBX1DS) und DJ Euro Stoxx 50 (WKN DBX1SS). Diese Produkte profitieren von der negativen Kursentwicklung der ihnen zugrunde liegenden Indizes. „Nach dem Bruch der 6.000er Marke haben viele kurzfristig orientierte Anleger zunächst ihre Gewinne mitgenommen. Das heißt allerdings nicht, dass sie ab jetzt mit einer sofortigen Trendwende rechnen“, erklärt der Händler.

Renten-Produkte mit unterschiedlichen Laufzeiten gefragt

Das zunehmende Sicherheitsbedürfnis der Anleger drückt sich auch in einem hohen Umsatzvolumen bei Renten-ETFs aus. Gesucht sind kürzere Laufzeiten wie beim iShares eb.rexx Government Bonds 1,5 – 2,5 (WKN 628947) und mittlere Laufzeiten wie beispielsweise der iShares eb.rexx Government Germany (WKN 628946), der deutsche Staatsanleihen mit Fälligkeiten zwischen 1,5 und 10,5 Jahren enthält. Die Antrag auf Gläubigerschutz von habe die Investoren darüber hinaus wieder mehr für das Emittenten-Risiko sensibilisiert, vermutet der Market Maker. Deshalb legten sie sich den iShares eb.rexx Jumbo Pfandbriefe (DE) (WKN 263526) in ihr Depot. Er vollzieht die Entwicklung des gleichnamigen Index nach. Jumbo-Pfandbriefe unterliegen im Hinblick auf die Verwendung der Kredite und die Haftung der Emittenten strengen gesetzlichen Regelungen. Deshalb gelten die dort angelegten Mittel als besonders sicher.

Anleger legen sich Geldmarkt-ETFs in ihr Depot

Zu den bevorzugt gehandelten Produkten gehören laut Marco Salaorno, ETF-Spezialist bei der Société Générale, Geldmarktprodukte. Besondere Nachfrage verzeichnet der Lyxor Euro Cash (WKN LYX0B6). Auch der DB X-Trackers II-Eonia Total Return (WKN DBX0AN) wird nach Angaben von Simon Klein, Deutsche Bank, stark gekauft.

USA ganz oben auf der Verkaufsliste

Der gestrige Kurssturz in den USA veranlasst Investoren bei entsprechenden ETFs die Notbremse zu ziehen. „Niemand weiß, wie groß die Schwierigkeiten im US-Finanzsystem wirklich sind. Viele Anleger, die schon von einem absehbaren Ende der Finanzkrise ausgegangen waren, treten deshalb den Rückzug an“, erklärt Market Maker Klein. Abgegeben wird der DB X-Trackers MSCI World USA (WKN DBX1MU). Der zugrunde liegende Index enthält alle US-amerikanischen Aktien im MSCI World einschließlich der reinvestierten Dividenden. Verkäufe registrieren die zuständigen Händler auch beim iShares S&P 500 (WKN 264388).

Risikominimierung bei Schwellenländer-Investments

Daneben trennen sich Investoren reihenweise von asiatischen und Schwellenländer-Produkten. „Liquidität ist Trumpf. Die Bereitschaft sich vor dem Hintergrund der Schwierigkeiten in den USA noch in exotischeren Produkten wie den Schwellenländern Brasilien und Russland zu engagieren, ist gleich null. Auch die stark exportorientierten Asiaten sind derzeit nicht gefragt“, berichtet Salaorno. Verkauft werden der Lyxor ETF Brazil Ibovespa (WKN LYX0BE), der DB X-Trackers MSCI Brazil TRN (WKN DBX1MR), der DB X-Trackers MSCI Japan (WKN DBX1MJ) und der Lyxor ETF Russland (WKN LYX0AF).

Banken leiden unter Vertrauensentzug

Im Handel mit ETFs in einzelnen Branchen stehen nach wie vor Banken und Versorger im Mittelpunkt. „Die Lehman-Pleite hat das Fass nun zum überlaufen gebracht. Alle Versuche, verspieltes Vertrauen wieder aufzubauen, können damit vorläufig zu den Akten gelegt werden. Bevor sich Investoren mit den positiven Seiten dieses Bereinigungsprozesses beschäftigen, wird noch einige Zeit vergehen. Solange wollen sie von der Abwärtswelle profitieren“, erklärt ein Händler der HypoVereinsbank. Aus den Depots fliegen z.B. der iShares DJ Stoxx 600 Banks (DE) (WKN 628934). Größte Position in dem Index ist die HSBC mit 12 Prozent gefolgt von Unicredit und BNP Paribas mit jeweils 5,7 und 5,2 Prozent Gewichtung. Zudem trennen sie sich vom iShares DJ Eurostoxx 600 Banks (WKN 628930) und dem db x-trackers DJ STOXX 600 Banks (WKN DBX1SF). Gesucht sind hingegen Branchenprodukte, die von fallenden Kursen profitieren wie der db X-Trackers DJ Stoxx 600 Banks Short (WKN DBX1AH).

© 16.September 2008/Andreas Wolf
Dieser Beitrag wurde dem Börse Frankfurt Fonds-Newsletter entnommen.

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