Hinein in die Aktien, heraus aus Renten – das ist das Motto auch am ETF-Markt. Der „sichere Hafen“ ist nicht mehr gefragt, auch bei Gold berichten Market Maker erstmals wieder von Verkäufen. Der Trend hin zu Immobilienfonds setzt sich außerdem fort.

Selbst Sommerferien und Sonnenschein können dem ETF-Markt nichts anhaben: Trotz Urlaubszeit läuft der Handel mit Indexfonds an der Deutschen Börse weiterhin rege, viele Marktteilnehmer berichten von nochmals steigenden Umsätzen. Ende Juli hatte der ETF-Markt nach Berechnungen von Barclays Global Investors mit einem weltweit verwalteten Vermögen von 862 Milliarden US-Dollar Rekordhöhen erreicht und die bisherigen Spitzenzahlen vom April 2008 übertroffen.

Käufe über Länder und Regionen hinweg

Dabei hinterlassen die wachsende konjunkturelle Zuversicht und die gute Stimmung an den Aktienmärkten ihre Spuren: „Wir haben in den vergangenen Wochen fast nur Käufer gesehen“, berichtet etwa Eric Wiegand von der Deutschen Bank. Nachgefragt würden Aktien-ETFs über alle Länder und Regionen hinweg, d.h. die breiten Indexfonds auf den MSCI Europe oder den DJ EuroStoxx, aber auch ETFs auf den deutschen, französischen oder britischen Aktienmarkt. Besonders umsatzstark im Handel an der Deutschen Börse waren in den vergangenen fünf Handelstagen – wie üblich – ETFs auf DAX und EuroStoxx (WKNs 593393, 593395, DBX1DA).

Interesse am Russell 2000-ETF

Anleger fanden Wiegand zufolge aber auch Gefallen am db x-trackers Russel 2000 (WKN DBX1AB), der die Wertentwicklung des Russel 2000, einem wichtigen Barometer für US-amerikanische Nebenwerte, abbildet. Dass die Investoren wieder zuversichtlicher und mutiger werden, zeigt sich auch an den hohen Umsätzen in Hebelprodukten, etwa dem Lyxor ETF LevDAX (WKN LYX0AD). Short-Produkte wie der db x-trackers ShortDAX-ETF (WKN DBX1DS) rangieren auf der Beliebtheitsskala hingegen mittlerweile ziemlich unten: Auf fallende Kurse will kaum noch jemand setzen.

Auch Gewinnmitnahmen bei ETFs beobachtet

Marco Salaorno von der Société Générale beurteilt die Lage allerdings etwas differenzierter, von ungeteilter Euphorie will er nicht sprechen. „Es gab überwiegend Käufe, aber durchaus auch Gewinnmitnahmen, vor allem zur Mitte der vergangenen Woche“, meint er. Defensive Anlageklassen seien noch nachgefragt worden.

Immobilenfonds-ETFs gefragt

Was einzelne Branchen angeht, gab es laut Salaorno überwiegend Käufe im Healthcare-, Automobil- und Lebensmittelbereich (WKNs LYX0AS, LYX0AN, LYX0AR), Verkäufe hingegen bei Öl und Gas (LYX0A9). Das in den vergangenen Wochen wieder erwachte Vertrauen in die Immobilienmärkte führt zudem weiter zu Zukäufen von Immobilenfonds, wie Florian Perini vom niederländischen Market Maker Flow Traders erläutert. „Das Interesse ist hier nicht spezifisch, sondern bezieht sich auf den gesamten Markt“, meint er. Gut gelaufen sei etwa der iShares FTSE-EPRA European Property Index Fund (WKN A0HG2Q), der die Entwicklung großer europäischer Immobiliengesellschaften wie Unibail, Corio, Foncière des Régions und PSP Swiss Property widerspiegelt. In den vergangenen sechs Monaten konnte der Indexfonds um immerhin 20,6 Prozent zulegen.

Erstmals größere Verkäufe bei Gold-ETFs

Bei den Rohstoffen ist das Bild gemischt. Sehr gut läuft Wiegand zufolge der erst vor kurzem aufgelegte db x-trackers DB Commodity Booster DJ-UBISCI (WKN DBX0CZ). Salaorno berichtet von Gewinnmitnahmen, etwa beim Lyxor Commodities CRB (WKN A0JC8F). Zudem sei zu erkennen, dass Anleger langsam ihre Investments in Gold wieder reduzierten, wie etwa beim ETF auf physisches Gold (WKN A0N62G), ergänzt Perini: „Als sicher angesehene Investments wie Gold und Rentenprodukte werden abgebaut“.

Bei Schwellenländer-ETFs fehlt Luft nach oben

Die Umsätze bei den Schwellenländern-ETFs sind nach Ansicht der meisten Marktteilnehmer rückläufig. „Größere Zukäufe gibt es nicht mehr“, meint Perini. Nach den rasanten Kursanstiegen in diesem Jahr ist nach Einschätzung vieler Investoren wohl mittlerweile kaum mehr Luft nach oben. Allerdings werde auch wenig verkauft – viele Anleger halten offenbar an ihren Positionen fest. Marco Salaorno zufolge kam es aber auch zu Gewinnmitnahmen, etwa beim Lyxor ETF MSCI Emerging Markets (WKN LYX0BX). Das ist kaum verwunderlich, hat der Indexfond in den vergangenen sechs Monaten doch Gewinne von über 42 Prozent verzeichnet. Durchaus Interesse beobachtet Eric Wiegand noch beim db x-trackers S&P CNX Nifty-ETF (WKN DBX1NN), einem Aktienfonds auf Indien.

Renten-ETFs unbeliebt

Eindeutig auf der Verkaufsliste stehen derzeit die Geldmarktprodukte. „Die Zinsen sind einfach zu niedrig“, erklärt Wiegand. So wurde der db x-trackers II EONIA TR Index ETF (WKN DBX0AN) fast ausschließlich abgegeben. Auch für andere Renten-ETFs können sich aktuell nur wenige erwärmen, wenn überhaupt, dann wurden Short-Produkte gekauft, wie Wiegand meint. Perini zufolge wurde auch der ETF auf in Euro gelistete Unternehmensanleihen (WKN 251124) erstmals wieder abgegeben. Laut Salaorno legten sich Skeptikern allerdings durchaus noch Inflationslinker (WKN A0F7AM) oder Kurzläufer (WKN A0HGFC) ins Portfolio.

11. August 2009/Anna-Maria Borse. Dieser Marktbericht ist dem Fonds-Newsletter der Börse Frankfurt entnommen.

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