Start ETF-Marktbericht Raus aus Aktien, rein in Goldminen und Renten

Raus aus Aktien, rein in Goldminen und Renten

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Während es ETFs mit Industrie- oder Schwellenländeraktien Anlegern im Moment nicht besonders angetan zu haben scheinen, treffen eine ganze Reihe von Renten-ETFs den Zeitgeschmack. Auch ein Goldminenindex ist begehrt.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Von anziehender Handelstätigkeit im ETF-Markt berichten die Market Maker auf Xetra. Andreas Bartels zufolge wäre das Volumen der zurückliegenden fünf Handelstage mit 8.000 Trades zwar noch unterdurchschnittlich, aber dennoch gut für diesen August – ein Zeichen, dass die institutionellen Investoren zurück seien. Dabei überwögen allerdings über alle Asset-Klassen hinweg die Verkäufe in einem Verhältnis von 55 zu 45 Prozent. „Insbesondere Anteile an Aktien-ETFs sind abgegeben worden.“ Auch Aysun Cifci, Händlerin bei der DekaBank, berichtet von einem Verkaufsüberhang.

An der Spitze stünden Indexfonds mit US-amerikanischen Aktien (WKN 264388), bemerkenswerterweise noch vor den deutschen und europäischen Bluechips, bei denen ebenfalls die Abgaben überwiegen, fasst Bartels zusammen.

Auch Tracker japanischer Indizes sind vergleichsweise rege gehandelt worden und fast ausschließlich aus den Depots geflogen, wie Florian Perini weiß, der für Flow Traders ETFs als Market Maker tätig ist. Verkauft würden Lyxor ETF Japan (Topix) und der iShares MSCI Japan (WKNs A0ESMK, A0DPMW).

An breitgestreuten Indexfonds mit Aktien aus den Emerging Markets fänden Anleger unterm Strich zurzeit ebenfalls eher kein Gefallen, berichtet Perini, allerdings gäbe es auch einzelne Käufe. Auf der Liste der meistgehandelten Produkte stehen zwei ETFs von db x-trackers und von iShares ziemlich weit oben (WKNs DBX1EM, A0HGZT).

Bei der DekaBank sind es beispielsweise der Lyxor ETF MSCI AC Asia-Pacific Ex Japan und der db x-trackers MSCI EM EMEA, von denen sich Investoren trennen (WKNs LYX0AB, DBX1EA).

DAX-Aktien mit hohen Dividenden

Gegen den Industrieaktien-Trend sei ein etwas exotischerer ETF, der ETFlab DAXplus® Maximum Dividend (WKN ETFL23), erzählt Cifci, ein Indexfonds, der allgemein recht gut liefe. Das Konzept des zugrunde liegenden Index der Deutschen Börse greift auf die 20 deutschen Aktien mit der höchsten Dividendenrendite zu. Zugrunde liegen die effektiven Dividendenankündigungen und Dividendenschätzungen.

Starkes Interesse an Gold und Goldproduzenten

Kassenschlager bei der Commerzbank ( Zum Testbericht) waren in den vergangenen Tagen ETFs auf den Nyse Arca Gold Bug Index, z.B. von der RBS oder von ComStage (WKNs A0MMBG, ETF091). „Bei den physisch hinterlegten Gold-Produkten wie z.B. Xetra-Gold, ist seit einiger Zeit verstärkte Nachfrage zu beobachten. Insbesondere beim Nyse Arca Gold Bug Index, der nur Unternehmen enthält, die ihre Goldproduktion maximal 18 Monate im Voraus verkaufen. Goldminen sichern ihren Ertrag mit Termingeschäften gegen einen möglichen Preisverfall ab. Das bringt jedoch mit sich, dass sie an einem Preisanstieg nicht vollumfänglich partizipieren. Investoren, die mit steigenden Goldpreisen rechnen und die den Umweg über die Minenaktien nehmen, meiden deshalb Unternehmen mit ausgedehnten Hedging-Programmen.

Bei der Commerzbank ( Zum Testbericht) sind immerhin 5 Prozent aller Umsätze in ETFs im Rohstoffbereich angefallen, was ungewöhnlich hoch sei, wie Bartels einschätzt.

Bundesanleihen gefragt

Im Bereich der Renten-ETFs sieht Bartels Nachfrage nach Bundesanleihen. Gekauft würden vor allem Tracker von Anleihenindizes im längerfristigen Spektrum mit 5 bis 10 Jahren Restlaufzeit. „Erst kommen die Langläufer, dann erst die Mittel- und Kurzläufer, aber immer deutsche Staatsanleihen.“

Im Auftragsbuch Cifcis gab es ebenfalls Nachfrage nach dem ETFlab Deutsche Börse EuroGOV Germany 1 – 3, der Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von ein bis drei Jahren enthält (WKN ETFL18).

Es standen aber auch eher risikoreichere Renten auf den Einkaufszetteln der Anleger. Gekauft worden sei beispielsweise der iShares Markit iBoxx Euro High Yield Bond (WKN A1C8QT), der hochverzinsliche, liquide Unternehmensanleihen aus dem Euroraum enthält. Die größten Positionen im Index mit leicht über 1 Prozent sind Anleihen von ThyssenKrupp, Banco Espirito Santo, Caixa Geral de Depósitos und Unitymedia. Grundsätzlich sind alle Werte auf 5 Prozent begrenzt. Ebenfalls beliebt sei der iShares Barclays Capital EURO Corporate Bond ex-Financials mit in Euro begebenen Unternehmensanleihen – Bankensektor ausgeschlossen (WKN A0YEEY).

Bartels ergänzt, dass in Geldmarktfonds wenig los gewesen sei und deren Anteil am Gesamtumsatz von 5 Prozent, anders als bei den Rohstoffen, vergleichsweise niedrig ausfiele.

Von Verkäufen weiß Cifci im Anleihesektor allerdings auch. Abgegeben worden seien etwa Jumbo-Pfandbriefe in Form vom iShares eb.rexx Jumbo Pfandbriefe (WKN 263526).

Vor allem Grundstoffe

In Hinblick auf die Sektoren berichtet die Commerzbank von reger, ausgeglichener Aktivität in ETFs mit Grundstoffaktien, die 56 Prozent des Handelsvolumens mit Branchen-ETFs ausmachten. „Alle anderen Branchen sind weit abgeschlagen.“

Cifci beobachtet außerdem Nachfrage nach einem Immobilien-ETF auf den FTSE EPRA/Nareit Developed World Yield von iSahres (WKN A0LGQL), der börsengelistete Unternehmen der Immobilienbranche und REITs enthält, die aus Industrieländern stammen – außer Griechenland – und eine Dividendenrendite von mindestens 2 Prozent für das laufende Jahr prognostizieren.

© 4. September 2012/Edda Vogt

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