ETF Securities Rohstoffbericht
Der ETF-Securities Rohstoffbericht bietet einen Überblick über die wöchentlichen Entwicklungen der verschiedenen Rohstoff-Sektoren des ETF-Marktes.

„Bei Rohöl-ETPs kam es zu Abflüssen in Höhe von 39,5 Mio. USD, da Anleger nach dem Anstieg der Rohölpreise um 3,2 Prozent Gewinne mitnahmen. Angesichts des erhöhten politischen Risikos gewann Gold an Attraktivität. ETF-Anleger gingen in Vorwegnahme einer Krise in dieser Woche Short-Positionen in Italien ein“, das berichtet ETF Securities (WisdomTree) im aktuellen Rohstoffbericht KW 20.

Gewinnmitnahmen bei Rohöl-ETPs

Bei Long-Rohöl-ETPs (A1N49P) kam es danach zu Abflüssen in Höhe von 39,5 Mio. USD, da Anleger nach dem Anstieg der Rohölpreise um 3,2 Prozent Gewinne mitnahmen. „Der Anstieg auf das Dreieinhalbjahreshoch folgte der Ankündigung der USA, sie würden die Sanktionen gegen den Iran wiedereinführen. Dabei sind die globalen Rohölmärkte infolge der Produktionsausfälle in Venezuela und der Vertragstreue der OPEC-Staaten, die die vereinbarten Förderkürzungen weitgehend einhalten, bereits sehr angespannt. Wir rechnen allerdings damit, dass sich die extraterritorialen Vorschriften der USA nur geringfügig auswirken werden, da die USA kein iranisches Rohöl importieren und die erdölimportierenden Länder die Haltung der USA nicht zu übernehmen scheinen. Die Sanktionen werden, kurz gesagt, iranisches Rohöl wohl nicht vom Markt jagen. Lediglich die geopolitische Prämie dürfte nicht so bald verschwinden. Da einige andere Länder die Förderung steigern, dürften die jüngsten Zugewinne zum Teil aufgezehrt werden. Letztere wirken in dieser Höhe nicht nachhaltig, und die Anleger scheinen Gewinne mitzunehmen“, so der ETC-Anbieter im Rohstoffbericht KW 20.

Flucht in Gold-ETPs

Angesichts des erhöhten politischen Risikos gewannen Gold-ETPs (A0LP78) an Attraktivität. „Der politische Kalender ist gut gefüllt. Im kommenden Monat steht das Treffen zwischen Präsident Trump und Kim Jong-un auf dem Programm, und die Risiken, dass die Atommächte aneinander geraten, statt einen Friedensplan entwickeln, sind nicht unerheblich. Darüber hinaus ist die Maßnahme gegen den Iran ein Zeichen, dass die USA ihre diplomatische Präsenz im Nahen Osten wiederherstellen wollen. Ob dies die Stabilität in der Region fördert oder behindert, lässt sich bislang nicht sagen. Sollte sich der Iran aus dem gemeinsamen umfassenden Aktionsplan zurückziehen, könnte die Region unserer Ansicht nach ins Chaos stürzen und der Stellvertreterkrieg mit Saudi-Arabien eskalieren. Long-Gold-ETPs verzeichneten Zuflüsse in Höhe von 16,7 Mio. USD, während in die eng korrelierten Silber-ETPs 3,1 Mio. USD flossen“, berichtet ETF Securities.

Uneinigkeit bei Aluminium

„Anleger sind sich über die Richtung von Aluminium (A0KRJS) offenbar uneinig. Bei Long-Aluminium-ETPs kam es mit 1,9 Mio. USD zu den höchsten wöchentlichen Zuflüssen seit Februar 2018. Zugleich flossen in Short-Aluminium-ETPs 1,1 Mio. USD – soviel wie zuletzt im Mai 2016“, heißt es weiter. Auch wenn die Preise ausgehend von den Hochs des letzten Monats gesunken seien, als die USA Sanktionen gegen den Großaktionär einer russischen Bergbaugesellschaft verhängten, dürften sie nach Meinung von ETF Securities wieder ansteigen, sobald die Sanktionen (und die Handelsbeschränkungen gegen China) in Kraft treten würden.

Anleger setzen wieder auf steigenden Euro gegenüber dem US-Dollar

Hinsichtlich des Euro gegenüber dem US-Dollar würden die Anleger wieder eine optimistischere Haltung einnehmen. „In der letzten Woche wurden Long-EUR-Short-USD-ETPs im Wert von 9,7 Mio. USD ge- und Long-USD-Short-EUR-ETPs im Wert von 8,3 Mio. USD verkauft. „Anleger scheinen nicht überzeugt, dass die jüngste moderate Aufwertung des US-Dollar nachhaltig ist“, so ETF Securities im Rohstoffbericht KW 20. Obwohl sich die wirtschaftlichen Daten in Europa weiter abschwächten und es kaum Anzeichen gebe, dass sich die Fed von weiteren Zinsanhebungen in diesem Jahr abbringen lasse, sei ETF Securities der Überzeugung, dass die Zinsdifferenz den US-Dollar höher treiben könnte.

Italienische Aktien werden geshortet

Short-FTSE-MIB-Aktien-ETPs verzeichneten hingegen die höchsten Zuflüssen seit Juni 2017, da die Anleger eine Koalitionsregierung der Anti-Establishment-Parteien in Italien fürchten. Dabei legten Short-FTSE-MIB-ETPs um 3.6 Mio. USD zu, während es bei Long-FTSE-MIB-ETPs zu Abflüssen in Höhe von 4,5 Mio. USD kam. „Als der Termin für die Regierungsbildung gestern verstrich, blieben die Anleihe und Aktienmärkte überraschend ruhig. Wir sind der Überzeugung, dass sich ETP-Anleger für eine Krise in dieser Woche positioniert haben“, so ETF Securities abschließend.

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.