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Der ETF-Securities Rohstoffbericht bietet einen Überblick über die wöchentlichen Entwicklungen der verschiedenen Rohstoff-Sektoren des ETF-Marktes

„Silber-ETPs verzeichneten die höchsten wöchentlichen Zuflüsse seit Januar 2015. Antizyklische Aktienanleger interessieren sich für Italien-ETFs. Bei Long-Rohöl-ETPs kam es zu Abflüssen in Höhe von 45 Millionen US-Dollar, da sich Rohöl der Sorte WTI so stark verbilligte wie zuletzt vor zehn Wochen“, so fasst ETF Securities das Marktgeschehen im Rohstoffbericht KW 22 zusammen.

Silber gefragt

Silber-ETPs (WKN: A0N62F) verzeichneten die höchsten wöchentlichen Zuflüsse seit Januar 2015. Silber holt seit einigen Wochen gegenüber Gold auf. Nach dem Zweijahreshoch von 82 im April liegt die Gold-Silber-Ratio am 25. Mai wieder bei 78. Während Gold angesichts der steigenden Zinsen in den USA nach wie vor unter Druck steht, kann Silber von seinen Eigenschaften als Industriemetall profitieren. Der Ausblick für die industrielle Silbernachfrage wirkt günstig, zumal sich die globalen Einkaufsmanagerindizes zu Beginn des zweiten Quartals verbesserten. Silber weist seit 2013 ein Angebotsdefizit auf, und aufgrund der in den letzten Jahren ausgebliebenen Mineninvestitionen ist es wahrscheinlich, dass es noch eine Weile Bestand hat. Für Silber sprechen ferner die zunehmende Nachfrage im Elektroniksektor (vor allem für Autos) und in der Photovoltaik-Branche. Long-Silber-ETPs (WKN: A0N62F) zogen in der letzten Woche Gelder in Höhe von 97,3 Millionen US-Dollar an. Ganz anders die Entwicklung bei Gold-ETPs. Trotz der Zuflüsse gegen Ende der Woche, als das Gipfeltreffen zwischen den USA, Nordkorea und Südkorea für weitere Turbulenzen sorgte, kam es bei Gold-ETPs (WKN: A0LP78) im Wochenverlauf insgesamt zu Abflüssen in Höhe von 63,5 Millionen US-Dollar, da sich der Goldpreis vorwiegend rückläufig entwickelte.

Antizykliker interessieren sich für Italien-ETFs

Die Bildung einer populistischen Koalitionsregierung in Italien schreckte den Markt in der letzten Woche auf, und der FTSE MIB büßte gut 4,5 Prozent ein. Vor den Ereignissen des Wochenendes, die weitere Turbulenzen zur Folge hatten, schienen die ETF-Anleger jedoch eine Kaufgelegenheit zu wittern. Bei FTSE-MIB-ETFs fielen die Zuflüsse mit 8,2 Millionen US-Dollar so hoch aus wie zuletzt im Juni 2016.

Süße Versuchung – oder doch nicht?

Zucker-ETPs (WKN: A0KRJ8) verzeichneten die höchsten Abflüsse seit Juli 2015, da die Anleger Gewinne mitnahmen. Als der Markt in der vergangenen Woche den Umfang des globalen Überangebots neu bewertete, legten die Zuckerpreise um sieben Prozent zu. Nach der Rekordernte (und des folgenden hohen Zuckerausstoßes) hatte der Markt zunächst reflexartig angenommen, dass Indien den Markt mit umfangreichen Zuckerrohrexporten überschwemmen könnte. Indien scheint sich aber in diesem Jahr mit der Anhebung der Lagerbestände zufrieden zu geben. Zugleich ist es wahrscheinlich, dass das brasilianische Angebot aufgrund der weniger günstigen Wetterlage geringer ausfällt. Darüber hinaus dürften die relativ hohen Rohölpreise dazu führen, dass größere Mengen Zuckerrohr der Zuckerproduktion entzogen und in die Ethanolproduktion gelenkt werden. Long-Zucker-ETPs verzeichneten in der vergangenen Woche Abflüsse in Höhe von 8,5 Millionen US-Dollar, da Anleger im Zuge des jüngsten Preisanstiegs Gewinne mitzunehmen schienen.

Abflüsse bei Metallen

Auch bei Industriemetallen (WKN: A0SVX7) kam es wohl zu Gewinnmitnahmen. Deren Preise hatten nach einer Schwächephase erst im letzten Monat insgesamt um 1,5 Prozent zugelegt. Nach der Marktbewegung schienen die Anleger aber Gewinne mitzunehmen. So fielen die Abflüsse in der vergangenen Woche mit 16,6 Millionen US-Dollar so hoch aus wie seit acht Wochen nicht mehr. Auch wenn die fundamentale Situation weiterhin unterstützend für Industriemetalle wirkt, könnte der aufwertende US-Dollar den Anstieg der Preise auf kurze Sicht begrenzen.

Bei Long-Rohöl-ETPs (WKN: A0KRJX) kam es zu Abflüssen in Höhe von 45 Millionen US-Dollar, da sich Rohöl der Sorte WTI so stark verbilligte wie zuletzt vor zehn Wochen. Der Preis der Sorte WTI fiel in der letzten Woche um fünf Prozent, da die OPEC und Russland signalisierten, dass sie zu Fördererhöhungen bereit wären. Bisher ist unklar, in welchem Maße sie ihre Förderung anheben wollen oder inwiefern die 14 Mitglieder der Organisation – und die anderen zehn Nicht-OPECLänder, die an der freiwilligen Förderanpassung teilnehmen – überhaupt mit einer Reduzierung der Förderkürzungen einverstanden sind. Wir gehen davon aus, dass das 174. Treffen der OPEC am 22. Juni für mehr Klarheit sorgen wird.

 

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Thomas Brummer war nach dem Betriebswirtschaftsstudium für das Anlegermagazin „Der Aktionär“ tätig. Im Anschluss schrieb er mehr als vier Jahre für das Verbraucherportal biallo.de und einige Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier. Währenddessen hospitierte er in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf. Seit 2018 schreibt er für extra-funds.de und das ETF EXtra-Magazin.