ETF Securities Rohstoffbericht
Der ETF-Securities Rohstoffbericht bietet einen Überblick über die wöchentlichen Entwicklungen der verschiedenen Rohstoff-Sektoren des ETF-Marktes.

„Die Abflüsse aus Gold-ETPs nehmen zu und erreichen den höchsten Stand in acht Wochen. Die Zuspitzung der Handelskonflikte zieht die vierte Woche in Folge Abflüsse bei Industriemetallkorb-ETPs nach sich. Schnäppchenjäger scheinen für Zuflüsse in Öl-ETPs verantwortlich, da die Rohölpreise sinken“, das berichtet WisdomTree (vormals ETF Securities) im aktuellen Rohstoffbericht KW 28.

Die Goldpreise gaben die dritte Woche in Folge nach und sanken vergangene Woche auf 1252,6 US-Dollar. Seit Jahresbeginn kam es in 15 von 28 Wochen bei Gold-ETPs (WKN: A0LP78) zu Abflüssen, die sich insgesamt auf 517 Millionen US-Dollar belaufen. Dies unterstreicht die negative Stimmung in Bezug auf das Edelmetall vor dem Hintergrund steigender Zinsen. Die jüngste Wertentwicklung bei Gold scheint sich von den bekannten Makrotreibern abgekoppelt zu haben, da das Edelmetall nicht von der höheren Inflation in den USA und den erhöhten politischen Risiken profitieren konnte. Die im Juni ausgewiesene US-Inflation fiel so hoch aus wie seit 6,5 Jahren nicht mehr und hatte einen weiteren Rückgang der realen Zinsen zur Folge. Aus historischer Sicht würden die Goldpreise von dieser Meldung profitieren, da sie keine Rendite abwerfen und somit einen Schutz vor Verlust der Kaufkraft bieten. Darüber hinaus konnten auch die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China die Nachfrage nach Gold, das traditionell als sicherer Hafen in Zeiten der Unsicherheit gilt, nicht ankurbeln. Unseres Erachtens wird die negative Stimmung vom stärkeren US-Dollar vor dem Hintergrund des von steigenden Zinsen geprägten Umfelds in den USA dominiert und übt damit Verkaufsdruck auf die Goldpreise aus. Wir rechnen mit einer Erholung der Goldpreise in der zweiten Hälfte des Jahres.

Handelskonflikt belastet

Die Zuspitzung der Handelskonflikte zieht die vierte Woche in Folge Abflüsse bei Industriemetallkorb-ETPs (A0SVX7) nach sich. Diese belaufen sich auf 20,1 Millionen US-Dollar, verlangsamen sich aber. Letzte Woche veröffentlichte die US-Regierung eine weitere Liste an chinesischen Gütern im Wert von 200 Milliarden US-Dollar, die ab dem 30. August ebenfalls mit Zöllen in Höhe von zehn Prozent belegt werden. Die US-Regierung befindet sich zudem in Pattsituationen mit der Europäischen Union, Mexiko und Kanada. Die Abflüsse aus Industriemetallkorb-ETPs (A0SVX7) sind angesichts ihrer Konjunkturabhängigkeit auf die Belastung der Metallpreise durch die Zuspitzung der Handelskonflikte zurückzuführen. Unter den Anlegern macht sich zunehmend die Sorge breit, dass die Unsicherheit in Bezug auf den Handelskrieg das globale Wirtschaftswachstum bremsen und so die Nachfrage nach Industriemetallen schmälern könnte. Zwar lässt sich nicht abstreiten, dass die Handelsstreitigkeiten, bei denen Gleiches mit Gleichem vergolten wird, für Unsicherheit sorgen. Gleichwohl rechnen wir mit einer Beilegung der Konflikte noch vor den Zwischenwahlen in den USA im November. Bis dahin dürften sich Industriemetalle volatil entwickeln und die langfristigen Fundamentaldaten weiter günstig ausfallen.

Abflüsse bei Rohöl-ETPs gestoppt

Nach drei Wochen mit Abflüssen kam es bei Rohöl-ETPs (WKN: A1N49P) erneut zu Zuflüssen in Höhe von 9,4 Millionen US-Dollar, da die Schnäppchenjäger die rückläufigen Rohölpreise für Käufe zu nutzen schienen. Die Brent-Rohölpreise verzeichneten im Verlauf der letzten Woche den größten Tagesverlust in beinahe 2,5 Jahren, da befürchtet wurde, dass libysches Öl früher als erwartet den Weg an den Markt zurückfinden könnte. Grund waren Meldungen darüber, dass die Ölterminals im Osten Libyens, die für vier Wochen geschlossen waren, ihren Betrieb wieder aufnehmen, nun da sie wieder an das staatliche Ölunternehmen NOC übergegangen sind. Die Stilllegung der Produktion in Libyen verringerte das Ölangebot am Markt um rund 800.000 Barrel pro Tag. Der Markt dürfte sich allerdings wieder entspannen, da nunmehr mit einer Normalisierung der libyschen Ölproduktion gerechnet wird. Negative Monatsberichte seitens der Energieinformationsbehörde (EIA) und der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), die beide ein starkes Angebotswachstum außerhalb der OPEC für 2019 signalisieren, sorgten für zusätzlichen Druck auf den Ölpreis.

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Thomas Brummer war nach dem Betriebswirtschaftsstudium für das Anlegermagazin „Der Aktionär“ tätig. Im Anschluss schrieb er mehr als vier Jahre für das Verbraucherportal biallo.de und einige Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier. Währenddessen hospitierte er in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf. Seit 2018 schreibt er für extra-funds.de und das EXtra Magazin.