Start ETF-Marktbericht Rüffel für Draghi & Co.

Rüffel für Draghi & Co.

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Geldschein

Die Weltwirtschaft wächst – doch nicht so schnell, wie die Aktienmärkte vermuten lassen. Warum dies so ist, hat die weltweit oberste Notenbank erforscht.

Die Diagnose: Die Zentralbanken können ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum nicht mit ultralockerer Geldpolitik stimulieren, solange viele Länder noch in der Bilanzrezession stecken. Doch die Notenbanker können auf diese Weise durchaus neue Finanzblasen aufblasen. Anleger sollten die Warnung ernst nehmen.

Stephan Albrech 2 
Stephan Albrech 

Die BIZ ist gleichsam die Bank der Zentralbanken und nimmt für deren Kooperation eine Schlüsselrolle ein. Seit einiger Zeit weicht sie jedoch in ihrer Meinung zur Geldpolitik von wichtigen Mitgliedern ab. Während Draghi, Yellen und Co unter dem Druck der Regierungen die Zinsen auf null senken und Abermilliarden zur Verfügung stellen, um die Konjunktur zu stimulieren, warnt die BIZ im jüngsten Jahresbericht nicht nur vor den Folgen. Sie legt auch dar, warum diese Geldpolitik den gewünschten Erfolg gar nicht haben kann.

Der Grund: 2007 endete nicht einfach ein x-beliebiger Konjunkturzyklus mit einer gewöhnlichen Rezession. Vielmehr brach ein längerfristiger und riesiger Finanzboom wegen übermäßiger Verschuldung in sich zusammen, was zu gewaltigen Produktionseinbußen und Arbeitsplatzverlusten führte. Im folgenden Abschwung trat die massive Fehlallokation von Ressourcen wie Kapital und Arbeit, die der Aufschwung noch kaschiert hatte, schonungslos zutage. Diese „Bilanzrezession“ der Staaten, Haushalte und Unternehmen mit weiterer Verschuldung zu bekämpfen, hieße, weiteres Öl ins Schuldenfeuer zu gießen, so die BIZ. Doch genau dies wird getan: Seit dem Crash ist die weltweite Verschuldung um weitere 30 Prozent gestiegen.

Von dieser Warte aus betrachtet, hat die ultralockere Geldpolitik der Notenbanken aus mehreren Gründen das Zeug zum nächsten Finanz-Tsunami: Zum einen versucht sie bislang, das Problem des schwachen Wachstums mit denselben Mitteln zu beheben, die es erzeugt haben; zum anderen kann es wegen der sehr niedrigen Zinsen und der massiven Liquidität zu Preisverzerrungen an den Märkten kommen. So gehen Großinvestoren wie Pensionsfonds immer höhere Risiken ein und wähnen sich in trügerischer Sicherheit – mit dem Ergebnis, dass sich die Bewertungen zunehmend vom wirtschaftlichen Umfeld abkoppeln, während die Geldpolitik immer wirkungsloser wird.

Anleger sollten die Warnungen der BIZ ernst nehmen – nicht nur, weil sie als Zentralbank der Zentralbanken die einzige Bank der Welt ist, die Einblick in die tatsächlichen globalen Finanzströme hat, sondern auch weil ihr früherer Chefökonom die jüngste Finanzkrise detailliert vorausgesagt hat. Wer sich gegen Turbulenzen an den Finanzmärkten wappnen will, kommt daher an einer breiten Vermögensstreuung, die über Lebensversicherung, Anleihen und Bankeinlagen hinausgeht, nicht vorbei. Ein angemessener Anteil von Sachwerten wie Aktien und Gold gehört in jedes Portfolio.

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