Start ETF-Marktbericht Schweiz und Geldmarkt favorisiert

Schweiz und Geldmarkt favorisiert

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Das Vertrauen der Anleger in eine stabile Entwicklung an den Aktienmärkten ist zurzeit nachhaltig erschüttert. Einziger Lichtblick ist scheinbar die Schweiz. Zudem engagieren sich zumindest ETF-Investoren weiter am Geldmarkt.

Die Verkaufswelle der vergangenen Tage an der Wall Street bringt zumindest einigen Indexprodukten auf große Aktienindizes einen Umsatzsprung. „Investoren bevorzugen nach wie vor Positionen, die von fallenden Kursen profitieren. Anzeichen für eine Trendwende sind bisher nicht zu erkennen“, erklären die zuständigen Händler der HypoVereinsbank. Überwiegend Verkäufer registrieren sie dagegen bei den meist gehandelten Produkten auf DAX® und DJ Euro Stoxx 50 (WKNs 593393 und 593395).

Schweizer Aktien im SMI gefragt

Kurzfristig setzen Anleger auf steigende Kurse von schweizerischen Aktien und sich zwei ETFs auf den Züricher Leitindex SMI in die Depots. Die beiden Indexfonds db x-trackers SMI (WKN DBX1SM) und iShares SMI (WKN 593396) stehen weit oben auf der Liste der meistgehandelten ETFs.

Gemessen an den meisten anderen europäischen Aktienindizes sind die Verluste des SMI in den vergangenen Wochen nicht ganz so hoch ausgefallen.

Andreas Bertschi von der Baloise Bank begründet diese Entwicklung mit den zahlreichen defensiven Aktien im Index. „Insbesondere die Pharmabranche mit Werten wie Novartis, Roche und Syngenta hat mit ihrer guten Quartalsberichterstattung dazu beigetragen, dass der SMI weniger vom internationalen Aktienausverkauf mit nach unten gezogen worden ist als befürchtet.“

Außerdem hat der Markt den Geschäftsausblick des Nahrungsmittelherstellers und Indexschwergewichts Nestle positiv aufgenommen. „Dem SMI kommt auch der hohe Anteil an Werten der Nahrungsbranche kurzfristig zugute. Auffällig ist zudem, dass sich der Schweizer Bankensektor mit den Großbanken UBS und Credit Suisse gegenüber anderen internationalen Banken schon etwas stabiler zeigt. Das liegt daran, dass die Schweizer Regierung als eine der Ersten beim Einsetzen der Bankenkrise Staatsgarantien für die einheimischen Institute ausgesprochen hat. Seitdem verringert sich der Verkaufsdruck auf diese Aktien spürbar, auch wenn sie sich nicht vollständig vom internationalen Abwärtstrend absetzen können“, erklärt der Fondsmanager weiter.

Mittelfristig bestimme aber die weltweite konjunkturelle Tendenz die weitere Richtung des SMI. „ Viele Schweizer Unternehmen erzielen einen großen Teil ihres Umsatzes im Ausland. Kommt es zu einer längeren internationalen Wachstumsabschwächung, wird sich das auch beim SMI negativ bemerkbar machen“, resümiert Bertschi.

USA und Osteuropa mit Erholungspotential

Eine Zunahme des Anlegerinteresses bei ETFs mit Schwerpunkt USA und Osteuropa beobachtet Torsten Michalik von der Deutschen Bank. „Bisher hat es noch keine ernsthaften Versuche einer Gegenbewegung an der Wall Street gegeben. Man muss sich aber vor Augen halten, dass seit dem Start der jüngsten Verkaufswelle zu Beginn der vergangenen Woche Verluste von über 10 Prozent angefallen sind. Für gewöhnlich zieht das eine technische Gegenreaktion nach sich.“ Nachgefragt wird der DB X-Trackers MSCI World USA (WKN DBX1MU) und der iShares PLC S&P500 (WKN 264388), verkauft wird ein Produkt, das auf fallende Kurse beim S&P500-Index setzt (DBX1AC).

Gesucht ist zudem ein Index-Fonds mit osteuropäischen Aktien. Der Lyxor ETF Osteuropa (WKN A0F6BV) bildet den CECE Composite Index in Euro nahezu eins zu eins nach und setzt sich aus führenden ungarischen, polnischen und tschechischen Unternehmen zusammen. Größte Indexschwergewichte sind Banken mit einem Anteil von etwas 43 Prozent.

Geldmarkt-ETFs profitieren von zunehmender Unsicherheit

Anders als im Handel mit aktiv verwalteten Fonds profitieren Geldmarkt-ETFs nach wie vor vom starken Kursrutsch an den Aktienmärkten. Papiere wie der db x-trackers II-Eonia Total Return (WKN DBX0AN) oder der Lyxor Euro Cash (WKN LYX0B6) sind gesucht. Beide Indexfonds sind an eine tägliche rollierende Einlage zum EONIA-Satz gekoppelt. Zu diesem von der Europäischen Zentralbank festgesetzten effektiven Zinssatz handeln Banken untereinander Tagesgeld. Michalik erklärt die hohen Umsätze in diesen Produkten vor allem mit der Unsicherheit der Investoren: „Der Rückzug von Anlegern aus dem Aktienmarkt lässt viel Liquidität entstehen, für die kurzfristig nach einer attraktiven Parkmöglichkeit gesucht wird. Sie bevorzugen lieber einen Zinssatz von 3,5 Prozent, als sich der täglichen Gefahr von Kursverlusten auszusetzen.“

Überzogene Kursverluste bei Stahlwerten

Bei den einzelnen Branchen verzeichnet der Bereich Grundstoffe anziehende Nachfrage. „Die Rezessionsängste der Anleger habe vor allem Aktien der Stahlhersteller deutliche Verluste beschert. Einige Investoren halten aber bei den aktuellen Bewertungen einen Einstieg für günstig und suchen deshalb nach einem Index-Fonds, der den Sektor eins zu eins nachbildet“, vermutet der zuständige Händler von der HypoVereinsbank. Favorisiert wird der iShares Dow Jones Euro Stoxx 600 Basic Resources (WKN 634472). Schwergewichte des zugrunde liegenden Index sind die Aktien der Minenbetreiber Rio Tinto und BHP Billiton sowie der Stahlhersteller Arcelor Mittal und Salzgitter.

© 28.Oktober 2008/Andreas Wolf
Dieser Beitrag wurde dem Börse Frankfurt Fonds-Newsletter entnommen.

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