Start ETF-Marktbericht Short-ETFs werden gesucht

Short-ETFs werden gesucht

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Mit Short-ETFs an fallenden Kursen profitieren

Wegen der unsicheren Lage an den Märkten halten sich auch bei den Indexfonds die Anleger derzeit zurück. ETFs auf DAX oder DJ Euro Stoxx 50 werden tendenziell eher verkauft, in den übrigen Segmenten ist keine Richtung auszumachen.

Am ETF-Markt setzt sich die ruhige, umsatzarme Phase fort. „Wir haben zwischen März und Mitte Juni hohe Volumina gesehen, jetzt ist nicht mehr viel los“, berichtet etwa Stefano Valenti von Unicredit. Auch die Deutsche Bank sieht das ähnlich: „Es fehlt der klare Trend“, urteilt Simon Klein. Die Kunden verharrten in Wartestellung. Neben der allgemeinen Unsicherheit spielt auch die Jahreszeit eine Rolle: Die ersten starten in die Sommerferien.

Standardwerte auf der Verkaufsliste

Die ETFs auf klassische Indizes stehen derzeit eher auf der Verkaufsliste. Hier zeigt sich, dass die Skeptiker in Sachen Konjunktur wieder Oberwasser haben. Ihrer Ansicht nach waren die Aktienmärkte viel zu weit vorgeprescht. Abgegeben werden etwa die Indexfonds auf den DAX (WKNs 593393, DBX1DA), den DJ Euro Stoxx 50 (WKNs 593395, 935927 und DBX1EU) und den MSCI Europe (WKN DBX1ME). Die Deutsche Bank beobachtet allerdings auch Umschichtungen vom deutschen in den breiten europäischen, US-amerikanischen oder weltweiten Markt. Eine Vielzahl von Investoren habe sich in den letzten Wochen zudem mit Short-Produkten eingedeckt, meint Jürgen Fritzen, Leiter ETFs Sales/Trading bei der DekaBank. Insgesamt sind die Umsätze allerdings extrem dünn, wie die Marktteilnehmer einhellig berichten.

Bei Branchen-ETFs eher defensive Sektoren

Bei den ETFs auf einzelne Branchen werden tendenziell defensive Sektoren gekauft, Zykliker verkauft. Marco Salaorno von der Société Générale zufolge ist etwa ein Lyxor-ETF auf den DJ Stoxx 600 Food & Beverage (WKN LYX0AR) gut gelaufen, der Unternehmen aus der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie abbildet, ebenso ein Papier auf den DJ Stoxx 600 Personal & Household Goods (WKN LYX0AV). Dahinter verbergen sich Unternehmen aus der Tabakindustrie, der Luxusgüter, der Unterhaltungselektronik, der Kosmetik- und der Sportartikelbranche. Gregor Hammel berichtet von Verkäufen bei Portfolios mit Autoaktien.

Wenn Schwellenländer, dann marktbreit

Bei den übrigen ETFs lässt sich derzeit kaum ein Trend ausmachen, auch hier verläuft der Handel ruhig. Anleger setzen bei den Schwellenländer-Indexfonds Stefano Valenti zufolge aktuell eher auf breite Indizes, weniger auf einzelne Länder. Er schätzt, dass zuletzt etwa 90 Prozent der Emerging Markets-Anlagen in breit aufgestellt Fonds geflossen sind. „Von März bis Juni haben sich die Investoren hingegen eher auf einzelne Länder konzentriert, vor allem Brasilien, China, Indien oder Taiwan “, erläutert Valenti. Hier sei die Nachfrage mittlerweile ausgetrocknet. Die Société Générale macht keinen besonderen Trend bei den Schwellenländern aus. Bei China (WKN A0F5BW) und Russland (WKNs A0MU3V und LYX0AF) seien eher Verkäufe zu beobachten gewesen, hingegen hätten die Anleger beim Lyxor ETF MSCI Asia-Pacific ex Japan (WKN LYX0AB) zugegriffen. Der bildet neben China und Taiwan allerdings auch Australien und Neuseeland ab und ist damit kein reiner Emerging-Markets-Fonds. Laut DekaBank nutzt der eine oder andere Anleger die jüngsten Konsolidierungen bei den Schwellenländerbörsen für einen späten Einstieg.

Uneinheitliches Bild bei Rohstofffonds

Auch bei den Rohstoff-ETFs gibt es Käufe und Verkäufe. Von Eindeckungen berichtet etwa die Deutsche Bank: „Viele Anleger entdecken Rohstoff-ETFs für sich als neue Assetklasse“, meint Simon Klein. Daneben erhofften sich zahlreiche Marktteilnehmer von den Rohstoffen einen Schutz vor der befürchteten Inflation. Gut gelaufen seien etwa der db x-trackers DBLCI – OY Balanced ETF (WKB DBX1LC), der die Wertentwicklung unterschiedlicher Rohstoffe abbildet, und der db x-trackers auf den GSCI TM Light Energy (WKN DBX0B4). Laut Marco Salaorno trennten sich Investoren hingegen von den Rohstofffonds, etwa seien der ETF von Lyxor auf Öl und Gas (WKN LYX0A9) sowie der breitere Lyxor-Indexfonds (WKN A0JC8F) eher abgestoßen worden.

Geldmarkt-ETFs mit Verkäufen und Käufen

Vergleichsweise hohe Umsätze gab es abermals bei den Geldmarktfonds, vor allem bei db x-trackers Eonia-ETF (WKN DBX0AN). Hier hielten sich nach Aussage der Marktteilnehmer Käufe und Verkäufe die Waage.

Dieser Marktbericht ist dem Börse Frankfurt ETF-Newsletter entnommen.
Autor: Anna-Maria Borse