Start ETF-Marktbericht Sommerloch beim ETF-Handel

Sommerloch beim ETF-Handel

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Während sich Anleger in der allgemeinen Markttendenz unentschieden zeigen, sind sich bei der Getränke- und Eisindustrie alle einig – die Branche profitiert von einem Jahrhundertsommer. Bei den Anleihen gibt es erste Anzeichen einer Erholung für europäische Werte.

20. Juli 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Sommerpause und das anhaltend schöne Wetter in Europa sorgen weiterhin für insgesamt gebremsten Handel mit ETFs. Bei diesen Temperaturen tummeln sich die Menschen wohl lieber im Schwimmbad. Wer aktiv ist, agiert sehr unterschiedlich: Während die Händler der DekaBank eindeutig mehr Käufe als Verkäufe registriert, halten sich bei der Commerzbank ( Zum Testbericht) die Verkäufe und Käufe in etwa die Waage und Flow Traders beobachtet dagegen fast nur Verkäufe.

Positive Grundhaltung zu Bluechip-ETFs

Bei Indexfonds, die die großen Märkte abbilden, sei generell keine große Handelsaktivität spürbar. „Insgesamt tut sich zwar konstant wenig“, kommentiert der DekaBank Skontroführer Mark Schönbrodt. „Die Bilanz ist aber eindeutig positiv.“ Anleger vermuteten scheinbar europäische Bluechips und Wertpapiere deutscher Mittelständler im Aufwind und kaufen zum Beispiel Euro Stoxx 50-Papiere (WKN 593395). Die Commerzbank ( Zum Testbericht) berichtet ebenfalls von gestiegenem Kaufinteresse, vor allem für viele der großen Länderindizes. So decken sich Investoren gegenwärtig mit ComStage ETF DAX (WKN ETF001), ComStage ETF S&P 500 (WKN ETF012) und ComStage Dow Jones EURO STOXX 50 (WKN ETF050) ein.

Für Florian Perini von Flow Traders dagegen gibt es derzeit fast nur Verkäufe beim Handel mit Indexfonds. „Zogen die Märkte noch vor zwei Wochen wieder etwas an, so hat sich das Bild in den vergangenen Handelstagen wieder gedreht“, berichtet der Market Maker. „Der Grund sind die unterschiedlichen konjunkturellen Nachrichten aus aller Welt, die wahrscheinlich erneut zur Unsicherheit beim Anleger führten.“ So seien die Arbeitsmarktdaten aus den USA schlechter als erwartet ausgefallen und China werde langsamer wachsen als ursprünglich angenommen. Nachrichten wie diese hätten den Glauben an die Erholung der Weltwirtschaft wahrscheinlich etwas eingetrübt. Aber auch weniger bedeutende Meldungen wie die die Herabstufung der spanischen Banco Popular durch die Ratingagentur Fitch würden aktuell bereits Reaktionen bei den ETF-Anlegern auslösen.

In diesem Szenario werden der iShares DJ EURO STOXX 50 (WKN ETF050) eher verkauft, genauso wie iShares DAX (WKN 593393), db x-trackers DAX ETF (WKN DBX1DA), db x-trackers STOXX 600 ETF (WKN DBX1A7) und db x-trackers MSCI World TRN Index ETF (WKN DBX1MW). Passend dazu setzen Investoren mit dem Kauf der Indexfonds db x-trackers DJ Euro STOXX 50 Short ETF (WKN DBX1SS) und db x-trackers ShortDAX ETF (WKN DBX1DS) auf fallende Kurse.

Aufwärtstrend gedämmt

Die positive Entwicklung der vergangenen Wochen bei Wertpapieren der Emerging Markets sieht Perini erst einmal unterbrochen. „Wahrscheinlich handelt es sich aber überwiegend um Gewinnmitnahmen“, vermutet der Market Maker. „Konjunkturelle Gründe sind aus unserer Sicht nicht zu erkennen, es gab keine beunruhigenden Meldungen aus diesen Ländern.“ Marktteilnehmer veräußerten zum Beispiel die Indexfonds db x-trackers MSCI Emerging Markets TRN Index ETF (WKN DBX1EM), iShares MSCI Emerging Markets (WKN A0HGZT) und db x-trackers MSCI EM Asia TRN Index (WKN DBX1MA).

Schub für Eis- und Getränkeindustrie

Nicht nur Urlauber freuen sich aktuell über sonnige und heiße Tage, sondern auch die Lebensmittelindustrie. Getränke und Eis seien vermutlich die Absatzgewinner der diesjährigen Sommersaison. Besonders viele Abnehmer finden sich auch für den iShares DJ STOXX 600 Food & Beverage Swap (WKN A0F5T2). „Bei anderen Sektoren sehen wir dagegen überwiegend Abgaben“, berichtet Perini. Anleger seien bei den Themen-ETFs immer noch vorsichtig und würden an den Aufschwung noch nicht so recht glauben. Dies deckt sich mit den Beobachtungen von Mark Schönbrodt von der DekaBank. Anleger verkaufen zum Beispiel Automobil- und Bankenwerte wie die ETFs iShares DJ STOXX 600 Automobiles & Parts (WKN 634471) und iShares DJ EURO STOXX Banks (WKN 628930).

Die Commerzbank hingegen beobachtet auch bei einzelnen Sektoren eine erhöhte Nachfrage. „Größeres Interesse sehen wir bei Werten aus der Gesundheitsbranche, der Telekommunikation und im Einzelhandel“, kommentiert Anouch Wilhelms. Gekauft wurden die Tracker ComStage ETF STOXX 600 Health Care (WKN ETF068), ComStage ETF STOXX 600 Telecommunications (WKN ETF077) und ComStage ETF STOXX 600 Retail (WKN ETF075).

Griff zu europäischen Anleihen

Ob die größere Nachfrage nach europäischen Anleihen eine Trendwende signalisiere, ist nach Schönbrodts Ansicht noch nicht zu erkennen. Zumindest beobachtet er aktuelle Umschichtungsaktivitäten weg von den deutschen Anleihen hin zu europäischen Werten. Das sei nicht verwunderlich, weil die Anleger seit der Krise in der Eurozone deutsche Anleihen gegenüber europäischen favorisiert hätten. Kurz laufende deutsche Anleihen zwischen einem und drei Jahren würden nun überwiegend verkauft und kurz laufende europäische festverzinsliche Anleihen stattdessen nachgefragt. Anleger veräußern zum Beispiel den ETF iShares eb.rexx Government Germany 1,5-2,5 (WKN 628947) und kaufen den ETFlab iBoxx € Liquid Sovereign Diversified 1-3 (WKN ETFL12).

© 20. Juli 2010 / Iris Merker

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