SPDR Marktüberblick

Wie zu erwarten hob die US-Notenbank (Fed) an ihrer Sitzung im Juni die Leitzinsen um 25 Basispunkte (Bp.) an. Obschon damit weithin gerechnet worden war, blieben die Anleger in Sachen Inflation nach erneut schwachen Daten wachsam. Die Kerninflation in den USA ging auf 0,8% zum Vorjahr zurück und enttäuschte somit den dritten Monat in Folge. Fed-Vorsitzende Janet Yellen meinte, die Fed sei sich der Inflationsbedenken durchaus bewusst. Allerdings sei sie der Meinung, dass die schwachen Daten nur vorübergehend sind, und sie gehe vielmehr davon aus, dass Verbesserungen am Arbeitsmarkt die Inflation auf den Zielwert von 2% steigen lassen werden. Die Sitzung bot ferner eine erneute Klarstellung über die Reduzierung der Fed-Bilanz. Der Marktkonsens geht davon aus, dass die Fed an ihrer Sitzung im September eine solche Reduzierung ankündigen wird.

SPDR Marktüberblick KW 27: Anleger bleiben wachsam

In Europa beließ die Bank of England (BoE) den Leitzins bei 25 Bp. Drei von acht Mitgliedern des Monetary Policy Committee (MPC) stimmten für eine Zinserhöhung; im Mai hatte sich nur ein Mitglied zugunsten eines solchen Schritts geäußert. Während des Monats Mai belief sich die Inflation auf 2,9 Prozent. Aus diesem Grund machen sich einige Mitglieder des MPC Sorgen über den Teuerungsdruck. Kirstin Forbes, die zu den „Falken“ des MPC der BoE zählt, wird gegen Ende dieses Monats abgelöst. Allerdings waren es die Kommentare des Chefökonomen der BoE, Andy Haldane, die für Schlagzeilen sorgten. Er wird von vielen als eher expansiv eingestuft. Im Widerspruch dazu warnte er jedoch in einer Rede von den Risiken einer allzu späten zinspolitischen Straffung. Haldane meinte sogar, er würde ein Votum für eine Zinserhöhung diesen Monat in Erwägung ziehen. Neben den jüngsten Kommentaren von Forbes wurde in seiner Rede deutlich, dass sich die Mitglieder des MPC zunehmend über eine Inflation sorgen, die über ihrem Zielwert von 2 Prozent hinausschießt. Zu den anderen Bedenken des MPC gehören unterdessen das schwache Lohnwachstum, die Ungewissheit rund um die Regierungsbildung in Großbritannien nach den Parlamentswahlen und der Brexit.

Was den Brexit anbelangt, so haben mittlerweile die Verhandlungen begonnen. Diese werden sich zunächst auf die Bedingungen des EU-Austritts konzentrieren, bevor die neue Beziehung diskutiert werden kann. Es scheint also, als ob Großbritannien den von der EU bevorzugten Zeitplan für die Gespräche bereits akzeptiert hat, dem zufolge es nicht zu sofortigen Handelsgesprächen kommen wird. Allerdings gab es Befürchtungen, der Verhandlungsbeginn könnte verzögert werden, da sich die Konservativen unter Theresa May nach den Wahlen trotz fortlaufender Gespräche mit der nordirischen Democratic Unionist Party schwer taten, eine Regierung zu bilden. Unterdessen tickt die Brexit-Uhr, da die Verhandlungen bis März 2019 unter Dach und Fach sein müssen. Für eine Verlängerung bedarf es der einhelligen Zustimmung aller 27 Mitglieder der EU.

Andernorts in Europa gewann die zentristische Koalition unter Emmanuel Macron eine klare Mehrheit bei den jüngsten Parlamentswahlen Frankreichs. Dessen La République En Marche konnte, zusammen mit der Mouvement démocrate (Demokratische Bewegung), mehr als 60% aller Sitze in der Assemblée Nationale erobern. Macron steht nun vor der schwierigen Aufgabe, Frankreich zu reformieren und Europa umzubauen.

Anleger bleiben wachsam

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1Performance der der Aktiensektoren

Nachzügler und Anführer geraten jeweils ins Hintertreffen

An der Spitze stand das Gesundheitswesen, nachdem die Republikaner im US-Senat ihren Gesetzesentwurf zur Gesundheitsreform vorlegten. Unseres Erachtens befindet sich der Sektor als nicht überlaufene langfristige Wachstumswette in einer erstklassigen Position und erhält dank Hoffnungen auf regulatorische Lockerungen und reduzierter Bedenken über Preiskontrollen bei Medikamenten Aufwind. Andererseits war im Technologiesektor eine markante Korrektur zu verzeichnen. Dies führte zu Bedenken, die Momentum-Rally könnte ein abruptes Ende gefunden haben, obschon letztlich einige der Verluste wieder hereingeholt werden konnten. Der Energiesektor wurde ebenfalls erneut in Mitleidenschaft gezogen, da sich Rohöl eindeutig in einer Baisse befindet. Die Stimmung bleibt angesichts widersprüchlicher Schlagzeilen über die Bereitschaft der OPEC, tiefere Einschnitte in der Produktion in Erwägung zu ziehen, und des zunehmenden Angebots an Schieferöl aus den USA verheerend.

2Core und Smart Beta

Ins Stocken geratener Technologiesektor untergräbt Erholung und stellt Vorteile einer minimalen Volatilität unter Beweis

Der seit Jahresbeginn in Sachen Performance führende Momentum-Faktor hat unter Umständen seit Mitte Juni seit dem Abverkauf unter IT-Aktien ausgedient. Der IT-Sektor geriet nach starken Kursgewinnen und großen Anlegerpositionen, insbesondere unter den US-amerikanischen Internetfirmen, ins Fadenkreuz.
Aktien mit minimaler/geringer Volatilität profitierten hiervon, wenn auch nur vorübergehend. Aktien mit geringer Volatilität scheinen nicht überteuert und bieten einen gewissen Schutz angesichts eher unsicherer Marktbedingungen. Viele der Aktien, die eine niedrige Volatilität unter Beweis stellen, darunter Versorgungs- und Basiskonsumgüterwerte, dienen außerdem als Stellvertreteranlagen für Anleihen, die von der flacheren Renditekurve profitieren.

3Anleihen

Inflation kommt nicht aus den Startlöchern

Generell schnitten in den letzten beiden Wochen festverzinsliche Anlagen gut ab. Die erwartete Zinserhöhung seitens der US-Notenbank sorgte bei kurzfristigen US-Staatsanleihen kaum für Renditeänderungen, während die hartnäckig schwache Inflation das längere Ende der Renditekurve unter Druck setzte, wo sich eine kräftige „Bull Flattening“-Tendenz abzeichnete. Angesichts dessen ging die Differenz zwischen 5- und 30-jährigen Spreads auf ihren niedrigsten Stand seit 2007 zurück.4 Zeichnet sich eine US-Rezession ab? Noch wäre es verfrüht, davon auszugehen.
Da die Inflation einfach nicht aus den Startlöchern kommt, schneiden Anleihen der Schwellenländer in Lokalwährung weiterhin gut ab. Das Interesse der Anleger an Rendite hält unvermindert an. Dies spricht für weitere Mittelflüsse in diese Kategorie.
In Europa enttäuschten die PMI-Daten am Freitag. Allerdings zeigten sich die europäischen Staatsanleihen von den schwachen Daten unbeeindruckt. Stattdessen konzentrierte man sich auf die antizipierte Normalisierung der Geldpolitik bei den Zentralbanken. In den letzten zwei Wochen hatte indes der Markt für britische Staatsanleihen mit erhöhten Inflationssorgen infolge des Brexit und mit einem schwachen Lohnwachstum zu kämpfen.

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Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann studierte Franz Rieber Informationsorientierte Betriebswirtschaftslehre und hat einen Master-Abschluss in Finance & Banking. Seit 2016 ist Franz Rieber für die Isarvest GmbH tätig und für das Projektmanagement und die Kundenbetreuung verantwortlich.