SPDR Marktüberblick

In den letzten beiden Wochen hat vor allem ein Thema die Märkte beschäftigt: die Inflation – genauer gesagt die nicht vorhandene. Sowohl in Großbritannien als auch in den USA hat sich die Teuerungsrate überraschend niedrig gezeigt. Während sich die Inflation in den USA praktisch unverändert zeigte, ist sie in Großbritannien sogar unerwartet um 30 Basispunkte auf 2,6 % zurückgegangen. Damit hat der Druck auf die Zentralbanken, die geldpolitischen Zügel zu straffen, nachgelassen. Fed-Chefin Chair Janet Yellen reagierte als Erste auf diesen Umstand. Sie ließ verlautbaren, dass eine Zinswende schrittweise erforderlich sei, und verwies darauf, dass sich das Wachstum im zweiten Quartal erholt habe. Eine Woche später äußerte sich auch EZB-Präsident Mario Draghi, welcher an seiner zurückhaltenden Haltung festhielt. Er gab bekannt, dass die Europäische Zentralbank die quantitativen Lockerungsmaßnahmen erst reduzieren werde, wenn belastbare Daten eine steigende Inflation in der Eurozone erwarten lassen.

SPDR Marktüberblick Juli: Zinswende schrittweise erforderlich

Auf der anderen Seite des Atlantiks ist der Gesetzesentwurf der Republikaner zur Gesundheitsreform im Senat erneut gescheitert, weshalb Mitch McConnell, der Mehrheitsführer im Senat, eingestehen musste, dass die Reformpläne in der aktuellen Fassung keinerlei Erfolgsaussichten haben. Derweil geriet das Weiße Haus unter Präsident Trump abermals in die Schusslinie denn es wurden weitere Informationen bekannt, nach denen sich Trump Junior, Jared Kushner und Paul Manafort im Juni 2016 offenbar mit einer kremlnahen Anwältin getroffen hatten, um belastende Informationen über Hillary Clinton in Erfahrung zu bringen. Diese Enthüllungen reihen sich ein in die laufenden Ermittlungen, ob Russland beim US-Wahlkampf im letzten Jahr möglicherweise mitgemischt hat.

Dem Schwung an den US-Aktienmärkten konnten diese neuerlichen Schatten über die US-Regierung allerdings nichts anhaben. Diese haben seit Jahresbeginn Kursgewinne von knapp 12 % erzielt.

China überraschte derweil mit einem BIP-Wachstum im zweiten Quartal von 6,9 % gegenüber dem Vorjahr. Dies ist umso beachtlicher, weil die Regierung mittlerweile die Finanzregulierung verschärft, und die Investitionen in die Immobilienentwicklung reduziert hat. Das Wachstumsziel der Regierung von 6,5 % scheint weiterhin realisierbar, zumindest auf kurze Sicht.4

Derweil ist die britische Regierung bei den Brexit-Verhandlungen etwas zurückgerudert und hat die Zahlung einer „Austrittsrechnung“ akzeptiert. In welcher Höhe diese ausfallen wird, bleibt allerdings noch auszuhandeln. Zudem willigte Premierministerin Theresa May als weiteres Zugeständnis an Europa ein, dass europäische Arbeitskräfte bis zwei Jahre nach dem endgültigen Austritt, frei nach Großbritannien einreisen dürfen. Die Verhandlungen in Brüssel sind in vollem Gange. Die Handelsgespräche werden jedoch frühestens im Oktober beginnen.

SPDR Marktüberblick Juli

SPDR Marktüberblick Juli

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1Performance der Aktiensektoren

Sektoren: Positiver Auftakt der Berichtssaison

Bei der Entwicklung der einzelnen Sektoren steht im Moment die auf Hochtouren laufende Berichtssaison für das zweite Quartal im Fokus. Die Konsenserwartungen für das Wachstum sind mittlerweile so hoch, wie seit fünf Jahren nicht mehr. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Analysten davon ausgehen, dass die Konjunkturerholung auch auf die Unternehmensgewinne durchschlägt. Noch wäre es zu früh zu beurteilen, ob die Berichtssaison für das zweite Quartal 2017 die hohen Erwartungen erfüllt, da erst 73 Unternehmen ihre Zahlen veröffentlicht haben. Der Großteil der Unternehmen dürfte in der kommenden Wochen nachziehen, was diesbezüglich Klarheit schaffen wird.

Die Sektoren Energie und Grundstoffe erlebten zuletzt eine starke Rally, gestützt auf Zugewinne an den Rohstoffmärkten. Diese wiederum wurden beflügelt durch einen Anstieg der Erdölpreise, nachdem die Internationale Energieagentur ihre Prognose für die Ölnachfrage um 100.000 Barrel pro Tag angehoben hatte, was den Energiesektor stützte.

2Core und Smart Beta

Smart Beta: Anhaltende Rally bei Qualitätsaktien

Bei den Faktoren hat sich unter anderem der MSCI Quality Index am besten entwickelt und den MSCI World Index übertroffen. Grund dafür war der IT-Sektor, der in den letzten zwei Wochen die höchste Gesamtrendite erzielt hat. IT-Unternehmen machen im Quality Index rund 30 % aus. Damit sind sie doppelt so stark gewichtet als der zweitstärkste Sektor Gesundheitswesen.

Allgemein ist der Qualitätsfaktor darauf ausgerichtet, die Überschussrendite zu nutzen, die Unternehmen höherer Qualität gegenüber solchen niedrigerer Qualität erzielen. Auch wenn es verschiedene Meinungen darüber gibt, wie „höhere Qualität“ zu definieren ist, sind normalerweise Unternehmen damit gemeint, die sich durch Rentabilität und Nachhaltigkeit auszeichnen. Die ersten Daten der Berichtssaison zeichnen ein positives Bild, mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil an Unternehmen, die in Bezug auf Gewinn je Aktie und Umsatz positiv überraschen. Das könnte auch ein Grund dafür sein, dass sich der Qualitätsfaktor zuletzt so positiv entwickelt hat.

3Anleihen

Anleihen : EZB und Fed richten ihr Augenmerk beide auf die Inflation

Wie erwartet hat die EZB den Leitzins im Juli nicht angehoben und zudem weitere Anleihenkäufe bis Dezember im Volumen von 60 Millionen Euro pro Monat in Aussicht gestellt. Mario Draghi bestätigte auf der Pressekonferenz, dass die Zentralbank „bis Herbst“ unverändert an den bestehenden QE-Maßnahmen festhalten werde. Einige Marktteilnehmer erwarten mehrheitlich jedoch eine Entscheidung im September. Draghi hat jedoch abermals bekräftigt, dass das weitere Vorgehen von positiven Wirtschaftsdaten und vor allem der Inflationsentwicklung abhängt. Die Renditen für deutsche Bundesanleihen sind in den letzten beiden Wochen gesunken.

Die Entwicklung der Inflation stand auch im Fokus der jüngsten Rede von Janet Yellen vor dem US-Kongress. Die Fed-Chefin geht davon aus, dass die US-Wirtschaft weiter wächst, sodass die Notenbank die schrittweise Zinsanhebung fortführen kann. Dabei werde sie die Inflation, die momentan zu niedrig ist, genau im Auge behalten.

In Großbritannien war die Inflation zuletzt niedriger als erwartet, mit einem Rückgang von 2,9 % im Mai auf 2,6 % im Juni.9 In der Folge sind die Renditen für britische Gilts gesunken, mit einer Verflachung am längeren Ende der Zinskurve.

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Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann studierte Franz Rieber Informationsorientierte Betriebswirtschaftslehre und hat einen Master-Abschluss in Finance & Banking. Seit 2016 ist Franz Rieber für die Isarvest GmbH tätig und für das Projektmanagement und die Kundenbetreuung verantwortlich.