Start ETF-Marktbericht SPDR Marktüberblick: Neue politische Unsicherheiten

SPDR Marktüberblick: Neue politische Unsicherheiten

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SPDR Marktüberblick

In den letzten beiden Wochen ist die Risikoscheu wieder etwas gestiegen. Grund dafür waren neue politische Unsicherheiten – überraschenderweise nicht in Europa, wo eine ganze Reihe brisanter Ereignisse auf der Agenda standen, sondern in den USA. Derweil hat sich die globale Konjunkturerholung gleichmäßig fortgesetzt, mit abermals steigenden Einkaufsmanagerindizes.

SPDR Marktüberblick KW 15: Neue politische Unsicherheiten

In den USA musste Trump einen Gesetzesentwurf, mit dem Obamacare durch ein neues Gesundheitssystem ersetzt werden sollte, wieder zurücknehmen, bevor er im Repräsentantenhaus überhaupt zur Abstimmung kam. Grund dafür war die mangelnde Unterstützung selbst unter den Republikanern. In diesem Misserfolg kommt nicht nur die Spaltung der Republikaner zum Ausdruck. Deutlich wird damit auch, dass das Verhandlungsgeschick von Donald Trump möglicherweise kleiner ist, als er es gerne vorgibt. In der Folge schwächte der Optimismus der Anleger gegenüber der US-Politik ab. Tatsächlich wird immer stärker infrage gestellt, ob Präsident Trump den Kongress unter Kontrolle hat. Daher agieren die Anleger nun mit erhöhter Vorsicht, zumal auch der Kurs der neuen Administration etwa bei der Steuerreform zunehmend ungewiss ist.

Stattdessen wenden sich die Anleger wieder Europa zu, das allmählich wieder an Attraktivität gewinnt. Zwar floss das Kapital der europäischen ETFs im März abermals überwiegend in US-Aktien (1,3 Mrd. US-Dollar in den letzten beiden Wochen). Europäische Titel verbuchten jedoch im gleichen Zeitraum ebenfalls stattliche Mittelzuflüsse (knapp 1 Mrd. US-Dollar), die sich gegen Monatsende beschleunigten. Auch die Schwellenmärkte verzeichneten Zuflüsse ( 1,1 Mrd. US-Dollar), gestützt durch Carry Trades, die nach der zurückhaltenden Zinserhöhung durch die US-Notenbank (Fed) einsetzten. Vom britischen Markt zogen die Anleger nach der Auslösung von Artikel 50 in moderatem Maße Kapital ab.

In der kommenden Woche steht am Mittwoch die Veröffentlichung der Protokolle der FOMC-Sitzung vom März auf der Agenda.

Bei der letzten Sitzung hatte sich der Ausschuss restriktiv gezeigt, und die darauffolgende Zinsanhebung fiel eher zurückhaltend aus. In der Folge gingen die Finanz- und insbesondere die Anleihenmärkte auf Achterbahnfahrt. Die Kommunikation des Offenmarktausschusses lässt sich möglicherweise dahingehend interpretieren, dass der Ausschuss die Märkte zur Einpreisung eines Zinsschritts veranlassen wollte. So wollte er erreichen, dass die Anleger den Zinsschritt als mäßig empfinden – und dadurch negative Markteffekte beschränken. Seit der Zinsanhebung ließen die Kommentare der Fed keine eindeutige Richtung erkennen. Unter dem Strich lassen sie jedoch eher drei als vier zusätzliche Zinsschritte in diesem Jahr erwarten. Weitere Klarheit über die weitere Zinsentwicklung könnten diesbezüglich die FOMC-Protokolle schaffen. Außerdem könnten sie vorzeitig Aufschluss darüber geben, wie reaktionsbereit die Fed im Vorfeld der Veröffentlichung der Beschäftigtenzahlen (ohne Landwirtschaft) am Freitag ist.

Donald Trump wird ab dem 6. April den chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping für ein zweitägiges Treffen empfangen. Dabei werden der Handel und der Abbau der Spannungen mit Nordkorea im Mittelpunkt stehen. Am stärksten dürften der taiwanesische und der koreanische Markt davon betroffen sein, was über den Verlauf des Treffens berichtet werden wird.

Mittelzuflüsse und Performance der Sektoren

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1Performance Aktiensegment

Sektoren: Schwache Ölpreise – Fluch und Segen

Nach dem größten wöchentlichen Anstieg in diesem Jahr fand der Höhenflug der Ölpreise ein jähes Ende. Hierzu trugen Spekulationen darüber bei, dass die OPEC ihre Vereinbarung zur Begrenzung der Produktion und zur Verhinderung einer globalen Ölschwemme ausweiten würde. Der Preis für Rohöl kletterte wieder über die 50-Dollar-Marke pro Barrel, was dem schwächelnden Energiesektor neuen Auftrieb verlieh.
Dagegen entwickelten sich konsumorientierte Sektoren gut. Sie profitierten von den positiven Effekten der niedrigeren Ölpreise auf die Realeinkommen, was die Aussichten für Sektoren wie Nicht-Basiskonsumgüter beflügelte. In Europa setzten defensive Aktien ihre gute Entwicklung fort, vor allem Versorgungstitel. Die Anleger wenden sich dem europäischen Raum wieder verstärkt zu, auch wenn sie wegen der bevorstehenden Wahlen in Frankreich noch Vorsicht zeigen, was diesen Sektoren zugutekam.

2Core und Smart Beta

Defensive Werte mit leichter Outperformance

Die verschiedenen Anlagestile und Strategien erzielten in den letzten beiden Wochen eine relativ einheitliche Wertentwicklung. Einzig der Momentum-Faktor hob sich ab, beflügelt durch den politischen Optimismus, der auch Risikoanlagen stützte.
Nach einer kräftigen Erholung der Aktienmärkte und einer anhaltenden Rally bei Unternehmensanleihen vor dem Hintergrund eines eher schwachen Gewinnwachstums befinden sich die Aktienbewertungen nun auf historischen Höchstständen. Dabei sind die Unterschiede zwischen Wachstums- und Substanztiteln verschwindend gering. Die Verbesserung der Konjunkturdaten (z. B. der Einkaufsmanagerindizes) und ihr Durchschlagen auf Unternehmensgewinne könnten Wachstumswerten zugutekommen. Andererseits dürfte die vorsichtigere Haltung der Anleger vor dem Hintergrund risikobehafteter Ereignisse Substanztitel stützen.

3Anleihen

Zu weit, zu schnell – macht die Inflation eine Pause?

Die jüngsten Inflationsdaten für die Eurozone belasteten Reflation Trades und ließen die Renditen für Staatsanleihen der Region zurückgehen. Die Staatsanleihenindizes gelangten im März wieder in den positiven Bereich und legten in der vergangenen Woche um 0,4 % zu. In einem besseren politischen Umfeld verengten sich die Spreads zwischen französischen OATs und deutschen Bundesanleihen weiter auf nun knapp über 60 Basispunkte. Bei US-Treasuries führten die Leitzinserhöhungen vor allem zu einem Anstieg der kurzfristigen Renditen (Bear-Flattening). Wir gehen nach der zurückhaltenden Zinsanhebung im März davon aus, dass die Fed weiter Vorsicht walten lässt. Die Inflationserwartungen haben sich nicht wesentlich geändert, was den Druck auf die Rendite für 10-jährige Treasuries etwas gemindert hat.
Gleichzeitig wird die Fiskalpolitik weiter für ein Auf und Ab an den Märkten sorgen. Britische Gilts setzten zu einer kräftigen Rally an. Grund dafür war die Auslösung von Artikel 50 in Kombination mit einem starken Pfund Sterling und einer schwachen Inflation.
Der abnehmende Inflationsdruck und die politischen Unsicherheiten sprechen möglicherweise für eine eher lange Durationspositionierung im April.

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