Neue Jahreshöchststände an den Börsen locken die Anleger in Indexfonds auf DAX und DJ Euro Stoxx 50. Branchen-ETFs sind aktuell weniger gefragt, auch bei den Schwellenländerfonds sind die Umsätze gering.

Die positive Stimmung an den Börsen schlägt sich auch am Markt für Indexfonds nieder. Vor allem ETFs auf die großen europäischen Indizes wurden in den letzten Tagen viel gekauft. Angesichts der schönen Kursgewinne zum Ende der vergangenen und am Anfang der neuen Woche wollen zahlreiche Anleger offenbar noch auf den Zug aufspringen und legen sich die Klassiker – also ETFs auf DAX, DJ Euro Stoxx 50 und MSCI Europe – ins Portfolio. „Bei einer solchen optimistischen Stimmung setzen Investoren gerne auf breite ETFs“, erläutert Bernardus Roelofs, Leiter des ETF Sales Trading beim holländischen Market Maker Flow Traders. Er berichtet von zahlreichen Käufern etwa bei iShares-ETFs auf den DAX (WKN 593393) und DJ Euro Stoxx 50 (WKN 593395) sowie beim Lyxor-ETF auf den DJ Euro Stoxx 50 (WKN 798328).

Trend zu breiten Indexfonds

In den letzten fünf Handelstagen standen aber auch zwei Comstage-Produkte mit ganz oben auf der Umsatzliste: Der ETF DJ Euro Stoxx 50 (WKN ETF050) und der ETF DAX (ETF001). Beide erfreuten sich großer Beliebtheit. Eric Wiegand von der Deutschen Bank bestätigt zwar den allgemeinen Trend hin zu breiten Indexfonds – vor allem an Hausse-Tagen wie am Freitag und dem gestrigen Montag, als der DAX auf ein neues Jahreshoch geklettert war. Es habe aber auch Verkäufe gegeben: „So mancher will offenbar die Gewinne festzurren“, vermutet Wiegand.

Defensive Sektoren auf der Verkaufsliste

Einzelne Sektoren standen in der Gunst der Anleger nicht mehr so weit oben. Wiegand zufolge gab es bei den Banken viele Käufer, auch Basic Resources, also die Grundstoffe, fanden Abnehmer. Roelofs hat größere Verkäufe beim iShares DJ Stoxx 600 Telecommunications (WKN 628935) beobachtet. „Das waren bestimmt Umschichtungen, hinaus aus einem defensiven Sektor und hinein in offensivere Anlagen“, urteilt er. Der iShares-ETF auf den DJ Stoxx 600 Telecommunications kann auf Sicht von sechs Monaten zwar ein Plus von 18 Prozent aufweisen, DAX-ETFs kamen aber auf mehr als doppelt so hohe Renditen. Gregor Hamme von Unicredit, der ebenfalls von „außergewöhnlich umfangreichen Verkäufen“ bei diesem ETF berichtet, vermutet aber eher die große Order eines institutionellen Anlegers dahinter.

Versicherungs-ETFs gefragt

Daneben bleiben die Versicherungen weiter gefragt, so Hamme. Hier haben wohl die guten Quartalszahlen überzeugt, die Anleger seien positiv überrascht worden und deckten sich ein. Auch Versorger und Industriegüter würden gerne gekauft, etwa der Dow Jones Stoxx 600 Optimised Utilities-ETF (WKN A0RPSH) sowie der Dow Jones Stoxx 600 Optimised Industrial Goods & Services-ETF (A0RPR8), beide vom relativ neuen ETF- und ETC-Anbieter Source.

Short-ETFs umsatzstark

Gehebelte ETFs fanden ebenfalls ihre Anhänger. Laut Roelofs wurde etwa der Lyxor ETF Leveraged DJ Euro Stoxx 50 (WKN LYX0BZ) stark nachgefragt, ein Strategiefonds, der in den vergangenen sechs Monaten um 98 Prozent zulegen konnte. Auf Jahressicht ist der ETF allerdings immer noch in den Miesen: Anleger, die vor zwölf Monaten gekauft haben, sitzen noch auf Verlusten von 44 Prozent. Bei den Short-Produkten gab es Eric Wiegand zufolge ebenfalls viel Aktivität, auf der Käufer- und Verkäuferseite. Umsatzstark zeigte sich etwa der db x-trackers ShortDAX ETF (WKN DBX1DS). „Offenbar haben viele am Markt doch noch keine eindeutige Meinung, ob die Erholung nachhaltig ist“, meint Wiegand.

Ruhe bei Schwellenländer-ETFs

Der Handel mit Schwellenländerfonds läuft weiter ruhig, das Interesse der Anleger gilt derzeit eher den Industrieländern. Nach Auskunft von Roelofs gab es bei dem Lyxor ETF China Enterprise (WKN A0F5BW), der große chinesische Unternehmen wie die China Construction Bank, die Bank of China oder Petrochina abbildet, und dem iShares MSCI Far East ex-Japan (WKN A0HGZS) Gewinnmitnahmen. Stefano Valenti von Unicredit berichtet von Käufen und Verkäufen, ihm zufolge stehen die BRIC-Staaten, also Brasilien, Russland, Indien und China, wieder ganz oben auf der Prioritätenliste der Anleger. „Die Umsätze sind aber viel geringer als Ende Juli“, meint Valenti und verweist auf die Ferienzeit.

Geldmarkt-ETFs renditeschwach

Vor dem Hintergrund des zunehmenden Konjunkturoptimismus geraten die sicheren Papiere ins Abseits, Renten-ETFs werden eher abgestoßen. Der Geldmarktfonds von db x-trackers (WKN DBX0AN) stand ziemlich weit oben auf der Verkaufsliste. Das ist kaum überraschend: Dieser ETF warf in den letzten sechs Monaten nur eine magere Rendite von 0,28 Prozent ab. Allerdings sind auf Jahressicht auch keine Verluste zu vermelden, hier liegt der Indexfonds mit 1,70 Prozent im Plus. Die ganz große Flucht aus den Geldmarktfonds sei im Übrigen vorbei, meint Eric Wiegand, ganz so viele Abflüsse wie noch vor Wochen gibt es seiner Einschätzung nach mittlerweile nicht mehr.

Als alternative Investments bleiben auch Rohstoff- und Währungs-ETFs angesagt, wie Wiegand ergänzt. Der Handel verlaufe hier aber auch ruhiger, im Moment stehen DAX & Co. klar im Mittelpunkt des Interesses.

25. August 2009/Anna-Maria Borse

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