Start ETF-Marktbericht Umdenken bei den Rohstoffpreisen?

Umdenken bei den Rohstoffpreisen?

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Rohstoffe Kupfer klein

Für viele Analysten und Händler scheint es klar zu sein: Der drastische Rückgang der Rohstoffpreise, den wir in den letzten Jahren und Monaten erlebt haben, ist ein Ausreißer nach unten.

Er hängt im Wesentlichen mit der chinesischen Wachstumsschwäche zusammen. Spätestens in ein, zwei Jahren werden die Preise wieder da sein, wo sie im Schnitt der vergangenen fünf bis zehn Jahren lagen, nämlich 20 % bis 30 % höher.

  • Es könnte sein, dass der Absturz der Rohstoffpreise in den letzten Monaten kein kurzfristiger Ausreißer ist, sondern der Beginn einer neuen Ära.
  • Die Nachfrage nach Rohstoffen wächst langsamer als die Wirtschaftsleistung insgesamt. Manche Rohstoffvorräte werden nicht mehr gebraucht.
  • Das hat erhebliche Konsequenzen für den Anleger. Der Rohstoffsektor muss neu bewertet werden.

Ich möchte dieses Mantra in Frage stellen. Ich glaube, dass die Community hier einem Irrtum aufsitzt. Ich habe mir dazu einmal die historische Entwicklung der Rohstoffpreise in den letzten hundert Jahren angeschaut. In der Grafik sind als Beispiel die Kupferpreise seit 1910 dargestellt. Über 90 Jahre lang stiegen sie bei nur relativ kleinen Schwankungen mit einer Rate von etwas mehr als 2 % p. a. Nach der Jahrtausendwende sind sie dann förmlich explodiert. Sie erhöhten sich um mehr als das Fünffache. Jetzt kommen sie wieder zurück, haben aber immer noch nicht das Niveau des Jahres 2000 erreicht.

Kupfergrafik

Die Botschaft aus der Grafik ist klar. Der Normalzustand der Kupferpreise sind nicht die hohen Notierungen der letzten Dekade. Der Normalzustand liegt deutlich darunter. Wenn man den Wachstumstrend der ersten 90 Jahre bis heute hochrechnet, dann kommt man auf Preise, die etwa halb so hoch sind wie die aktuellen Preise am Markt. Sicher wäre

es übertrieben, für die Zukunft mit so niedrigen Preisen zu rechnen. Wichtig ist aber: »Der Absturz der Preise in den letzten Monaten ist kein Ausreißer. Er ist vielmehr die Rückkehr zur Normalität.« Das gilt im Trend nicht nur für Kupfer, sondern auch für viele andere Rohstoffe.

Nun mag mancher einwenden: Was kümmert uns die Entwicklung der letzten 100 Jahre? Die Welt hat sich verändert. Rohstoffe sind heute teurer als früher, weil durch die industrielle Entwicklung mehr Kupfer, Öl und andere Vorprodukte gebraucht werden.

Das wird vielfach auch theoretisch begründet. Seit dem englischen Ökonomen Thomas Robert Malthus vor 200 Jahren wissen wir, dass die Wirtschaft exponentiell wächst, die natürlichen Ressourcen dagegen wenn überhaupt allenfalls linear. In einer solchen Welt muss es immer wieder Spannungen und Knappheiten geben. Im einfachsten Fall führen sie zu größeren Preissteigerungen. Es kann aber auch schlimmer kommen. Malthus erwartete regelmäßige Hungersnöte, durch die sich die Bevölkerung an die begrenzten Ressourcen anpasst.

Das klingt plausibel und wurde lange Zeit auch geglaubt. Es hat sich am Ende aber als falsch erwiesen.

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Dr. Martin W. Hüfner 

Denn es gibt zwei Trends, die dagegen sprechen. Der eine ist, dass die Nachfrage nach Rohstoffen langsamer zunimmt als die Wirtschaftsleistung. Die Wirtschaft tut schon aus Eigeninteresse alles, um den Verbrauch an Rohstoffen zu reduzieren, um damit Kosten zu sparen. Bei fossilen Brennstoffen werden sie dabei aus Klimaschutzerwägungen sogar dazu gezwungen. Auf der Weltklimakonferenz Ende des Jahres in Paris wird es vermutlich zu internationalen Absprachen in dieser Hinsicht kommen. Ziel ist es, dass möglichst viele der im Boden lagernden Rohstoffe ungenutzt bleiben.

 

Der zweite Trend: Die Menge der vorhandenen Ressourcen geht nicht wie immer wieder gedacht durch Förderung und Verbrauch zurück. Sie nimmt im Gegenteil zu. Neue Rohstofflager werden entdeckt und es gibt neue Verfahren, mit denen bisher unrentable Rohstofflager erschlossen werden können. Bestes Beispiel ist der starke Anstieg der Förderung von Schiefergas in den letzten Jahren. Natürlich sind die neuen Ölfelder vielfach nur mit höheren Kosten zu erschließen (was dann wieder höhere Ölpreise erfordert). Es wird also immer gewisse Preissteigerungen geben. Es ist aber doch bemerkenswert, dass die bekannten und erschließbaren Ölreserven seit der großen Ölkrise vor 40 Jahren schneller gewachsen sind als der tatsächliche Verbrauch.

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