Start ETF-News 10 Jahre ETFs in Europa – eine Idee macht ihren Weg

10 Jahre ETFs in Europa – eine Idee macht ihren Weg

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Mit dem Start des XTF-Segments wurde eine erstaunliche Erfolgsgeschichte eingeleitet. Der europäische ETF-Markt wuchs auf 160 Mrd. Euro. Mit knapp 900 ETFs hat Europa erstmals die USA überholt.

Die Einführung von ETFs in Europa vor rund zehn Jahren markierte den Anfang einer nahezu einmaligen Erfolgsgeschichte. so stieg das fondsvermögen europaweit rapide auf über 160 Milliarden Euro. Damit wurden selbst die optimistischen Prognosen, die noch vor zwei Jahren von 150 Milliarden Euro als Zielmarke für das Jubiläumsjahr ausgingen, deutlich übertroffen. und auf Xetra, der ersten und derzeit größten europäischen handelsplattform (Marktanteil: 41 Prozent), hat sich das Handelsvolumen mit derzeit ca. 11 Milliarden Euro geradezu verfünzigfacht. aktuell stehen auf Xetra 611 ETFs von 14 Emittenten zur Verfügung. Die Mehrheit bezieht sich auf Aktien und Renten, gefolgt von Rohstoffen, Strategien und vereinzelt Währungen. Mit der gesamtanzahl aller 829 ETFs hat Europa zu Beginn des Jahres erstmals die USA überholt – dort sind 772 ETFs gelistet. aktuell sind die europäischen ETF-Marktführer die Blackrock Tochter iShares mit 60 Milliarden Euro Vermögen vor der Gocieté Generale-Tochter Lyxor mit 32 Milliarden Euro und der Deutschen Bank und ihrer ETF-Marke db x-trackers mit 27 Milliarden Euro.

Der Markt war reif

Seit April 2000 haben ETFs alle anderen Anlageprodukte klar überholt. Die Erfolgsstory zeigt: zur Jahrtausendwende war der Markt mehr als reif für ETFs. Endlich stand für jedermann eine sichere, transparente und einfache Anlagemöglichkeit zur Verfügung. Mit börsengehandelten Investmentfonds ließen sich jetzt die Vorzüge klassischer Indexfonds der ersten Generation und Aktien miteinander verbinden. Die Nachteile wurden ausgeschaltet. Mit dem Ende der spekulationsblase verstärkte sich das Bedürfnis nach soliden anlageformen. ETFs sind ein passives Investment. Der Anleger kauft einen Aktienkorb aus einem Index, dem er einfach folgt – ohne aktives Fondsmanagement. so profitiert er von dessen Wertentwicklung. zudem ist sein Geld als Sondervermögen insolvenzgeschützt.

Grundlegende Erkenntnis

Die passive Indexabbildung mit ETFs entspricht dem Grundgedanken der Diversifizierung, welcher auf das Jahr 1900 zurückgeht, als der französische Mathematiker Louis Bachelier Kursbewegungen von Aktien untersuchte und nachwies, dass die Chancen, besser zu sein als der Markt, nur bei 50 Prozent liegen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Ein halbes Jahrhundert später wurde Bachelier vom US -Ökonom und späteren Nobelpreisträger Harry M. Markowitz bestätigt. Dieser griff seinen Ansatz 1952 auf und kam zu der Erkenntnis, dass Ertragschancen und Risiken direkt voneinander abhängen. Der Schlüssel zur Optimierung und Feinabstimmung einer Chance-Risiko- Struktur liegt in der Diversifikation. Durch sie lassen sich Risiken eliminieren, ohne dass der Anleger auf Rendite verzichten muss. Dieser Kerngedanke aus seinem Aufsatz „Portfolio Selection“ wurde entscheidend für die moderne Portfoliotheorie.

Erste Gehversuche in den USA

Der weltweit erste Indexfonds wurde 1971 von William Sharp und Bill Fouse – beide beim US -Finanzdienstleister Wells Fargo – entwickelt, und zwar für institutionelle Investoren. Es war der „Samsonite Pension Fund“. Sein Name geht auf Samsonite Junior aus der amerikanischen Kofferfabrikanten- Dynastie zurück. Der Markowitz- Schüler hatte die Idee zu einem Fonds, der 1.500 Einzelwerte der New York Stock Exchange abbildete. Der Preis konnte jedoch nur einmal am Tag festgelegt werden. Somit war es nicht möglich, Positionen durchgehend kurzfristig auf- und abzubauen. Für Privatanleger schlug die Stunde drei Jahre später. 1975 wurde der erste Publikumsfonds aufgelegt: „Vanguard 500″ – benannt nach der Investmentgesellschaft Vanguard, was auf Deutsch Vorreiter bedeutet. Der Fonds folgte der Erkenntnis, dass die Chancen, langfristig über der Performance zu liegen, besser sind, wenn man auf den Durchschnitt zielt. Dass damit die Renditen letztlich höher sind als bei aktivem Management, zeigte der Erfolg. Der damals anfangs verbreitete Vorwurf der „Mittelmäßigkeit“ seitens der Fachpresse war damit vom Tisch.

Die Idee nimmt Fahrt auf

In den 1980er Jahren kam der Handel in Schwung. Institutionelle Investoren können mit Programmhandel und Futures große Aktienkörbe kaufen und verwalten. Dann ging es Schlag auf Schlag: Nach den Cash Index Participations (CIPs) und Index Participation Shares (IPS) kam 1988 der „CB -German- Index-Fund“, der erste Indexfonds für institutionelle Anleger in Deutschland. Und im gleichen Jahr startete in Kanada mit dem „Toronto Participation Shares“ (TIPS) das erste aktienähnliche Instrument zum Indexhandel. ETF-Produkte waren gefragt. Nach deren Zulassung in den USA wurde 1993 an der American Stock Exchange der erste ETF gelistet: der „Standard & Poor´s Depositary Receipt“ (SPDRs), kurz „Spider“ genannt – bis heute der weltweit größte ETF.

Perspektiven in Europa und weltweit

Im April 2000 war es dann in Deutschland, Großbritannien, Israel, der Schweiz und Schweden so weit. Mit den beiden ersten ETFs von Merrill Lynch (heute iShares) auf die Blue- Chip Indizes Euro Stoxx 50 und Stoxx Europe haben Anleger erstmals die Möglichkeit bekommen an der Wertentwicklung europäischer Unternehmen mit einer Transaktion zu partizipieren. 2001 legte dann Indexchange (heute iShares) den ersten ETF auf den DAX auf. Zwei Jahre danach kamen erste europäische Renten-Produkte, gefolgt von Immobilien-ETFs und im Jahr 2005 den Rohstoff-ETFs. ETFs wurden nach und nach in weiteren Ländern eingeführt. Vor drei Jahren wurde das Angebot dann um ETCs ausgebaut. Seit kurzem werden auch ETNs angeboten. ETFs haben sich zu einer der beliebtesten Anlageformen gemausert. Angesichts der dynamischen Entwicklung wird für die kommenden Jahre in Europa ein Vermögenszuwachs von bis zu 35 Prozent erwartet. Auch der noch geringe Anteil der Privatanleger dürfte zulegen. Die Deutsche Bank etwa geht bis in zehn Jahren von über 50 Prozent aus.