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2011 wird ein gutes Jahr für Rohstoffe

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ETF Securities hat den Trend zu Rohstoffen früh erkannt. Der Anbieter ist Marktführer im Bereich der Rohstoff-ETCs. Das EXtra-Magazin spricht mit Nicolas Brooks, Head of Research and Investment Strategy, über die Entwicklung der wichtigsten Rohstofffe.

Nicholas Brooks ist Head of Research and Investment Strategy bei ETF Securities. Seit mehr als 15 Jahren analysiert er verschiedene Märkte und Anlageklassen. Bei ETF Securities konzentriert er sich auf Rohstoff- und Währungsmärkte. Vor seinem Engagement bei ETF Securities arbeitete er bei Henderson Global Investors, bei der Deutschen Bank als Volkswirt und bei der Citibank in New York. Er hat einen B.A. von der Brown University, einen M.A. von der Columbia University und einen Master of Science in Economics von der Universität London. Aktuell beschäftigt er sich in seiner Promotion mit der Dynamik von Finanzkrisen.

Herr Brooks, wie haben sich börsengehandelte Rohstoffe (ETCs) in letzter Zeit entwickelt?

Exchange Traded Commodities (ETC) sind in den letzten Jahren immer beliebter geworden. Ende 2010 waren in ETCs insgesamt 163 Milliarden US-Dollar angelegt. In den vergangenen fünf Jahren ist das verwaltete Vermögen im Schnitt um 103 Prozent pro Jahr gewachsen. Aktuell sind weltweit 680 verschiedene Rohstoff-ETPs (ETPs: Exchange Trading Products) an den Börsen gelistet.

Welche Rohstoffe waren bei den Anlegern am beliebtesten?

Edelmetalle dominierten die Nachfrage 2010 klar, hier vor allem Gold- und Silber- ETPs. Diese hatten einen Nettomittelzufluss von 18,5 Milliarden US-Dollar. Investoren haben diese Produkte vor allem gewählt, um sich gegen Staatspleiten und Währungsschwankungen abzusichern. Mit dem Listing der ersten physisch besicherten Platin- und Palladium-ETPs in den USA wurden auch diese Rohstoffe stärker in den Fokus gerückt.

Viele Rohstoffe haben bereits historische Höchststände erreicht – wird dies weiter andauern? Wie sehen Sie die Entwicklung der wichtigsten Rohstoffe?

Die meisten Faktoren, die die Entwicklung und die Performance von Rohstoff-ETPs maßgeblich unterstützt haben, bleiben auch 2011 weiter bestehen. Hierzu gehört beispielsweise die Funktion zur Absicherung gegen Staatspleiten und gegen die Geldentwertung der Währungen der Industrieländer. Auch die Wachstumsentwicklung in den Industrieländern sowie erwartete Lieferengpässe bei Industrie- und Agrarrohstoffen spielen eine Rolle. Die Vorräte einiger Agrarrohstoffe sind aktuell so niedrig, dass Lieferengpässe enorme Auswirkungen auf die Preise haben. Dies macht das Segment für Anleger so interessant.

Gold wurde zu Absicherung in der Krise verwendet, erwarten Sie hier einen Preissturz?

Nein, der Goldpreis wird von sehr vielen Faktoren maßgeblich beeinflusst. Die Wahrnehmung von Risiken wie Inflation, der zunehmenden Staatsverschuldung, steigenden politischen Risiken in den Entwicklungsländern oder auch der Probleme von Banken wird zunehmen.Gold wird hier weiter als sicherer Hafen für Investoren gelten.

Silber ist auch sehr beliebt – wie sehen Sie dort die Entwicklung?

Das Volumen von ETPs mit Silber als Basiswert ist im vergangenen Jahr um 136 Prozent gestiegen und sie verwalten aktuell fast 17 Milliarden US-Dollar. Silber ist damit nach Gold das zweitbeliebteste Edelmetall. Silber unterscheidet sich jedoch in einem Punkt wesentlich zu Gold: Ein Großteil der Produktion wird von der Industrie verwendet, z. B. in Elektronikbauteilen. Aus diesem Grund beeinflussen Branchenzyklen den Silberpreis sehr stark. In der derzeitigen Marktsituation der Industrieländer und den weiter dynamisch wachsenden Emerging Markets hat Silber das Potenzial, auch in Zukunft attraktive Renditen zu erwirtschaften. Aber so stark der Silberpreis vom Wirtschaftswachstum profitiert, so sensibel ist der Preis auch für eine Abschwächung. Silber ist also ein Investment, das man stets beobachten sollte.

Was ist mit spezielleren Rohstoffen wie Baumwolle, Blei, Mais oder Schweinehälften?

Sind diese nur etwas für Experten? Die meisten Agrar-Wertpapiere basieren auf breiten Agrar-Trackern. Einzelne Agrarrohstoffe unterliegen oftmals sehr kurzfristigen Preisschwankungen. Agrar-Tracker bieten hier die Möglichkeit, diversifiziert und thematisch breiter zu investieren. Außerdem gibt es bei einzelnen Rohstoffen, wie beispielsweise Mais, viele verschiedene Faktoren, die sich auf die Verfügbarkeit und den Preis auswirken. Der große Vorteil von einzelnen Rohstoffen ist, dass sie hervorragend geeignet sind, um das Portfolio zu diversifizieren, und auf der anderen Seite die Chance auf eine klare Outperformance des Marktes bieten. In jedem Fall ist es wichtig, die Faktoren, die den Preis des einzelnen Rohstoffes beeinflussen, genau zu kennen. Dies gilt für Investoren, die ein einzelnes Wertpapier kaufen, und für Käufer von Indexprodukten.

Der Unterschied zwischen WTI und Brent Oil ist derzeit sehr hoch. Können Sie die Gründe hierfür erläutern und glauben Sie, dass diese Situation weiter anhält?

Die Preisdifferenz zwischen den Ölsorten Brent und West Texas Intermediate (WTI) liegt aktuell bei etwa 16 US-Dollar pro Barrel. Für diesen historischen Höchstwert gibt es zwei Gründe: Zum einen ist das Angebot an Nordsee-Brent-Öl rückläufig, während zugleich die europäische Nachfrage aufgrund des kalten Winters angestiegen ist und auch die Nachfrage aus Asien stark anzieht. Dies treibt den Preis in die Höhe. Der andere Grund für die enorme Preisspanne ist, dass aktuell sehr viel WTI-Öl in Cushing im US-Bundesstaat Oklahoma gelagert wird. Aufgrund der zentralen Lage von Cushing kann Öl, das einmal dorthin geliefert wurde, nur unter hohem Aufwand wieder dem Markt zugeführt werden. Solange die Lager in Cushing so voll sind, wird der enorme Preisunterschied zu Brent-Öl daher bestehen bleiben.

Kaufen Investoren eigentlich eher einzelne Rohstoffe, wie Öl oder Gold, oder bevorzugen sie die marktbreiten Indizes?

Das ist von der persönlichen Investmentstrategie abhängig. Marktbreite Indizes erlebten einen regelrechten Boom, seit mehr und mehr Investoren Rohstoffe als neue Anlageklasse entdeckt haben. Breite Rohstoff-ETPs werden vor allem verwendet, um an den steigenden Rohstoffpreisen zu partizipieren, die sich aus der steigenden Nachfrage aus den Emerging Markets und den stagnierenden Lieferungen ergeben. Einzelne Rohstoffe werden dagegen meist für die Diversifizierung des Portfolios verwendet, Gold steht hier ganz klar im Mittelpunkt. Mehr als 60 Prozent des Anlagevermögens aller Rohstoff-ETPs basieren darauf. Öl, Weizen, Mais, Kupfer und andere Rohstoff-ETPs werden mehr und mehr genutzt, seit Investoren mehr darüber wissen, wie die Rohstoffmärkte funktionieren.

Welche Rohstoffe sollten Investoren in 2011 im Auge behalten?

Die meisten Faktoren, die Rohstoff-ETPs 2010 so erfolgreich gemacht haben, sind nahezu gleich geblieben und sprechen für ein weiteres gutes Jahr für Rohstoff-ETPs. Wenn das Risiko einer Staatspleite wieder aufkeimt und sich das globale Wachstum abschwächt, werden physisch besicherte Edelmetall-ETPs – vor allem Gold – weiterhin gefragt sein. Hält dagegen die aktuelle Zuversicht in das globale Wachstum an, wird die Nachfrage nach ETPs auf Industrierohstoffe wie Kupfer, Platin und Palladium weiterhin wachsen. Agarrohstoffe sind eine „Wild Card“, viel hängt davon ab, ob sich die aktuellen Erwartungen von Lieferschwierigkeiten, ausgelöst z.B. durch das Wetterphänomen „El Nino“, bewahrheiten und einen Preisdruck erzeugen.