Start ETF-News 5 Jahre nach Lehman-Pleite: Kapitalerhalt ist wichtigstes Anlegerziel

5 Jahre nach Lehman-Pleite: Kapitalerhalt ist wichtigstes Anlegerziel

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Sicherheit vor Rendite

Fünf Jahre nach der Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers hat der reale langfristige Kapitalerhalt Priorität für deutsche Anleger. 94,5 Prozent der Vermögensverwalter in Deutschland nennen dies als primäres Ziel ihrer Kunden.

Zum Vergleich: Eine langfristige Outperformance des Marktes und hohe laufende Erträge nennen nur 28,6 beziehungsweise 20,9 Prozent der Vermögensverwalter als wichtige Anlageziele ihrer Klienten. Anleger haben ihre Renditeerwartungen infolge der Ereignisse der Finanzkrise angepasst. Zwei von drei Vermögensverwaltern geben an, dass ihre Kunden die Renditeziele dauerhaft gesenkt haben. Lediglich rund zwei Prozent berichten von höheren angestrebten Renditen. Mit den niedrigeren Renditeerwartungen geht ein hohes Kostenbewusstsein einher. Laut einem Drittel der Vermögensverwalter legen die Kunden besonderen Wert auf niedrige Kosten. Dies sind die Ergebnisse der Studie „Vermögensverwaltung heute“, die der Derivate Consultant Isarvest GmbH und die Kommunikationsagentur Ketchum Pleon gemeinsam durchgeführt haben. Für die Studie wurden im Juli und August 2013 online 124 Vermögensverwalter und Bankberater befragt.

„Anleger und Portfoliomanager haben vielfach ihre Lehren aus der Finanzkrise gezogen und ihre Anlageziele angepasst. Heute setzen professionelle Vermögensverwalter vor allem darauf, Risiken breit zu streuen und das Portfolio rechtzeitig auf die wichtigsten makroökonomischen Entwicklungen auszurichten“, erklärt Markus Jordan, Geschäftsführer von Isarvest. 90,1 Prozent der befragten Vermögensverwalter diversifizieren die ihnen anvertrauten Portfolios breit, um Anlagerisiken zu reduzieren. Auf Kredit- und Emittentenrisiken achten vier von fünf Vermögensverwalter nach der Finanzkrise verstärkt. Portfolio- bzw. Klumpenrisiken werden von 56 Prozent als große Gefahr angesehen. Zum Vergleich: Nur jeder Vierte beziehungsweise jeder Fünfte schätzt dagegen Zins- respektive Währungsrisiken als besonders dringlich ein. „Bunte Investmentstorys gehen an der Interessenlage der Vermögensverwalter und ihrer Anleger weitgehend vorbei, wie die Studie zeigt. Hierauf hat sich auch die Kommunikation einzustellen. Der Mehrwert, den ausgewählte Produkte für die Risikominimierung des Portfolios bieten, ist dagegen vielfach stärker herauszuarbeiten. Zudem können Transparenz über Kosten und Risiken in der Struktur einen Wettbewerbsvorteil schaffen, erklärt Markus Rüther, Senior Consultant für Finanzkommunikation bei Ketchum Pleon.

ISARVEST-Umfrage

 

Investments derzeit vor allem in Aktien aus den Industrienationen

Die Vermögensverwalter passen die ihnen anvertrauten Portfolien fortlaufend an sich verändernde makroökonomische Bedingungen an, um Anlagerisiken zu senken und die Erträge zu steigern. Dies sagen fast zwei Drittel der Befragten. „Aktuell schichten die Vermögensverwalter von Staatsanleihen in den Aktienmarkt um und investieren insbesondere in Unternehmen aus den Industrienationen“, ergänzt Jordan. 59,6 Prozent der Vermögensverwalter wollen ihre Investments in Aktien der Industrienationen ausbauen. Eine Reduktion der Aktienpositionen plant keiner der Befragten. Anders bei Staatsanleihen: Gut jeder Zweite gibt an, Positionen reduzieren zu wollen. Lediglich 4,2 Prozent wollen derzeit zusätzlich in Staatsanleihen investieren. Neben den Aktien aus den Industrienationen wollen die Vermögensverwalter vor allem Investmentthemen, wie Volatilität, Dividendentitel oder Infrastruktur, ausbauen. Dies planen 48,3 Prozent der Befragten, während lediglich 7,9 Prozent Verkäufe erwägen.

Aktieninvestments ISARVEST-Umfrage

Über die Untersuchung „Vermögensverwaltung heute“

Für die Studie „Vermögensverwaltung heute“ wurde aufbauend auf qualitativen Interviews mit Vermögensverwaltern eine Online-Befragung durchgeführt, an der 124 Vermögensverwalter teilgenommen haben. Die Studie untersucht, welche Anlagestrategien Vermögensverwalter heute verfolgen, welche Produkte sie hierfür nutzen und wie sie mit Kunden und Produktanbietern kommunizieren. Rund 60 Prozent der befragten Vermögensverwalter verwalten weniger als 100 Millionen Euro. Jeweils circa 20 Prozent betreuen Portfolios im Volumen von 100 bis maximal 500 Millionen Euro beziehungsweise mehr als 500 Millionen Euro. Mehr als 80 Prozent der befragten Vermögensverwalter managen Kundendepots, die durchschnittlich mehr als 100.000 Euro umfassen. Jeder vierte von ihnen verwaltet sogar durchschnittliche Kundendepots von mehr als einer halben Million Euro. Die Befragung wurde im Juli und August 2013 durchgeführt.

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.