72er-Regel - Warum die jeder Anleger kennen sollte.
Markus Jordan, Herausgeber des EXtra-Magazin.

Mit Hilfe der 72er-Regel bekommen Anleger ein gutes Gefühl für das Zusammenspiel von Rendite und Zeit. Gleichzeitig mahnt die Formel bei erfolgreichen Investments zur Vernunft.

Seit gut fünf Jahren steht Mario Draghi an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB). In dieser Zeit ist es dem Italiener gelungen, mit rekordtiefen Zinsen und gigantischen Liquiditätsspritzen die krisengeplagte Eurozone am Leben zu halten. „Die EZB ist innerhalb ihres Mandats bereit, zu tun, was immer nötig sein wird, um den Euro zu schützen“, sagte der Präsident Ende Juli 2012 – allein wegen dieses Versprechens ist ihm der Platz in den Geschichtsbüchern sicher. Ob Draghi dagegen bis zum Ende seiner Amtsperiode im Herbst 2019 noch zum Freund der deutschen Sparer wird, ist mehr als fraglich. Ihnen bescherte die EZB-Geldpolitik bekanntlich ein Zinstief ungekannten Ausmaßes. Egal ob Sparbuch, Termineinlage oder Geldmarktkonto: De facto sind diese Anlageklassiker zur renditefreien Instrumenten mutiert.

72er-Regel zeigt ernüchternde Fakten

Wie sehr der Erfolg gerade im langfristigen Vermögensaufbau von der Rendite abhängt, zeigt die 72er-Regel. Mit Hilfe dieser aus der Finanzmathematik hergeleiteten Formel lässt sich in etwa abschätzen, wie lange es dauert, bis sich ein bestimmter Geldbetrag verdoppelt. Dazu genügt es, die Zahl 72 durch den Zinssatz zu teilen. Angenommen ein Sparer möchte 5.000 Euro zur Seite legen. Wirft sein Kapital lediglich ein Prozent p.a. ab, dauert es also satte 72 Jahre bis der Kontostand 10.000 Euro erreicht. Bei einem Zinssatz von drei Prozent – so viel warf die 10-jährige Bundesanleihe zuletzt Mitte 2011 ab – verkürzt sich die Zeitspanne bereits auf 24 Jahre. Um das sprichwörtlich „schnelle Geld“ zu machen, braucht es noch viel mehr: Erst ab einem Zins von 7,2 Prozent und mehr verdoppelt sich das Kapital innerhalb von zehn Jahren oder noch schneller (siehe Tabelle).

So wirkt die 72er-Regel
Mit der 72er-Regel lässt sich in etwa abschätzen, wie lange es dauert, bis sich ein bestimmter Geldbetrag verdoppelt.

Maßgeblich für die skizzierte Wechselwirkung ist der so genannte Zinseszinseffekt. Laufende Erträge führen zu einer Steigerung der Anlagesumme. Insofern sorgen sie dafür, dass zukünftige Zinszahlungen entsprechend höher ausfallen. Voraussetzung hierfür ist freilich, dass der Sparer den Zufluss nicht abhebt und für andere Zwecke verwendet. Ein Beispiel: Der Anleger legt 5.000 Euro für einen Zeitraum von zehn Jahren zu 2% an. Rein rechnerisch würden sich die Zinsen auf 1.000 Euro (5.000 x 2% x 10 Jahre) belaufen. Der Zinseszins führt dazu, dass nahezu ein „Hunderter“ mehr abfällt: Nach einem Jahrzehnt verfügt der Sparer dadurch über 6.095 Euro.

Kollektives Umdenken

Zurück zur 72er-Regel. Diese Faustformel macht deutlich, wie sehr gerade im aktuellen Umfeld Ausdauer und Geduld gefragt sind. Auf dem Gebiet der sicheren Anlagen ist es schier unmöglich, im Eiltempo hohe Renditen einzufahren. Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, wie sehr sich das Vermögen der Deutschen nach wie vor auf die eingangs erwähnten Instrumente konzentriert. Per Ende des dritten Quartals 2016 taxiert die Bundesbank das Geldvermögen der privaten Haushalte auf knapp 5,5 Billionen Euro. Davon entfielen annähernd 40 Prozent auf Bargeld und Einlagen. Gleichwohl stellt die Bundesbank in ihrer aktuellen Finanzierungsrechnung ein „erhöhtes Renditebewusstsein fest“. Zum Stichtag waren 1,07 Billionen Euro in Aktien und Investmentfonds angelegt – gegenüber dritten Quartal 2016 bedeutet das eine Steigerung von knapp neun Prozent.

Immer mehr Deutsche, die das sichere und zugleich renditearme Terrain verlassen, greifen zum Exchange Traded Fund. Das zeigt eine vom Extra-Magazin in Zusammenarbeit mit comdirect ( Zum Testbericht), Consorsbank ( Zum Testbericht) (inkl. DAB), DKB ( Zum Testbericht) Bank, Flatex ( Zum Testbericht), ING-DiBa ( Zum Testbericht) und der OnVista ( Zum Testbericht) Bank veröffentlichte monatliche Statistik. Demnach durchbrach der ETF-Markt für Privatanleger in Deutschland im Dezember 2016 die Schallmauer von zehn Milliarden Euro. Mit 10,10 Milliarden Euro lag das Volumen per Silvester um 31,3 Prozent über dem Vorjahreswert. Die Zahl der ETF-Sparpläne nahm überproportional um mehr als die Hälfte auf knapp 323.000 zu. Aus gutem Grund: Mit Hilfe passiver Indexfonds können sich Anleger kosteneffizient und diversifiziert im gesamten Spektrum der Kapitalmärkte positionieren.

Enormes Tempo

Ganz nebenbei konnten Sparer auf diese Weise in den vergangenen Jahren Mario Draghi ein Schnippchen schlagen. Beispielsweise legte der DAX, angetrieben nicht zuletzt durch die ultralockere Geldpolitik, seit dem Amtsantritt des aktuellen EZB-Präsidenten um knapp 90 Prozent zu. Glückskinder, welche die Rallye der 30 größten deutschen Blue Chips mit einem ETF abgegriffen haben, sollte die 72er-Regel zur Vernunft mahnen. Schließlich hat der DAX während der Draghis Ägide im Schnitt 13 Prozent p.a. eingefahren. Bei diesem Tempo verdoppelt sich das Kapital in rund fünfeinhalb Jahren – möglicherweise ist es also an der Zeit Gewinne mitzunehmen oder sie wenigstens über einen Stoppkurs abzusichern.

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Markus Jordan ist Gründer und Herausgeber des EXtra-Magazins. Einer der führenden ETF-Informationsplattformen in Deutschland. Er hat über 25 Jahre Erfahrung im Bereich Finanzen und Geldanlage mit Schwerpunkten auf Exchange Traded Funds, Robo-Advisors und digitale Bankdienstleistungen und ist ein gefragter Experte auf diesen Gebieten.