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Anleger kaufen Volatilität mit ETFs und ETNs

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Die derzeit niedrige Schwankungsbreite an den Aktienmärkten veranlasst nach Angaben der Börse Stuttgart immer mehr Investoren zum Einstieg in passive Instrumente, die Volatilitäts-Indizes abbilden.

Immer mehr Anleger investieren in passive Instrumente, die auf eine steigende Volatilität setzen. Das geht aus der Anzahl der ausgeführten Kundenorders der Börse Stuttgart hervor. So seien ETFs (Exchange Traded Funds) und ETNs (Exchange Traded Notes) auf die Volatilität-Indizes IVSTOXX und CBOE VIX im September 683 Mal gehandelt worden. „Im Vergleich zum Vorjahresmonat sind die Orderzahlen um mehr als das Siebenfache angestiegen: So wurden die Finanzprodukte im September 2011 rund 90 Mal gehandelt“, berichtet die Börse Stuttgart weiter.

Der EURO STOXX 50 Investable Volatility Index, kurz IVSTOXX, spiegelt die implizite Volatilität – also die erwartete Schwankungsbreite der Marktteilnehmer – des EURO STOXX 50 wider. Der Chicago Board Options Exchange Market Volatility Index, kurz CBOE VIX, bildet die implizite Volatilität des S&P 500 ab.

„Auch wenn es sich noch um eine relativ junge Produktklasse handelt – die gestiegenen Orderzahlen der vergangenen Monate lassen hier einen Trend erkennen“, sagt Michael Görgens, Leiter des Fonds- und Anleihenhandels an der Börse Stuttgart. „In den vergangenen Monaten ist im Zuge steigender Kurse die Nervosität am Aktienmarkt – und somit auch die Volatilität – gesunken. Anleger, die jetzt einsteigen und ETFs und ETNs auf Volatilitäts-Indizes erwerben, hoffen, von einer künftig steigenden Volatilität zu profitieren. Denn in diesem Fall wird der Wert der abgebildeten Indizes steigen“, so Görgens.

In der Regel steigt die Volatilität überproportional, wenn die Aktienkurse fallen. „Eine schwankungsintensive Aufwärtsbewegung könnte grundsätzlich ebenfalls zu einem Volatilitätsanstieg führen. Somit ist die Anlagestrategie grundsätzlich als marktneutral anzusehen, wobei Sie verstärkt als Absicherung für fallende Kurse genutzt wird“, so Görgens. Dass Anleger eher in Phasen niedriger Volatilität die entsprechenden Indexprodukte handelten, würden auch die Zahlen zu Beginn dieses Jahres zeigen. Im Januar seien ETFs und ETNs über 200 Mal an der Börse Stuttgart gehandelt worden, im März habe sich der Wert sogar auf fast 400 verdoppelt. In dieser Phase habe der EuroStoxx 50 – bei niedriger Volatilität unter 20 – zwischen 2500 und 2600 Punkten notiert. Zum Vergleich: Im Dezember 2011 seien nur relativ wenige Kundenorders bei diesen Finanzprodukten bei einer Volatilität zwischen 30 und 40 ausgeführt worden.

Früher waren Investments in Volatilität laut Börse Stuttgart vorwiegend institutionellen Investoren vorbehalten. Neue Finanzprodukte wie ETFs und ETNs ermöglichten inzwischen aber auch Privatanlegern den Zugang zu dieser Anlageklasse. „Anleger können mit solchen Investments effektiv ihr Portfolio diversifizieren und sich gegen Markteinbrüche absichern“, erläutert Michael Görgens.

Die beiden Produktgattungen ETFs und ETNs sind passive Produkte: Sie bilden den Index nahezu eins zu eins ab. Rechtlich gesehen sind ETFs Sondervermögen, die das Anlegerkapital im Insolvenzfall des Emittenten schützen. ETNs hingegen sind – wie beispielsweise Zertifikate – Schuldverschreibungen, die teilweise mit einer Besicherung des Emittentenrisikos ausgestattet sein können. Im Insolvenzfall des Emittenten ist das angelegte Kapital nicht geschützt. ETFs können maximal einen zweifachen Hebel abbilden, wohingegen mit ETNs auch ein größerer Hebel darstellbar ist.

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.