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Anleihen statt Geldmarkt

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Anleihen statt Geldmarkt

Die schlimmste Phase der Finanzkrise scheint überwunden. Banken trauen sich wieder, anderen Banken Geld zu leihen. Das zeigt der EONIA -Satz, der für solche Übernachtgeschäfte berechnet wird; er ist von mehr als 4,5 Prozent auf weniger als 1 Prozent abgesackt. Für den Finanzmarkt ist das eine gute Nachricht. Für Anleger ist das allerdings eine schlechte Nachricht, sofern sie ihr Geld in einem Geldmarkt-ETF investiert haben. Der EONIA -ETF von db x-trackers (ISIN : LU0290358497) hat in den vergangenen drei Monaten nur noch 0,38% zugelegt. Wie stark sich das Wertwachstum in dieser Zeit verlangsamt hat, ist an 1,26% Plus abzulesen, die für die vergangenen sechs Monate zu Buche stehen – einschließlich der jüngsten, sehr verhaltenen drei Monate.

Geldmarkt mit Minizinsen

Momentan sind schwerlich Anzeichen zu erkennen, die eine neuerliche Zuspitzung der Finanzkrise und ein Ansteigen des EONIA-Satzes und anderer Geldmarktzinsen erwarten lassen. Aufs Jahr gerechnet dürften sich die etwa 6 Mrd. Euro, die in diesem, nach Aussage der Deutschen Bank, weltweit größten Geld-Parkplatz stecken, kaum mit mehr als 1 Prozent verzinsen. Das gilt auch für alle anderen Geldmarkt-ETFs. Damit sind jene Renditen, die während der vergangenen zwölf Monate mit diesen Fonds zu erzielen waren, für die kommenden zwölf Monate ziemlich illusorisch.

Langfristige Zinsen höher

Die gesuchten Alternativen sind an anderer Stelle im Zinsmarkt zu finden. Voraussetzung ist, die Zinsen steigen nicht und lösen insoweit keine Kursrückgänge für bereits bestehende Anleihen und deren Indizes aus. Angesichts der enorm steigenden Staatsverschuldung wird vielfach vor Inflation und steigenden Zinsen gewarnt. Unübersehbar ist jedoch, dass die Umlaufrenditen selbst in den besonders verschuldeten Ländern, USA oder Japan, tendenziell sinken. Deutschland bietet bei 1 Prozent Inflationsrate und Kapitalmarktzinsen von knapp 3 Prozent stattliche Realzinsen. Vor diesem Hintergrund ist die Wahrscheinlichkeit steigender Zinsen gering. Mithin erscheinen langfristige Zinsanlagen, Anleihen, als lohnenswerte und vergleichsweise sichere Anlagen. Kursrückgänge sind kaum zu befürchten, so dass Anleger zwischenzeitlich ohne Angst vor Verlusten an ihr Geld herankönnen.

Pfandbriefe eine Alternative

Der Inbegriff langfristiger Anleihen sind Pfandbriefe. Durch die hohe Absicherung der Pfandbriefe (Covered Bonds) durch Immobilien wären Ausfälle der Schuldner keine endgültige Wertvernichtung. Als ETF verfügbar ist der mit 0,09% Verwaltungsvergütung sehr günstige iShares eb.rexx Jumbo Pfandbriefe (ISIN : DE0002635265). Dieser konnte in den vergangenen sechs Monaten um 5,45 Prozent zulegen. Der mit iShares vergleichbare Lyxor ETF EuroMTS Covered Bond Aggregate (ISIN : FR0010481127) kam in der gleichen Periode auf 4,36 Prozent. Dass die Verwaltungsvergütung nichts über die wahren Kosten eines ETFs aussagt, beweist der iBoxx Euro Germany Covered von db x-trackers (ISIN : LU0321463506). Er konnte trotz 0,15% Verwaltungsvergütung mit 5,69% die beste Wertentwicklung vorweisen.

Fazit:

Pfandbrief-ETFs bieten derzeit eine laufende Verzinsung von knapp 3,50%. Sofern das Zinsniveau in den nächsten Monaten nicht plötzlich ansteigt, bieten Pfandbrief-ETFs eine gute Alternative zu Geldmarkt-ETFs. Anleger müssen allerdings für die höhere Renditechance Kursschwankungen in Kauf nehmen. Dafür bieten sie dann aber auch ein Mehrfaches der Geldmarkt-Rendite.

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