Das verwaltete ETF-Vermögen in Europa stieg im Jahr 2017 auf 631,2 Mrd. EUR.

„Die europäische ETF-Branche erfreute sich 2017 bei allen Arten von Anlegern zunehmender Beliebtheit. Diese Popularität zeigte sich auch in der Entwicklung der verwalteten Vermögen“, so die Autoren des „European ETF-Market Report 2017“ von Thomson Reuters.  Die von der europäischen ETF-Branche gehaltenen Vermögenswerte gestiegen danach das sechste Jahr in Folge und erreichten Ende Dezember 2017 mit 631,2 Mrd. EUR ein neues Allzeithoch.

Europäische Anleger bevorzugten 2017 Aktien-ETFs

Der größte Teil des Vermögens in Europa wird danach von Aktienfonds (448,8 Mrd. EUR) gehalten, gefolgt von Rentenfonds (153,3 Mrd. EUR), Rohstoffprodukten (18,4 Mrd. EUR), „anderen“ Fonds (6,7 Mrd. EUR), Geldmarktfonds (3,1 Mrd. EUR), Mischfonds (0,6 Mrd. EUR) und alternative OGAW-Produkte (0,4 Mrd. EUR). Bemerkenswert ist, dass das verwaltete Vermögen im Laufe des Jahres 2017 über alle Anlageklassen hinweg gestiegen ist. Allein im Jahr 2017 flossen der europäischen ETF-Branche Nettozuflüsse in Höhe von 94,2 Mrd. EUR zu. Damit wurde der Rekord-Nettozufluss des Jahres 2015 mit 71,1 Mrd. EUR deutlich übertroffen. Der langfristige Durchschnitt liegt sogar nur bei (28,0 Mrd. EUR).

Aktien ETFs (+ 62,8 Mrd. EUR) waren im Jahresverlauf mit Abstand die meistverkauften Titel im europäischen ETF-Segment, gefolgt von Renten-ETFs (+26,9 Mrd. EUR), Rohstoff-ETFs (+3,1 Mrd. EUR), „Sonstige „ETFs (+0,8 Mrd. EUR) und Geldmarkt-ETFs (+0,4 Mrd. EUR) sowie gemischte ETFs (+0,1 Mrd. EUR) und alternative UCITS-ETFs (+0,1 Mrd. EUR).

„Obwohl die Nettomittelzuflüsse in ETFs im Laufe des Jahres 2017 bemerkenswert hoch waren, müssen diese Ströme im Zusammenhang mit den insgesamt ebenfalls auf Rekordhöhe liegenden Nettozuflüssen in die europäische Fondsindustrie gesehen werden“, so die Autoren der Thomson Reuters-Jahresstudie zur europäischen ETF-Branche.

Im Hinblick auf die globalen Einstufungen von Lipper wurde der europäische ETF-Markt in 152 verschiedene Peer Groups aufgeteilt. Das höchste verwaltete Vermögen lag Ende Dezember 2017 bei US-Aktien-ETFs (97,3 Mrd. EUR), gefolgt von ETFs auf Aktien der Eurozone (54,0 Mrd. EUR), Aktien weltweit (51,8 Mrd. €), Aktien Europa (37,1 Mrd. EUR) ) sowie Aktien Emerging Markets global breit gestreut (31,7 Mrd. EUR). „Es ist bemerkenswert, dass im Laufe des Jahres 2017 global breit gestreute Emerging Markets-Aktien-ETFs zur führenden Gruppe der Lipper-Klassifikationen aufgerückt sind und so die sechstgrößte Vergleichsgruppe in dieser Statistik, „Unternehmensanleihen EUR“ ablöste.

Manche ETFs mit sehr geringen Fondsvolumina

Die fünf Top-Vergleichsgruppen erzielten 43,09 Prozent des verwalteten Vermögens im europäischen ETF-Segment, während die zehn höchsten Klassifizierungen nach verwalteten Vermögen 59,28 Prozent ausmachten. Insgesamt entfielen auf 20 der 152 Vergleichsgruppen mehr als 1 Prozent des verwalteten Vermögens. Insgesamt entfielen auf diese 20 Vergleichsgruppen 461,1 Mrd. EUR oder 73,05 Prozent des gesamten verwalteten Vermögens. Diese Zahlen zeigten, dass das in der europäischen ETF-Branche verwaltete Vermögen weiterhin hoch konzentriert war. Dabei wird auch deutlich, dass einige Fonds auf dem europäischen ETF-Markt relativ wenig Vermögenswerte aufwiesen und Gefahr laufen, in naher Zukunft geschlossen zu werden. Sie hatten offensichtlich kein Investoreninteresse und könnten daher für die jeweiligen ETF-Emittenten nicht rentabel sein.

Die bestverkaufte globale Lipper-Klassifizierung für das Jahr 2017 war „Aktien global“(+11,8 Mrd. EUR), gefolgt von „Aktien USA“ (+10,7 Mrd. EUR) und „Aktien Eurozone“ (+8,3 Mrd. EUR). Die Nettozuflüsse der zehn meistverkauften Lipper-Klassifizierungen (66,3 Mrd. EUR) entsprachen 73,43 Prozent der gesamten Mittelzuflüsse des Jahres. „Diese Zahlen zeigen, dass das europäische ETF-Segment auch in Bezug auf die Kapitalströme nach Sektoren sehr konzentriert war“, so Thomson Reuters. Die höchsten Nettoabflüsse verzeichneten hingegen mit 5,7 Mrd. EUR Staatsanleihen, gefolgt von deutschen Aktien (-1,0 Mrd. EUR) und europäischen Hochzinsanleihen (-0,8 Mrd. EUR).

Dominanz der führenden ETF-Emittenten hat weiter zugenommen

Eine ähnliche Konzentration zeigt sich bei den ETF-Emittenten. Nur 18 der 47 ETF-Emittenten in Europa  verwalten Vermögenswerte von einer Milliarde Euro oder mehr. Der größte europäische ETF-Emittent ist weiterhin iShares (294,9 Mrd. €). Der Marktanteil von iShares am gesamten in Europa verwalteten Vermögens beträgt damit 46,72 Prozent. Zweitgrößten ETF-Emittent ist Xtrackers (68,1 Mrd. EUR), gefolgt von Lyxor ETF (64,2 Mrd. EUR).

Auf die zehn Top-Emittenten entfielen im Jahr 2017 93,91 Prozent des gesamten in der europäischen ETF-Branche verwalteten Vermögens. Dies bedeutet wiederum, dass die anderen 37 ETF-Emittenten, die mindestens einen ETF zum Verkauf in Europa registrieren, nur 6,09 Prozent des gesamten verwalteten Vermögens ausmachen. Ein Vergleich dieser Zahlen mit den Zahlen für 2016 zeigte, dass die Dominanz der zehn Top-ETF-Förderer in Europa im Laufe des Jahres 2017 weiter zugenommen hat. Den höchsten Nettoumsatz erzielte 2017 IShares (34,6 Mrd. Euro), gefolgt von Xtrackers (+ 11,2 Mrd. EUR) und Lyxor ETF (+ 10,9 Mrd. EUR).

Ende Dezember 2017 waren in der Lipper-Datenbank 2.320 Instrumente (Primärfonds und Convenience-Anteilsklassen) als ETFs gelistet. „Im Hinblick auf das Gesamtmarktbild war es nicht verwunderlich, dass die auf ETF-Ebene verwalteten Vermögen ebenfalls hoch konzentriert waren . Nur 145 der 2.320 Instrumente hielten Vermögenswerte über jeweils 1,0 Mrd. EUR. Auf diese Produkte entfielen 383,8 Mrd. EUR oder 60,80 Prozent des Gesamtvermögens der europäischen ETF-Industrie. Auf die zehn größten ETFs in Europa entfielen 104,4 Mrd. € oder 16,55 Prozent des gesamten verwalteten Vermögens.

Insgesamt 1.224 der 2.320 in diesem Bericht analysierten Instrumente wiesen Nettozuflüsse von mehr als 10.000 EUR für das Jahr 2017 auf und machten 128,7 Mrd. EUR bzw. 136,53 Prozent der gesamten Nettozuflüsse aus. Dies bedeutete wiederum, dass die anderen 1.096 Instrumente keine Zuflüsse oder Nettoabflüsse für das Jahr hatten. Genauer gesagt profitierten nur 278 der 1.224 ETFs, die Nettozuflüsse verbuchten, im Laufe des Jahres 2017 Zuflüsse von mehr als 100 Mio. EUR und summierten sich auf 107,9 Mrd. EUR. Der bestverkaufte ETF für 2017, der iShares JP Morgan EM Local Government Bond UCITS ETF, verzeichnete Nettozuflüsse von 2,8 Mrd. EUR oder 2,97 Prozent der gesamten Nettozuflüsse; Es folgten der iShares Core MSCI World UCITS ETF USD (Acc) (+2,6 Mrd. EUR) und der iShares Core MSCI EM IMI UCITS ETF USD (Acc) (+2,5 Mrd. EUR).

ETF-Kosten blieben unverändert niedrig

Die durchschnittliche Gesamtkostenquote lag per Ende Dezember 2017 bei durchschnittlich 0,32 Prozent. Dies war der gleiche Wert wie Ende Dezember 2016 und 2 Basispunkte niedriger als die durchschnittliche TER per Ende 2015. Die Unterschiede bei den durchschnittlichen TER nach Art der Vermögenswerte waren recht groß und wurden noch größer, wenn man die Analyse auf die Ebene der einzelnen Fonds herunterzog. Während MixedAsset-ETFs (0,47%) der teuerste Asset-Typ waren, hatten Geldmarkt-ETFs die niedrigste durchschnittliche TER (0,13%). Bei den wichtigsten Anlageklassen fiel auf, dass die durchschnittliche TER für Obligationen-ETFs im Laufe des Jahres 2017 um 1 Basispunkt auf 0,22 Prozent gestiegen ist, während die durchschnittliche TER für Aktienfonds auf demselben Niveau wie im Jahr 2016 lag (0,38 Prozent). .

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.