Einsatz von Short-ETFs
Mit Short-ETFs lassen sich erstmalig durch Einsatz eines UCITS-Fonds Wertpapierpositionen absichern.

Seit ihrer Premiere im Jahr 2005 haben Short- und Leveraged-ETFs für Interesse seitens der Anleger gesorgt. Mit Short-ETFs lassen sich erstmalig durch Einsatz eines UCITS-Fonds Wertpapierpositionen absichern. Wichtiges zum Einsatz von Short-ETFs.

Vorher war dies ausschließlich durch den Einsatz von Futures, börsengehandelten Optionen oder von Banken ausgegebenen Put-Optionsscheinen und Short-Zertifikaten mit entsprechendem Emittentenrisiko möglich. Risikofreudigere Anleger können durch Leveraged Short-ETFs an fallenden Kursen partizipieren. Trotz der zunehmenden Popularität dieser besonderen Spezies von ETFs gibt es zahlreiche kritische Stimmen zu diesen Produkten, da deren Wertentwicklung oft nicht der Erwartungshaltung zahlreicher Anleger entspricht.

Wie funktionieren Short-ETFs und worauf muss der Investor achten?

Erst die Entwicklung von Swap-basierten ETFs hat die Abbildung von Short- und Leveraged-Indizes ermöglicht, da eine physische Abbildung nach den Richtlinien für UCITS-ETFs nicht darstellbar ist.

Dadurch dass in einem Open-End-Produkt (d.h. ohne Laufzeitbegrenzung) jederzeit ein- und ausgestiegen werden kann, ist der dem ETF zugrundeliegende Short-Index so konstruiert, dass sich dessen Rendite auf einen kurzen Zeitraum bezieht. In der Regel erfolgt die Berechnung auf täglicher Basis. Anleger, die beispielsweise nach einer längeren Phase mit volatilen Auf- und Abwärtsbewegungen eines Index und einem um 10% niedrigeren Indexstand am Ende dieser Periode erwarten, dass der Short-ETF 10% Gewinn als Rendite ausweist, werden enttäuscht sein. Dies liegt nicht an einem Qualitätsmangel des gehandelten ETFs, sondern an der mathematisch leicht darzulegenden Mechanik, der sogenannten Pfadabhängigkeit der Rendite des abgebildeten Short-Index als Konsequenz aus dessen Reset auf täglicher Basis. Entsprechendes gilt für Leveraged Short-ETFs.

Das nachfolgende vereinfachte Rechenbeispiel soll anhand einer fiktiven Kursentwicklung eines Index die Berechnung der Renditeentwicklung von Short-ETFs erläutern. Dabei werden wegen ihres geringen Einflusses die im Short-Index enthaltene Zinskomponente sowie die anteilige Verwaltungsgebühr des ETFs bewusst ignoriert. Es fällt auf, dass die Indexmechanik schon ab dem 2. Tag zu einem höheren Renditeverlust beim Short-ETF führt als die Wertänderung des Index, auf den der ETF die Short-Strategie abbildet. Während der simulierte Indexstand im nachfolgenden Beispiel am 6. Handelstag sich wieder auf dem Ausgangsniveau befindet, würde der entsprechende Short-ETF einen Verlust in Höhe von 1,02% für diesen Zeitraum ausweisen. Beim 2-fachen Leveraged Short-ETF wär der Verlust noch höher.

shortetfs beispiel

Wie kann man ein Wertpapierportfolio mit Short-ETFs absichern?

Ausgehend von einem richtigen Verständnis der Funktionsweise von Short-ETFs ist deren kurzfristiger Einsatz sehr wohl für die Absicherung von Kursverlusten geeignet. Beispielsweise sind im Sommer 2013 die Kurse für Schwellenländeraktien gesunken. Das Handelsblatt ist am 30. August 2013 in einem Artikel auf dieses Thema eingegangen: „Es gibt auch eine preiswerte und hebelfreie Möglichkeit, mittels ETF auf fallende Notierungen an den Schwellenländer-Börsen zu setzen: Der db X-trackers MSCI Emerging Market Short Daily UCITS ETF (WKN: DBX0G4) bildet die umgekehrt tägliche Wertentwicklung des Index ab. In den vergangenen sechs Monaten erwirtschaftete der ETF eine Performance von rund zehn Prozent. Die Gesamtkostenquote liegt bei 0,95 Prozent jährlich.“

Short-ETFs sind unabhängig von der Anlageregion eine sinnvolle Alternative zum Verkauf eines ETFs, eines aktiven Fonds oder Direktbeständen in Aktien. Insbesondere bei Beständen, die vor dem 1. Januar 2009 (vor Einführung der Abgeltungsteuer) angeschafft wurden, läßt sich die Steuerfreiheit von Kursgewinnen konservieren, in dem man eine Absicherung mit Short-ETFs gegenüber einem Verkauf des Bestandes und späterem Wiedereinstieg bei niedrigeren Kursen vorzieht. Diese Strategie erfordert ungebundenes Kapital für ihre Umsetzung. Durch einen 2-fach gehebelten Short-ETF lässt sich der Kapitaleinsatz entsprechend reduzieren. Allerdings erhöht sich dadurch das Verlustrisiko für den Fall, dass der Markt nicht in kurzer Zeit und ohne starke Schwankungen fällt.

Fazit zum Einsatz von Short-ETFs:

Short- und Leveraged Short-ETFs gibt es nicht nur auf Aktienindizes. Die ETF-Anbieter bieten solche Lösungen auch auf zahlreiche Anleihen- und Rohstoffindizes an. Selbst 3-fach gehebelte Produkte runden das Angebot in Europa ab. Der in Großbritannien beheimatete Spezialanbieter BOOST plant, seine 3-fach gehebelten Short-ETFs in der Zukunft auch an einer deutschen Börse in den Handel einzuführen.

Das wichtigste zu Short-ETFs in Kürze:

  • Absicherung von Aktien, Anleihen und Rohstoffen möglich
  • Alternative zum Verkauf von Long-Positionen, insbesondere wegen Konservierung von steuerfreien Kursgewinnen, wenn diese vor dem 1.1.2009 aufgebaut wurden
  • rechtliche Ausgestaltung von UCITS ETF vermeidet Emittentenrisiko
  • kurze Zeitdauer für Absicherungsstrategie zu empfehlen
  • Kapitaleinsatz lässt sich durch mehrfachen Leverage reduzieren

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