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Auf der Suche nach Substanz

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Wer langfristig und berechenbar investieren will, braucht einen Plan und eine Strategie. Dabei geht es nicht immer nur um höhere Renditen, sondern auch um Sicherheit und Berechenbarkeit. Wir stelllen in unserer Reihe Anlagestrategien Möglichkeiten zur Optimierung eines ETF-Investments vor.

Teil 5: Value-Strategie – Substanz und Potenzial

Die Value-Strategie setzt auf Substanz und Potenzial von Titeln, die an der Börse noch unterbewertet sind. Sie lässt sich auch mit ETFs umsetzen. Entsprechende Indizes erleichtern dem Anleger die Suche nach wertvollen und vielversprechenden Investments. Allerdings setzen die standardisierten Auswahlverfahren der Indexanbieter Schnäppchenjägern Grenzen.

Günstig kaufen, lange halten, teuer verkaufen. Bei der Value-Strategie gilt es, börsennotierte Unternehmen zu finden, deren Werthaltigkeit gegenwärtig am Markt noch weitgehend unentdeckt ist. Also: Bei noch nicht voll entfalteten Werten einsteigen und die erwartete anschließende Wertentwicklung zu einem späteren Zeitpunkt gewinnbringend verbuchen. Der wohl erfolgreichste Value-Investor ist Warren Buffet, ein Schüler von Benjamin Graham, dem Begründer der Aktienanalyse. Buffet erzielte mit dieser Anlagestrategie auch in schlechten Börsenzeiten beste Ergebnisse und wurde zu einem der reichsten Männer der Welt.

Substanzwerte gesucht

Anders als die Growth-Strategie, die rein auf Firmen mit möglichst hoher Umsatz und Wachstumsdynamik setzt, geht es bei der Value-Strategie um unterbewertete Unternehmen, die sich durch innere Werte auszeichnen – Substanzwerte. Firmen mit guter Marktposition, überdurchschnittlicher Eigenkapitalrendite, geringer Verschuldungsquote und nachhaltiger Gewinnentwicklung. Diese aufzuspüren, erfordert jedoch eine gehörige Portion Know-how und Erfahrung. Zwar kann als Faustformel davon ausgegangen werden, dass ein solcher Fund, eine unentdeckte Perle, dann gemacht ist, wenn der Buchwert eines Unternehmens am Aktienkurs oder sogar darüber liegt. Die Schwierigkeit liegt allerdings bereits in der richtigen Bewertung der Bilanz. Ganz abgesehen davon, dass es in verschiedenen Ländern unterschiedliche Bilanzierungsrichtlinien gibt. Für den unerfahrenen Anleger ist diese Vorgehensweise im Alleingang somit eher ein Glücksspiel. Nicht jeder ist ein Warren Buffet. Und auch der unterhält einen Stab erfahrener Experten.

Dividenden als Kriterium

Einfacher ist es auf jeden Fall, diese Strategie mit ETFs umzusetzen. Die Index- Industrie hat dieses Thema schon länger aufgegriffen und stellt spezielle Indizes zur Verfügung, bei denen aus einem Zieluniversum eine bestimmte Anzahl von Value-Werten herausgefiltert wird. Und zwar anhand bestimmter Kennzahlen, wie etwa ein geringes Kurs/Gewinn-Verhältnis, niedriges Kurs/Buchwert-Verhältnis, hohe Dividendenrendite und stabiles Gewinnwachstum. „Wir schauen uns zunächst an, ob ein Unternehmen wirtschaftlich solide ist“, sagt Konrad Sippel, Index-Experte bei STOXX Limited, und fährt fort: „Wenn im Verhältnis zum Kurswert eine hohe Dividende gezahlt wird, so suggeriert das letztlich eine hohe wirtschaftliche Stabilität.“ Damit richtet sich der Blick auch in Richtung Dividenden-Strategie. Wobei allerdings beim Value-Ansatz ein erhofftes Kurssteigerungpotenzial hinzukommt.

Grenzen beim aufspüren

Ob aber ein Titel auf Dauer unterbewertet bleibt oder nicht, ist letztlich eine Frage der Zukunftserwartung. „Hier können Indexkonzepte schon mal an ihre Grenzen stoßen“, meint Florian Schöps, Senior Product Manager bei ETFlab. Ein Index, der auf einem mathematischen Modell beruht, bietet wenig Raum für subjektive bzw. spekulative Komponenten. Zudem sind die Informationen und Märkte so transparent, dass es schwer ist, einen Wissensvorsprung gegenüber anderen Investoren zu erzielen. Ein Vorteil kann aber dann ausgespielt werden, wenn man attraktive Titel erkennt, die die Mehrheit der Anleger übersieht, weil sie gerade irgendwelchen Trends hinterherläuft und auf bestimmte Branchen und Unternehmen setzt. Ein aus Top-Titeln zusammengesetzter Value-Index wird in regelmäßigen Abständen neu angepasst. Value-ETFs sind keine Garantie für Schnäppchenjäger. Ihr Vorteil liegt vielmehr in einer soliden, nachhaltigen Entwicklung über längere Zeiträume. „Wenn ein Anleger Wert auf Beständigkeit legt“, so Florian Schöps, „auf regelmäßige gute Erträge und Dividendenausschüttungen, wenn er nicht jede Schwankung am Markt mitmachen und seine Nerven schonen möchte, dann ist der Value-Ansatz in der Historie wohl überlegen.“ Auch Konrad Sippel von STOXX Ltd. verweist auf die hohe Stabilität: „Langfristig gesehen kann man sicherlich sagen, dass die Value-Strategie eine Alternative für ein risikoaverses Investment sein kann.

Langfristig gute Performance

Historische Analysen zeigen, dass sich mit der Value-Strategie auf lange Sicht oft gute Renditen erzielen ließen. Besonders bewährt hat sich der Ansatz mit substanzstarken Titeln in weniger dynamischen Börsenphasen. So zeigt der Blick auf den ETF von ETFlab, der den STOXX Europe Strong Value 20 (ISIN DE000ETFL04) abbildet, in der Zehnjahresbetrachtung seit Oktober 2001 eine durchschnittliche Indexperformance von 9,13 Prozent pro Jahr – Dividendenauschüttungen eingerechnet. Ohne Dividendeneffekt weist der Preisindex des STOXX Europe Strong Value 20, der die 20 Top-Value-Unternehmen Europas beinhaltet, jährliche 4,13 Prozent aus. An diesem Punkt überschneiden sich Value- Indizes mit Dividenden-Indizes. „In die wurde deutlich mehr Geld investiert“, sagt Florian Schöps von ETFlab. Seiner Beobachtung nach ist das Interesse an Value- ETFs seit geraumer Zeit nicht allzu groß. Er ist jedoch überzeugt, dass künftig mehr Mittelzuflüsse in Value-ETFs gehen. „Die Anleger suchen zunehmend folgende Mischung: Fantasie nach oben, hohe Ausschüttungen, hohe Erträge und eine gewisse Sicherheit.“ Derzeit ist das Produktangebot recht überschaubar. Neben ETFlab und iShares bieten Lyxor, db x-trackers und UBS Value- ETFs an.

Unser Fazit:

Insgesamt bieten ETFs für jedermann eine günstige Möglichkeit, eine Value-Strategie umzusetzen. Wer der aktuellen Börsenentwicklung nicht so recht traut, der ist mit einem Value-Investment sicherlich gut beraten, weil er hier in die stabileren Werte investiert.

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