Der Marktanteil digitaler Vermögensverwalter, sogenannter Robo Advisors, dürfte sich bis zum Jahr 2020 verzehn- oder sogar verzwölffachen. Im gleichen Jahr werden schätzungsweise bereits funf Prozent des verwalteten Vermögens automatisiert angelegt. Das ergeben Prognosen der internationalen Managementberatung Bain & Company, die in der aktuellen Studie unter dem Namen „Asset-Management: Erfolgsformel gesucht“ veröffentlicht wurden.

Binnen weniger Jahre habe sich zudem das Volumen der Exchange Traded Funds (ETF) in Deutschland auf knapp 100 Milliarden Euro verdoppelt. Ihrer durchschnittlichen Kostenquote von 0,35 Prozent stünden 1,4 Prozent bei Publikumsfonds gegenüber. „Der Kostendruck im Asset-Management nimmt zu“, stellt Dr. Christian Graf fest, Principal bei Bain & Company und Co-Autor der Studie. „Schon in wenigen Jahren werden sich Publikumsfonds im Schnitt mit einer Kostenquote von 1,0 Prozent begnügen müssen.“

Staatliche Regulierung wird Trend zu passiven Produkten und zur digitalisierten Vermögensverwaltung beschleunigen

Der Grund: Die verschärfte Regulierung werde den Trend zu passiven Produkten und Robo Advisors weiter beschleunigen. So werde die Umsetzung der EU-Richtlinie MiFID II die Macht der Vertriebspartner stärken, die Bedeutung passiver Produkte noch einmal steigern und den Kostendruck erhöhen. Aktive Investmentgesellschaften müssten daher schnellstens umsteuern. „In den kommenden Jahren werden insbesondere Kostenführer und Spezialisten Marktanteile im Asset-Management erobern“, betont Dr. Dirk Vater, Partner bei Bain & Company und Co-Autor der Studie. „Das Nachsehen haben dagegen mittelgroße Fondsanbieter ohne klaren Fokus – und genau hier stecken viele fest. Deshalb gilt es schnell zu handeln und sich strategisch richtig zu positionieren.“

„Viele der mittelgroßen Fonds in Deutschland bewegen sich in ein „Tal des Todes“ hinein. Sie sind zu klein, um mit Effizienz- und Skalenvorteilen im harten Wettbewerb bestehen zu können. Und zu groß, um als Spezialist Nischen zu besetzen. Dabei blickt die Fondsbranche auf ein goldenes Jahrzehnt zurück. Seit 2005 stieg das verwaltete Vermögen in Deutschland im Durchschnitt um 6,5 Prozent pro Jahr auf zuletzt rund 2,9 Billionen Euro. Besonders dynamisch entwickelten sich Spezialfonds sowie Sondervermögen. Damit stieg auch die Bedeutung institutioneller Anleger. Inzwischen stellen sie 30 Prozent der Kunden von Publikumsfonds und vereinen 72 Prozent des gesamten verwalteten Vermögens auf sich.

Aktive Investmentfonds müssen Geschäftsmodelle schärfen

Bain nennt acht Stellhebel, mit denen Asset-Manager ihr Geschäftsmodell zukunftsfähig machen könnten:

  • Vertriebswege sichern und online wie offline ein möglichst breites Spektrum an Vertriebskanälen erschließen
  • Plattformen nutzen und Angebote von Dritten integrieren
  • Mehrwert generieren und mit Zusatzdienstleistungen die Kundenbindung vertiefen
  • Effizienz steigern und die Chancen einer zügigen Digitalisierung nutzen
  • Akquisitionen prüfen, um Größenvorteile auszubauen
  • Komplexität reduzieren und mit einem optimierten Produktportfolio effizienter werden
  • Robo-Advisor integrieren und mit automatisierten Produkten am Wachstum partizipieren, selbst wenn es das eigene Portfolio kannibalisiert
  • Digitalisierung vorantreiben und Online-B2C- ebenso wie -B2B-Plattformen nutzen.

Mit Robo Advisors Produktivität der Berater um 200 Prozent steigern

Fondsanbieter sollten dabei nicht in Fatalismus verfallen. Wer seine Prozesse und sein gesamtes Portfolio konsequent an den Anforderungen von Solvency II ausrichte, könne beispielsweise das Geschäft mit Versicherern ausweiten. Und wer Robo Advisors einsetze, sei in der Lage, die Produktivität seiner Berater um mindestens 200 Prozent zu steigern. Bain-Experte Vater ist deshalb überzeugt: „Im Asset-Management eröffnen sich sowohl durch die Digitalisierung als auch durch die verschärfte Regulierung große Chancen.“

Hier eine Übersicht wichtiger digitaler Vermögenswerwalter und deren Angebote.

 

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.