bevestor startet Angebot aus Frankfurt
Aus dem Herzen von Frankfurt startet mit bevestor der Robo-Advisor der DekaBank. Wir haben uns das Angebot im Detail angesehen.

Das Angebot digitaler Anlagelösungen zum langfristigen Vermögensaufbau wird immer vielfältiger. Auch aus dem Lager der Sparkassen kommt ein Anbieter auf dem Markt. Die DekaBank, das Wertpapierhaus der Sparkassen, bietet mit bevestor eine eigene Robo-Advisor-Lösung an. Wir haben uns das Angebot näher angesehen.

Der Robo-Advisor-Markt in Deutschland wurde durch Pioniere wie easyfolio, vaamo oder fintego geprägt. Inzwischen bieten rund 20 Anbieter ihre digitalen Dienste an. Die Größe des Marktes ist aber nach wie vor überschaubar. Wir schätzen den Robo-Advisor-Markt in Deutschland derzeit auf ein Volumen von rund 1 Mrd. Euro und Anbieter wie Scalable Capital, LIQID, vaamo oder quirion dominieren bisher den Markt. Inzwischen gibt es immer mehr Anbieter aus dem Bereich etablierter Finanzdienstleister – sogenannte Corporate Robo-Advisors. Diese werden das Marktvolumen nun schnell anwachsen lassen.

So bietet die Direktbank comdirect seit Mai dieses Jahres mit cominvest ein digitales Geldanlage-Angebot. Die Volks- und Raiffeisenbanken nutzen unter dem Namen MeinInvest eine White-Labeling-Lösung des Robo-Advisors VisualVest. Auch aus dem Kreis der unabhängigen Vermögensverwalter gibt es erste Angebote. So bietet der Vermögensverwalter Dr. Jens Erhardt (DJE Kapital AG) mit solidvest eine digitale Lösung mit Einzelaktien und Anleihen an. Und erst vor ein paar Tagen war zu lesen, dass der Anbieter investify mit der Hamburger Sparkasse (Haspa) einen neuen Gesellschafter gewonnen hat. Mit bevestor betreten nun weitere Sparkassen, über das Angebot der DekaBank, den Markt.

bevestor: Drei Strategien stehen zur Wahl

Über die Website von bevestor können Anleger in drei von der Deka Investment verwaltete Investmentfonds investieren (Deka-Relax 30, 50 und 70). Der Name erinnert an die im Jahr 2014 eingeführten easyfolio-Strategien (30, 50 und 70) die inzwischen von der Privatbank Hauck & Aufhäuser betrieben werden. Die Deka-Relax Fonds nutzen zur Umsetzung der Anlagestrategie allerdings keine ETFs, sondern aktiv gemanagte Fonds. Zudem bieten die Fonds einen eingebauten Anlageschutz. Dieser soll das Geld der Anleger vor größeren Verlusten schützen. Dieser optional enthaltene Anlageschutz der Portfolien wird von der Deka Investment gesteuert.

Dazu wählt der Anleger eine mit der gewählten Strategie implementierte maximale Verlustgrenze zwischen -5 % – 15 %. Eine tägliche Risikoüberwachung soll dann sicherstellen, dass im Falle von eintretenden Verlusten das Portfolio in sicherheitsorientierte Anlagen umgeschichtet wird. Zusätzlich greift eine Höchststand-Automatik. Denn sobald die bevestor-Strategie am Monatsanfang einen neuen Höchststand erreicht hat, wird dieser als neue Basis für den Anlageschutz verwendet. Zwischenzeitlich erreichte Kursgewinne werden damit fortlaufend abgesichert. Dieses Sicherungsniveau gilt immer für 12 Monate, es sei denn, es wird ein neuer Höchststand erzielt. Leider übernimmt die DekaBank für den Anlageschutz keine Garantie. Der Anbieter formuliert das auf seiner Seite so: „In bestimmten Marktsituationen können die definierten Verlustschwellen auch überschritten werden.“

Deka-Relax 50 – Depotvorschlag in der Risikokategorie Mittel

Portfoliozusammenstellung Deka-Relax 50
Deka-Relax 50 – das ausgewogene Portfolio zielt auf einen Ausgleich zwischen Wachstum und Wertschwankungsrisiko.

Überblick der bevestor-Strategien:

Die Deka-Relax Strategien werden auf der Website des Anbieters im Detail beschrieben. Die wichtigsten Kennzahlen haben wir in dieser Aufstellung zusammengefasst.

Deka-Relax 30Deka-Relax 50Deka-Relax 70
Mischfonds50 %50 %50 %
Aktienfonds10 %30 %50 %
Anleihenfonds40 %20 %
Verlustbegrenzung– 5 %– 10 %– 15 %
Depotgebühr0,90 % p.a.0,90 % p.a.0,90 % p.a.
Fondskosten1,29 % p.a.1,26 % p.a.1,23 % p.a.
Gesamtkosten2,19 % p.a.2,16 % p.a.2,13 % p.a.

 

Für das vierte Quartal 2017 ist eine weitere Anlagelösung mit fünf verschiedenen Portfolios geplant, die kundenindividuell angepasst werden können – bestehend aus aktiv und passiv gemanagten Fonds.

bevestor – Betrachtung der Kosten

Im Vergleich zu den Wettbewerbern ist das Angebot von bevestor recht teuer. Neben einer noch akzeptablen jährlichen Depotgebühr in Höhe von 0,90 % fallen zusätzliche Kosten innerhalb Deka-Relax-Fonds an. Diese gibt bevestor je nach Strategie mit folgenden Werten an: Deka-Relax 30: 1,29 %, Deka-Relax 50: 1,26 %, Deka-Relax 70: 1,23 %.

Die Gesamtkosten liegen demnach bei 2,13 % bis 2,19 % pro Jahr. Damit sind die Kosten rund doppelt so hoch wie bei den Mitbewerbern. Es bleibt abzuwarten, ob die gewählte Anlagestrategie inklusive dem Anlageschutz und der Höchststand-Automatik diese Kosten rechtfertigen. Darüber hinaus fallen zumindest keine Mindestgebühren, Ausgabeaufschläge oder sonstige Transaktionskosten an. Rückvergütungen, die die Deka Investment von den investierten Fonds erhält werden den Deka-Relax-Fonds gutgeschrieben und kommen so dem Anleger zu gute.

Starke Partner geben Sicherheit

Ein großer Pluspunkt ist die Solvenz und Erfahrung der bei bevestor beteiligten Unternehmen. So ist die DekaBank, als Wertpapierhaus der Sparkassen, juristischer Depotführer für die vermittelten Depots. Darüber hinaus ist die DekaBank der Finanzportfolioverwalter im Rahmen des von bevestor vermittelten Anlageschutzes, dessen Durchführung sie auf die Deka Investment GmbH ausgelagert hat. Die Deka Investment GmbH ist für die Zusammenstellung der Strategien verantwortlich. Dazu zählt die Fondsauswahl, die Umsetzung der Anlagestrategie und die Überwachung des Anlageschutzes. Die bevestor GmbH selbst ist eine hundertprozentige Tochter der DekaBank und tritt als Finanzanlagenvermittler nach § 34f Abs. 1 S. 1 Gewerbeordnung für die bevestor Depots auf.

Nächster Schritt: bevestor Depoteröffnung

Beispiel einer Depoteröffnung bei bevestor
Hat der Anleger seine Anlagestrategie final ausgewählt erhält er eine Übersicht seiner gewählten Strategie. Nächster Schritte wäre eine komplett digitale Depoteröffnung bei bevestor.

Für Sparkassenkunden ist die Digitale Vermögensverwaltung zukünftig bereits ab einer Einmalanlage von 1000 Euro oder 25 Euro monatlich verfügbar.

bevestor: Pro und Contra

Pro:

  • Hohe Sicherheit durch DekaBank-Gruppe
  • Hochwertige Fondsauswahl und laufende Analyse
  • Breite Streuung über viele Anlageklassen & Regionen
  • Eingebauter Anlageschutz inkl. Höchststand-Automatik
  • Erfahrung der DekaBank im Bereich Fondsverwaltung
  • Mindestanlage ab 1.000 Euro
  • Niedrige monatliche Sparraten ab 25 Euro

Contra:

  • Anlagekonzept ist teuer (Kosten > 2 % p.a.)
  • Geringe Auswahl: Es werden nur drei Strategien angeboten
  • Keine vollständige Garantie für Anlageschutz-Funktion
  • Mehrwert der Anlagestrategien noch nicht bewiesen

Demo der bevestor Website

Unser Fazit zu bevestor:

Das Angebot von bevestor hebt sich durch drei Punkte von den Angeboten anderer Robo-Advisors ab: 1. Anlage in aktiv gemanagte Fonds, 2. Aktive Risikomanagementstrategie mit Anlageschutz und Höchststand-Automatik und 3. Sicherheit durch die Umsetzung durch die DekaBank-Gruppe.

Aus unserer Sicht liegen die direkten Kosten mit 0,90 % pro Jahr auf einem fairen und angemessenen Niveau. Die Kosten für die eingesetzten Deka-Relax-Strategien lassen die laufenden Gesamtkosten allerdings durch die Decke schießen. Geht man davon aus, dass ein breit gestreutes Weltportfolio langfristig rund 6 % pro Jahr erwirtschaftet liegt die Nettorendite bei bevestor nur bei überschaubaren 4 % pro Jahr. Es bleibt also abzuwarten, ob die angebotenen Sicherheitsmechanismen (Anlageschutz inkl. Höchststand-Automatik) langfristig wirklich eine höhere Rendite erwirtschaften können.

Die Redaktion des EXtra-Magazins hat alle in Deutschland aktiven Robo-Advisors beleuchtet und bewertet und dafür einen eigenen Robo-Advisor-Vergleich erstellt. In den kommenden Wochen werden wir auch zu diesem Anbieter einen umfassenden Testbericht erstellen.

Über bevestor

Die bevestor GmbH wurde im Juni 2016 als 100%ige Tochter der Deka gegründet. Die bevestor GmbH ist eine digitale Entwicklungsplattform deren Ziel es ist, schnell und agil neue innovative Lösungen im Wertpapiergeschäft zu entwickeln. Diese sollen nach erfolgreicher Erprobung und Herstellung der Marktreife zeitnah den Sparkassen und deren Kunden zur Verfügung gestellt werden. Derzeit befindet sich das Angebot in der beta- bzw. Family & Friends-Phase. Eine erste Produktlösung wird aktuell in der Sparkassenfinanzgruppe erprobt und steht den Sparkassen im Laufe des Jahres auf Wunsch zur Verfügung.

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Markus Jordan ist Gründer und Herausgeber des EXtra-Magazins. Einer der führenden ETF-Informationsplattformen in Deutschland. Er hat über 25 Jahre Erfahrung im Bereich Finanzen und Geldanlage mit Schwerpunkten auf Exchange Traded Funds, Robo-Advisors und digitale Bankdienstleistungen und ist ein gefragter Experte auf diesen Gebieten.