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Branche unter Spannung

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Atomkraftwerk

Die deutschen Stromkonzerne E.ON und RWE durchlaufen gerade turbulente Zeiten. Mit Sektor-ETFs können Anleger in das gesamte Segment investieren und besser „europäisch“ denken.

Keine andere Aktie im DAX schnitt an der Börse in den vergangenen zwölf Monaten so schlecht ab wie der Energieriese E.ON. Mehr als 40 Prozent büßte der Titel auf Jahressicht ein. Der zweitschlechteste Performer ist ebenfalls ein Versorger: RWE. Die Aktie verlor rund ein Drittel an Wert. Nach den Ursachen für die miserable Kursentwicklung muss man nicht lange suchen. Als Belastungsfaktoren erwiesen sich vor allem die Diskussion um die Laufzeiten der Atomkraftwerke sowie die von der Regierung in diesem Zusammenhang geplante Brennelemente-Steuer. Diese soll ab 2011 eingeführt werden und dem Staat jährlich 2,3 Milliarden Euro in die Kasse spülen.

Streitpunkt Brennelemente-Steuer

Aus Sicht der AKW-Betreiber, zu denen neben E.ON und RWE auch EnBW und Vattenfall zählen, ist die Brennelemente-Steuer ein Willkürakt, den es um jeden Preis zu verhindern gilt. In einer gemeinsamen Erklärung zweifeln sie die Rechtmäßigkeit dieser Abgabe an und drohten damit, sollte die Brennelemente-Steuer tatsächlich kommen, die Atomkraftwerke mangels Wirtschaftlichkeit abzuschalten. Gleichzeitig forderten sie eine Laufzeitverlängerung der Atommeiler um mindestens 15 Jahre. Und statt einer Brennelemente-Steuer solle ein Fonds für erneuerbare Energien eingerichtet werden, der sich aus einem Teil der zusätzlichen Gewinne einer Laufzeitverlängerung speist. Welche Summe in den Topf fließen könnte, ließ das AKWQuartett offen. In den Medien wird über ein Gesamtvolumen von 30 Milliarden Euro spekuliert.

Energiekonzept in Planung

Sollte es zu einer Einigung im Sinne der Atomwirtschaft kommen, würde das an der Börse vermutlich positiv aufgenommen werden. Bisher gehen Analysten im Schnitt von einer Laufzeitverlängerung von lediglich zehn Jahren aus. Allerdings kann über mögliche Lösungen im Atomstreit derzeit nur spekuliert werden. Denn erst Ende August will die Bundesregierung erste Szenarien zu den Laufzeiten veröffentlichen. Das gesamte Energiekonzept soll laut offiziellen Angaben erst Ende September beschlussfertig sein. Aus Anlegersicht bleiben die Aktien von E.ON und RWE daher trotz einer sehr günstigen Fundamentalbewertung bis auf Weiteres mit einer hohen Unsicherheit behaftet.

Besser gleich auf Europa- ETFs setzen

Anleger, denen das Titelrisiko der beiden deutschen Stromkonzerne zu hoch ist, können mit dem von db xtrackers angebotenen DJ Stoxx 600 Utilities ETF gleich den gesamten europäischen Versorger-Sektor ins Depot nehmen (ISIN: LU0292104899). Mögliche Kursverluste einzelner Werte werden dann durch die Breite des Index abgefedert. Der zugrunde liegende Index, an dem der ETF partizipiert, enthält 31 Unternehmen aus den Sektoren Strom-, Wasser- und Energieversorgung, darunter so prominente Namen wie EDF (Frankreich), Enel (Italien) oder Endesa (Spanien).

Guter Einstiegszeitpunkt

Was die Branche momentan so interessant macht, ist die attraktive Bewertung. Aktuell notiert der DJ Stoxx 600 Utilities Index mit einem Kurs-Gewinn- Verhältnis von lediglich 8,9. Damit gehören die Versorger zu den günstigsten Sektoren im gesamten Stoxx- Universum. Ein weiterer Punkt: Die Dividendenrendite des Index liegt bei knapp sechs Prozent – das ist mehr als nur ein Zubrot. Dem ETF-Anleger gehen diese Erträge nicht verloren. Denn Dividendenausschüttungen von Indexmitgliedern werden dem Fonds abzüglich möglicher Quellensteuern hinzugerechnet, also thesauriert oder ausgeschüttet.