ETF-Anleger müssen sich keine Sorgen machen, mit ihrer Anlage das Finanzsystem zu gefährden.
ETF-Anleger müssen sich keine Sorgen machen, mit ihrer Anlage das Finanzsystem zu gefährden.

Die Bedeutung von ETFs als Anlagevehikel im internationalen Finanzsystem hat in den vergangenen Jahren laut Deutscher Bundesbank zugenommen.

Das geht auch aus den Zahlen hervor, die das EXtra-Magazin regelmäßig veröffentlicht. Das weltweit ausstehende Vermögen sämtlicher Gattungen von Investmentfonds belief sich laut Deutscher Bundesbank Ende des ersten Halbjahres 2018 auf 37,1 Billionen US-Dollar, wobei 5,1 Billionen US-Dollar (13,7 Prozent) auf ETFs entfielen. Die größte Gruppe unter den Investmentfonds stellen demnach weiterhin klassische offene Investmentfonds mit einem ausstehenden Vermögen von 29,3 Billionen US-Dollar dar. Angesichts dieser Dimensionen ist der ETF-Sektor noch relativ klein. Er konnte jedoch einen gewaltigen Sprung nach vorne machen. So waren ETFs mit 0,7 Billionen Dollar im Jahr 2009 noch Leichtgewichte.

Kurzfristig Sand im Getriebe

Auch wenn ETFs zuletzt ein wenig die Luft ausgingen, so waren sie in jüngerer Vergangenheit zunehmend begehrte Anlageinstrumente. Während der ETF-Sektor beispielsweise im Jahr 2017 einen Zuwachs von 18,9 Prozent verbuchen konnte, wiesen offene Investmentfonds und sonstige Fonds mit 5,1 beziehungsweise 3,8 Prozent zwar ebenfalls positive, jedoch deutlich geringere Wachstumsraten auf, so die Bundesbank. Trotz der hohen Wachstumsraten bei ETFs nimmt das über offene Investmentfonds verwaltete Vermögen absolut betrachtet noch am stärksten zu. Das rasante Wachstum kam jedoch ins Stocken. So berichtete Blackrock vor wenigen Wochen noch von einem globalen ETP-Volumen von gut 5,2 Billionen Dollar im September. Im Folgemonat ist im Nachfolgebericht von rund 4,9 Billionen Dollar die Rede.

Wie schlagen sich ETFs in turbulenten Zeiten?

Am 6. Mai 2010 fielen die Preise von US-Aktien (gemessen am S&P 500) – unter anderem aufgrund von Sorgen über das Fortschreiten der Schuldenkrise in Griechenland – binnen kürzester Zeit um etwa fünf Prozent, nachdem schon vorher ein Tagesverlust von rund vier Prozent aufgelaufen war, legt die Bundesbank dar. In der Spitze betrug der Verlust somit neun Prozent gegenüber den Vortagesschlusskursen. Die Preise hätten sich sich innerhalb von Minuten erholt; der Index wies bei Handelsschluss einen Tagesverlust von gut drei Prozent auf.

Für den Kursverfall sorgten in einem schwachen Marktumfeld mit hoher Wahrscheinlichkeit programmgestützte Verkaufsorders an den Future- Märkten, die entsprechende Stop- Loss- Orders auslösten. Verstärkt durch Hochfrequenzhändler übertrugen sich diese Entwicklungen in die ETF- Märkte. Durch die Vielzahl von Verkaufsaufträgen kam es zu einer starken Ausweitung der Geld- Brief- Spannen. In diesem Zusammenhang sind die Pricing- Modelle der Market Maker von Bedeutung. Die hierbei verwendeten Modelle sorgten zum Teil für erhebliche Abweichungen zwischen den von Market Makern gestellten Preisen und dem inneren Wert des ETF gemäß Nettoinventarwert (NAV). In der Folge zogen sich Market Maker beziehungsweise APs (Authorized Participants) aus dem Markt zurück, die Liquidität schrumpfte und Aufträge wurden teilweise nicht mehr ausgeführt. ETFs waren von dem „Flash Crash“ stärker betroffen als andere Anlageklassen, jedoch scheinen sie nicht ursächlich. Als Reaktion auf dieses Ereignis wurde in den USA eine Reihe von Regularien eingeführt beziehungsweise verschärft. Hierzu zähle insbesondere die Aussetzung des Börsenhandels für eine bestimmte Zeit, wenn vordefinierte Kursveränderungen überschritten werden.

Bundesbanker sind positiv gestimmt

Das Fazit der Deutschen Bundesbank liest sich durchaus positiv für die ETF-Branche: Für die hohe Dynamik des ETF-Sektors kann eine Reihe von Wachstumstreibern identifiziert werden, wobei derzeit vor allem die Möglichkeit einer kosteneffizienten Investition in ein diversifiziertes Portfolio hervorsticht. Hiermit wird auch ein Zugang zu Marksegmenten eröffnet, der über andere Anlageinstrumente nur schwer erreichbar ist. Dies kann auch im Hinblick auf den Vermögensaufbau für die Altersvorsorge relevant sein. Auch die häufig beschworenen Gefahren, die Kritiker immer wieder in Bezug auf das gesamte Finanzsystem beschwören relativieren die Bundesbanker: Insgesamt erscheinen die von ETFs ausgehenden spezifischen Risiken für das gesamte Finanzsystem derzeit – auch wegen der noch vergleichsweise geringen Größe des Sektors – begrenzt.

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Thomas Brummer war nach dem Betriebswirtschaftsstudium für das Anlegermagazin „Der Aktionär“ tätig. Im Anschluss schrieb er mehr als vier Jahre für das Verbraucherportal biallo.de und einige Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier. Währenddessen hospitierte er in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf. Seit 2018 schreibt er für extra-funds.de und das EXtra Magazin.