Buy and hold: ETF-Strategie mit System

Wer langfristig und berechenbar investieren will, braucht einen Plan und eine Strategie. Dabei geht es nicht immer nur um höhere Renditen, sondern auch um Sicherheit und Berechenbarkeit. Wir stellen in unserer Reihe Anlagestrategien Möglichkeiten zur Optimierung eines ETF-Investments vor.

Teil 6: Buy and hold – in der Ruhe liegt der Ertrag

Allen Abgesängen zum Trotz – Kaufen und Halten ist für passive Anlageformen mit ETFs nach wie vor der Garant für langfristige Investments mit Erfolg. Aufgrund ihrer Diversifikation und dank minimaler Kosten lassen sich selbst bei konservativem Profil beachtliche Renditen erzielen. Langfristig planen, Ruhe bewahren und sich nicht von Schwankungen an den Börsen oder Negativmeldungen irritieren lassen. Wer diesen Grundsatz beherzigt, wird mit seinem ETF-Investment am Ende besser dastehen, als viele Kritiker glauben lassen. Gerade nach starken Kurseinbrüchen wie der vergangenen Finanzkrise melden sich verstärkt diejenigen zu Wort, die die bewährten Grundlagen einer erfolgreichen Geldanlage infrage stellen.

Buy and hold habe sich überholt, heißt es oft – meist mit dem Hinweis, dass die alte Kostolany-Devise nicht mehr zu den veränderten Rahmenbedingungen an den zunehmend schwankungsanfälligen Finanzmärkten passt. Doch was auf Einzelaktien-Investments zutreffen mag, wird den ETFs nicht gerecht. Passiv und breit gestreut die Märkte abzubilden hat sich auch in der jüngsten Krise bewährt. Zwar verweisen Anbieter, die mit aktiv gemanagten Fonds Geld verdienen wollen, gerne auf Berechnungen, bei denen Indizes wie DAX, STOXX oder S&P 500 negative oder magere Renditen ausweisen, doch hier lohnt sich der Blick auf den jeweiligen Zeithorizont. Und der bezieht sich meist auf nur fünf oder zehn Jahre.

Langer Zeithorizont gefragt

Bei ETF-Anlagen, besonders wenn sie als Altersvorsorge dienen, muss in längeren Zeithorizonten gerechnet werden, wie auch der Honorarberater Davor Horvat von der Karlsruher Aventus Finance OHG bestätigt. „Wenn man nur auf die zurückliegenden zehn Jahre schaut, so war das wohl eine schwierige Zeit. Wenn man aber über 20 bis 30 Jahre rechnet, so sieht das Bild schon ganz anders aus.“ Dabei verweist der ETF-Experte auf eine langfristig erzielbare durchschnittliche Rendite von 6 Prozent. Und das mit einer relativ konservativen Mischung: 50 Prozent risikoarme Anlagen wie festverzinsliche Papiere und 50 Prozent Aktienanteil mit etwas höherem Risiko. Die passende Mischung und vor allem der Faktor Zeit sind entscheidend. „Man darf nicht meinen, irgendwelchen Trends hinterherlaufen zu müssen“, so Horvat. „Wenn man einmal zu Anfang sein Risiko-Rendite-Profil definiert und die richtige Asset-Allocation zusammengestellt hat, muss man einfach bis zum Schluss unbeirrt dabei bleiben.“

Mehr Sicherheit durch hohe Diversifikation

Die Devise heißt schlicht: Ruhe bewahren, langfristig denken und schlechtere Zeiten am besten ignorieren. Bei der Mischung 50:50 ist mit Verlusten von bis zu 9 Prozent in einem oder bis zu 16 Prozent in zwei Jahren durchaus zu rechnen. Auf lange Sicht aber machen die guten Jahre derartige Verluste wieder wett. Der Grund liegt wesentlich in der Diversifikation mit ihrer doppelten Funktion – als Renditestabilisator und Verlustbegrenzer. Wer breit gestreut in verschiedene Märkte investiert, erhöht seine Renditechancen und kann Verluste in einem Segment mit den Renditen der anderen ausgleichen. Vor diesem Hintergrund sieht Horvat eine Verlusttoleranz von bis zu 50 Prozent als relativ problemlos: „Es ist kaum anzunehmen, dass alle Märkte wie Aktien, Renten oder Rohstoffe zugleich zusammenbrechen.“ Die Portfoliotheorie von Markowitz hat also nach wie vor ihre Gültigkeit. „Deshalb rate ich auch Kunden, die wegen ihrer Japan-Titel besorgt anrufen, zur Ruhe“, sagt Horvat. „Einfach nichts tun und abwarten. Die meisten haben sowieso noch viele Jahre vor sich.“ Und – „Tsunami hin oder her“ – Japan gehört seiner Ansicht nach unverändert anteilig in ein ausgewogenes Portfolio. Denn es ist nach wie vor die mit am höchsten marktkapitalisierte Industrienation.

Kaufen, halten, erhalten

Wichtig ist, dass ein Anleger von Anfang an über alle Aspekte eines ETF-Investments informiert ist. „Ohne Beratung ist ein unerfahrener Kleinanleger bei der Zusammenstellung eines sicheren und zugleich chancenorientierten Investments oft über-fordert“, so Horvat. Spätestens beim Rebalancing ist professionelle Hilfe gefordert. Denn hier muss in regelmäßigen Abständen das ursprüngliche Risikoprofil wiederhergestellt werden, weil sich im Laufe der Zeit beim Auf und Ab der Märkte die Gewichtung immer mehr zugunsten der Klassen mit höherer Rendite verschiebt. Ohne diese Anpassungen würde das Investment schon nach wenigen Jahren nicht mehr der Ausgangsdefinition entsprechen. Durch das entsprechende Anpassen einzelner Anlageklassen bleibt das Ursprungsprofil erhalten. Ein wesentlicher Bestandteil also beim Kaufen und Halten. Ein weiteres wichtiges Kriterium bei ETFAnlagen nach dem Buy-and-hold-Prinzip ist zudem, dass außer für das unerlässliche Rebalancing keine Transaktionen und somit keine Kosten anfallen, die die möglichen Erträge neuerworbener Wertpapiere mindern. Bleiben die Verwaltungsgebühren, die je nach Anlagetyp und -klasse zwischen 0,1 und 0,5 Prozent betragen.

Strategie für Langzeiterfolg

Das Buy-and-hold-Prinzip ist die Basis eines erfolgreichen ETF-Investments. Und es lässt sich ideal mit verschiedenen Strategien wie Trendfolge-, Value- oder Core-Satellite-Strategie verbinden. Long/ Short-Strategien jedoch sind Horvat zufolge weniger empfehlenswert. „Das passt nicht, funktioniert oft nicht und kostet zudem Geld, da es ein aktives Management erfordert.“ Abgesehen davon aber ist das Buy-and-hold-Prinzip seiner Ansicht nach ideal gerade für Kleinanleger, die langfristig Vermögen aufbauen und für das Alter vorsorgen wollen. Entweder als Einmaleinlage oder in Kombination mit einem Sparplan. Auch ETFs im Mantel einer Lebensversicherung sind typische Anlagen nach dem Buy-and-hold-Strategie. Sie haben zudem den Vorteil, dass die Renditen nach Erreichen des Rentenalters nur zur Hälfte besteuert werden, da sie – wie alle Lebensversicherungen – dem Halbeinkünfteverfahren unterliegen. Das EXtra-Magazin hat mit den EXtra ETF Indizes drei Buy-and-hold-Strategie-Portfolios entwickelt (siehe hier). Die Risikotypen Defensiv, Balance und Wachstum bieten je nach persönlichem Risikoprofil eine gute Orientierung, wie ein ETF-Portfolio aussehen kann. Aufgrund der Nachfrage unserer Leser haben wir mit der UniCredit Bank AG eine investierbare Inhaberschuldverschreibung auf die Indizes entwickelt.

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Weitere interessante Investmentmöglichkeiten finden Sie in unserem ETF-Anlageleitfaden. Dieser erleichtert Ihnen den Einstieg in die Welt der Exchange Traded Funds (ETFs). Wir stellen Ihnen darin die Anlegemöglichkeiten einzelner Länder, Regionen, Sektoren oder Investmentthemen vor.

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