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China: Die Städte platzen aus allen Nähten

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China - Hong Kong - Asien

Mit 430 kmh rauscht der Transrapid in Shanghai durch sumpfiges Gebiet, die kleinen Blechhütten sind beim Blick aus dem Fenster nur für winzige Momente zu sehen. Kaum ein anderes Bild in China zeigt die herrschenden Gegensätze zwischen Tradition und Fortschritt, zwischen Arm und Reich besser auf. Hier liegt die Phantasie vieler Unternehmen – und die der Investoren. Mithilfe von Indexprodukten können sich Anleger eine China- Beimischung ins Depot holen.

China ist inzwischen die drittgrößte Volkswirtschaft und drittgrößte Handelsnation der Welt. Erwartet wird, dass es im Laufe des Jahres sogar Japan als zweitgrößte Volkswirtschaft überholt. Deutschland wurde von China in der „Disziplin“ Export bereits entthront. Die Wirtschaftskrise sorgte zwar dafür, dass auch im Reich der Mitte das Wachstum gebremst wurde. Dennoch betrug dieses im Jahr 2009 8,7 Prozent. Die Herausforderung, mit der China konfrontiert ist: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt auf dem Land. Viele sind von der Landwirtschaft abhängig. Doch trägt dieser Sektor nur noch elf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Kein Wunder, dass es immer mehr Menschen in die großen Ballungszentren zieht, wo der Wirtschaftsboom am Transrapid, an Hochhäusern und riesigen Einkaufszentren sichtbar wird.

Index-Zertifikat auf den DAXglobal China Urbanization Performance- Index

Auf dieser Überlegung basiert ein neues Produkt von Vontobel. Mit dem Index-Zertifikat auf den DAXglobal China Urbanization Performance- Index (ISIN DE000VT0GXX2) können Anleger gezielt auf Unternehmen setzen, die von der fortschreitenden Verstädterung in China profitieren sollten. Sie stammen aus den Bereichen Fahrzeugindustrie, Baugewerbe & Materialien, Infrastruktur & Transport, Immobilien und Energieversorgung. Aus jedem dieser Sektoren wurden vier Aktien herausgesucht. Zum Start fließen sie mit einer Gewichtung von jeweils fünf Prozent in den Index ein. Voraussetzung für die Aufnahme in das Barometer ist ein täglicher Handelsumsatz von durchschnittlich mindestens einer Mio. US-Dollar sowie eine Marktkapitalisierung von mindestens einer Mrd. US-Dollar. In Frage kommen Firmen, die an der Börse in Hongkong, Singapur, an der New York Stock Exchange oder der NASDAQ notiert sind. Einmal im Jahr wird die Zusammensetzung überprüft und gegebenenfalls angepasst. Positiv zu bewerten ist, dass Dividenden in den Index reinvestiert werden. Als Mangagementgebühr verlangt Vontobel 1,2 Prozent p.a. Beachten sollten Anleger, dass das Produkt nicht währungsgesichert ist

Von Hongkong aufs Festland blicken

Wer statt dieser spezifischen Auswahl einen Standardindex bevorzugt, sieht sich einer Vielzahl an Benchmarks und passenden Produkten gegenüber. Einer der meist beachteten China-Indizes ist der Hang Seng-Index. Um ganz gezielt chinesische Titel ins Portfolio zu holen, ist jedoch der Hang Seng China Enterprises-Index (HSCEI) besser geeignet. Auch er wird an der etablierten Börse in Hongkong berechnet. Allerdings bezieht er sich ausschließlich auf Unternehmen, die ihren Sitz auf dem chinesischen Festland haben (H-Aktien). Insgesamt sind 40 Titel im Index enthalten. Von seinem Hoch im Oktober 2007 bei 20.400 Punkten stürzte das Barometer innerhalb eines Jahres um rund 75 Prozent auf unter 5.000 Punkte ab. Inzwischen hat aber auch dieser Index wieder Boden gut gemacht und notiert bei rund 12.500 Zählern.

Ein HSCEI-Produkt mit Währungssicherung kommt von der Commerzbank ( Zum Testbericht) (ISIN DE000CB6JFS3). Der Spread liegt bei 2,30 Prozent, Managementgebühren fallen hier nicht an. Da es sich um einen Kursindex handelt, gehen Dividenden allerdings verloren. Anders sieht dies bei ETFs aus. Lyxor bietet zur selben Benchmark einen Indexfonds, bei dem Dividenden ausgeschüttet werden (ISIN FR0010204081). Die Gebühr liegt bei 0,65 Prozent p.a.

Anzeichen einer Blasenbildung

Da alle Welt von China spricht, sind natürlich längst auch skeptische Stimmen zu hören. Einige Marktteilnehmer befürchten, hier könnte sich die nächste große Blase bilden. Als Indiz dafür sehen sie vor allem die schnell anziehenden Immobilienpreise. Bei dem inzwischen umfassenden Angebot an ETFs finden Anleger auch ein Produkt, das bei fallenden Kursen in Fernost profitiert. Der db x-tracker (ISIN LU0429790313) bezieht sich allerdings auf die Short-Variante des Hang Seng-Index, der nicht speziell auf Unternehmen auf dem chinesischen Festland ausgerichtet ist. Während der aktuellen Marktstärke hat das Short-Barometer bereits größere Verluste zu verzeichnen. Noch ist die große Trendwende im Reich der Mitte nicht gekommen.

Dieser Artikel wurde der Analysis Kompakt Nr. 04 von Scope entnommen.

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