Das schnelle Comeback der Schwellenländer

21Aktien- und Anleihefonds der Schwellenländer waren in den vergangenen Jahren von einer Vielzahl globaler Unsicherheiten betroffen. Kriege und Konfliktherde in der Region, die stark gefallenen Rohstoffpreise – insbesondere der Ölpreis – und die Ängste vor einer Zinswende in den USA veranlassten viele Investoren, ihr Kapital abzuziehen und in sichereren Häfen zu „parken“. Nun mehren sich die Anzeichen, dass die Investoren zurückkehren.

Lange Zeit galten Aktien aus den aufstrebenden Schwellenländern als die Renditebringer überhaupt – doch diese Zeiten sind seit ein paar Jahren vorbei. Phasen mit großen Gewinnen wechseln sich seitdem mit Zeiten hoher Verluste ab. Anleger, die weiterhin auf die Emerging Markets setzen, brauchen starke Nerven. 2016 wurden sie dafür auch belohnt.

Dauerhafte Erholung oder kurzfristiger Aufschwung?

Die Turbulenzen haben zwar auch die Börsen in den Schwellenländern zwischenzeitlich stark belastet, aber von der darauffolgenden Erholung an den Weltmärkten profitierten sie besonders stark. So ist der MSCI Emerging Markets seit Jahresbeginn um mehr als 15 Prozent gestiegen, wogegen der Weltaktienindex MSCI World, der nur Aktien aus Industrieländern beinhaltet, ein mageres Plus von vier Prozent erreichen konnte.

Stehen die Schwellenländermärkte also vor dem Comeback? Seit seinem jüngsten Tief im Januar hat der MSCI Emerging Markets in Lokalwährung um 14 Prozent zugelegt und sogar um fast 20 Prozent unter Berücksichtigung von Währungseffekten. Doch ein kurzfristiger Anstieg in dieser Größenordnung ist nicht ungewöhnlich: Seit dem Indexhöchststand im Mai 2011 waren sechs Anstiege vom Tiefst- zum Höchststand um mehr als zehn Prozent zu beobachten, die jedoch alle auch wieder abflauten. Die Frage ist daher, ob sich der aktuelle Stimmungsaufschwung zu einer dauerhaften Erholung ausweitet.

Wird die Erholung von Dauer sein?

Es waren die gleichen Themen, die zu Jahresbeginn für den Absturz der Weltbörsen gesorgt hatten, die die Erholungsrallye anschoben: China, die Weltkonjunktur, die Zinspolitik der US-Notenbank und ihre Auswirkung auf den US-Dollar, und natürlich der Ölpreis. Die Entwicklung der amerikanischen Währung ist für Schwellenländeraktien deshalb so relevant, weil die Vergangenheit gezeigt hat, dass sie sich in Zeiten einer ausgeprägten US-Dollar-Schwäche tendenziell wesentlich besser entwickeln als ihre Pendants in den ent wickelten Märkten und in Phasen einer ausgeprägten Stärke des US-Dollars im gleichen Maße hinter diesen zurückliegen. In den beiden Perioden, in denen der US-Dollar innerhalb der vergangenen 20 Jahre die größte Stärke zeigte, schnitten Aktien aus Schwellenländern gegenüber Aktien aus den entwickelten Ländern im Durchschnitt um 26 Prozent schlechter ab. Dagegen überflügelten Schwellenländeraktien in den beiden Perioden der stärksten US-Dollar-Schwäche die Aktien aus den Industrieländern um durchschnittlich 26,2 Prozent.

Ein anderer Faktor sind die Rohstoffpreise und dabei insbesondere der Ölpreis. Die jüngste Stabilisierung in diesem Bereich stützte zuletzt die Börsen der großen Rohstoffproduzenten und -exporteure, wobei sich die fundamentale Situation nicht entscheidend verändert hat.

Schwellenländer erholen sich von einer schweren Rezession

Einige Schwellenländerbörsen haben sich von ihren Tiefstständen bereits kräftig erholt. Der brasilianische Bovespa-Index beispielsweise ist um mehr als 30 Prozent gestiegen, wobei diese Kursrallye vor allem als eine Aufholjagd nach dem tiefen Fall verstanden werden muss. Für eher kurzfristig orientierte Anleger kann ein Schwellenländerinvestment also eine gute Idee sein, sofern man die starken Schwankungen zu nutzen weiß. In den turbulenten vergangenen Jahren hätte die Bilanz so aussehen können: Wer im Frühsommer 2013 sein Geld in einen MSCI-Emerging-Markets- ETF investierte und im Frühling 2015 seine Position wieder verkaufte, konnte eine Rendite von rund 50 Prozent erzielen – innerhalb von zwei Jahren. In der Praxis wird es allerdings kaum gelingen, seine Position zum jeweils idealen Zeitpunkt zu kaufen und wieder zu verkaufen. Wer 2015 beispielsweise zu lange zögerte, die Abwärtsbewegung mitmachte und seine ETFs bis heute hielt, büßte einen Großteil des Wertgewinns wieder ein und kommt nur noch auf einen Wertzuwachs von rund 15 Prozent – im ungünstigsten Fall wohlgemerkt.

Bisher zahlte sich also auch langfristigeres Vertrauen in die Schwellenländer aus, und dies gilt auch bei der Betrachtung eines wesentlich längeren Zeitraums: Während der vergangenen 15 Jahre konnte der Index – inklusive angefallener Dividenden – um rund 170 Prozent zulegen und kommt so auf eine Rendite von 8,6 Prozent per annum seit 1998. Sollten die aufstrebenden Staaten nun also wieder einmal an einem Wendepunkt stehen, würde sich ein Einstieg anbieten – am ehesten über einen möglichst breit diversifizierten Indexfonds, der viele Länder abdeckt und nicht etwa nur die vier BRIC-Staaten. Im MSCI Emerging Markets sind 840 Unternehmen aus 23 verschiedenen Schwellenländern vertreten. Damit vereint der Index 85 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung dieser Länder auf sich und eignet sich ideal als Basisinvestment im Schwellenländerbereich. Mit dem Lyxor UCITS ETF MSCI Emerging Markets (WKN: LYX0BX) können Anleger kosteneffizient in den Index investieren.

Fazit

Anlagen in Schwellenländer profitierten von einer geringeren Unsicherheit im Markt. So konnten im September Aktien-ETFs der Schwellenländer weiterhin Zuflüsse verzeichnen.

SchwellenländerHeike Fürpaß-Peter ist seit 2008 für Lyxor
ETFs tätig und leitet den öffentlichen
Vertrieb in Deutschland und Österreich. Ihre
berufliche Laufbahn begann sie nach einem
Studium der Internationalen Wirtschaftswissenschaften
bei Merrill Lynch in Frankfurt.
Dort begleitete sie die ersten ETF-Emissionen
der LDRS (heute iShares) in Europa.

Dieser Beitrag stammt aus dem ETP-Spezial 2016, Stand November 2016.

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Maximilian Stratz studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth. Seit 2016 ist Maximilian Stratz im Redaktionsteam des EXtra-Magazins beschäftigt.