Start ETF-News Defensive Aufstellung für unsichere Marktphasen

Defensive Aufstellung für unsichere Marktphasen

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Der neue Rettungsplan für den Euro steht. Mit einer Mischung aus Schuldenschnitt und Ausweitung des Rettungsfonds möchte man nun der Situation Herr werden. für die Börsen ein Befreiungsschlag, die Aktienkurse steigen. Auf längere Sicht wird jedoch vor allem entscheidend sein, inwieweit sich die starke Verschuldung der Staaten auf die Konjunktur auswirkt. Kommt diese ins Stocken, kann es für Anleger sinnvoll sein, sich defensive Aktien ins Depot zu legen. Wir stellen einige Branchen vor, die in Frage kommen, und nennen Produkte, die diese investierbar machen.

Erst vor wenigen Tagen musste die Bundesregierung ihre Prognosen bezüglich des Wirtschaftswachstums in Deutschland zurückschrauben. Wegen der weltweiten Konjunkturabkühlung und der Staatsschuldenkrise rechnet sie für 2012 nur noch mit einem Wachstum von 1,0 Prozent. Die Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) liegen mit 1,3 Prozent für Deutschland nur leicht darüber. Europa wird laut IWF-Ausblick 2012 ein Plus von 1,8 Prozent verzeichnen. In gleichem Maße wird laut den Experten das Bruttoinlandsprodukt der USA wachsen. Erwartet worden war zuvor allerdings ein US-Wachstum von 2,7 Prozent.

Risiken bei zyklischen Aktien

Sollte sich die Konjunktur in den großen Volkswirtschaften tatsächlich abkühlen, ist damit zu rechnen, dass insbesondere zyklische Aktien unter Druck geraten. Hierzu zählen beispielsweise Werte aus den Bereichen Automobile, Technologie, Finanzen und Rohstoffe. Dagegen rücken Sektoren in den Fokus der Anleger, die die Grundbedürfnisse einer Volkswirtschaft abdecken. Nahrungsmittelhersteller, Versorger sowie Medizin- und Pharmaunter- nehmen sind auch dann gefordert, wenn die Konjunktur schwächelt. Investoren, die ihr Portfolio nach dem Prinzip der sogenannten Sektor-Rotation anpassen möchten, haben die Möglichkeit, anstelle eines Stock Pickings eine ganze Branche einzukaufen. Das minimiert das Einzelaktienrisiko und ist über Produkte auf Branchenindizes einfach umsetzbar.

ETFs und Zertifikate auf Sektor-Indizes

Während sich die meisten ETFs auf Sektoren-Indizes mit ausschließlich europäischen Aktien beziehen, hält der Zertifikatemarkt seit kurzem einen weiteren globalen Ansatz bereit: Die UniCredit hat 19 Open End- Zertifikate auf STOXX Global 1800 Supersektor Indizes begeben. Der globale Ansatz sorgt für eine breitere Diversifikation über verschiedene Länder. Zudem sind dadurch einfach mehr Aktien enthalten. Beispiels weise umfasst der STOXX Global 1800 Food & Beverage 86 Titel. Im Europa-Pendant aus der STOXX Europe 600-Serie sind es lediglich 29. Da die Börsen in den vergangenen Wochen von der europäischen Schuldenkrise beherrscht wurden, wirkte sich die globale Ausrichtung positiv auf die Performance aus. Der Global-Index verzeichnet seit Ende Juli ein Minus von 2,6 Prozent. Mit -4,0 Prozent rutschte die Europa-Variante stärker ab. Beide Indizes konnten jedoch ihre Defensiv-Stärke ausspielen und den Gesamtmarkt outperformen: Der STOXX Global 1800 steht mit einem Minus von 8 Prozent tiefer im Minus, der STOXX Europe 600 notiert sogar 11 Prozent unter dem Stand von Ende Juli. Unter den fünf ETF-Anbietern, die die europäische Food-Benchmark verbriefen, verlangt die Commerzbank die niedrigsten Gebühren (0,25 Prozent p.a.). Dividenden werden in den Fonds reinvestiert. Bei allen neuen UniCredit-Zertifikaten auf STOXX Global 1800-Indizes sollten Anleger beachten, dass sowohl die Kurs- als auch die Performance-Indizes investierbar sind. Da Ausschüttungen bei Zertifikaten auf Kursindizes für den Anleger verloren gehen, sollten ausschließlich Produkte auf die Performance-Indizes in Frage kommen, auch wenn die UniCredit hierfür eine Managementgebühr von 0,25 Prozent p. a. verlangt. Die Dividendenrendite liegt in der Regel weit darüber.

Health Care Sektor

Nicht ganz so stark abfedern konnten Indizes zum Thema Gesundheit die Kursverluste der vergangenen drei Monate: Der STOXX Europe 600 Health Care liegt in diesem Zeitraum 6,6 Prozent im roten Bereich, die Global-Variante 5,2 Prozent. Die Indizes umfassen 34 bzw. 117 Titel. Auf dem ETF-Markt ist die Auswahl in diesem Sektor größer: Insgesamt 11 Indexfonds sind zum Thema Health Care notiert. Neben dem UniCredit-Zertifikat ist ein weiteres Produkt zu finden, das einen globalen Ansatz aufweist: Die Deutsche Bank hat einen ETF auf den MSCI World Health Care Index im Angebot. Ähnlich sieht die ETF-Vielfalt im Sektor .Versorger. aus. Sowohl die Deutsche Bank als auch Lyxor bieten hier den MSCI World Utilities als Indexfonds an. Seit Ende Juli notiert er lediglich 1,8 Prozent im Minus. Was bei Investments in diesem Bereich allerdings nicht vergessen werden darf: Gerade bei Versorgern gehen Anleger auch eine politische Wette ein. Entscheidungen wie der Ausstieg aus der Atomenergie oder die Brennelementesteuer können für die Unternehmen eine entscheidende Rolle spielen.

Dieser Beitrag stammt von Scope Indexprodukte.

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