Start ETF-News Der DAX Milliardenschweres Objekt der Begierde

Der DAX Milliardenschweres Objekt der Begierde

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Seit einem Jahrzehnt ist er auch über ETFs direkt investierbar. „Der iShares-ETF, auf den DAX ist ein deutsches Produkt und gehört nun zu den Top Ten der am meisten gehandelten ETFs in Frankreich“, nennt Eric Wohleber, Frankreich-Chef von iShares, dem weltweit größten ETF-Anbieter, ein Beispiel. Der DAX als Basiswert für einen ETF ist milliardenschwer. Das verwaltete Vermögen der DAX-ETFs kommt zusammen nach Angaben der UniCredit auf insgesamt elf Milliarden Euro.

Der DAX ist unter den europäischen Länderindizes der wichtigste

Insgesamt gibt es derzeit acht dieser Produkte. Der größte DAX-ETF ist der von iShares mit 4,6 Milliarden Euro an Assets under Management. Zum Vergleich: Auf den CAC 40, den französischen Leitindex, gibt es in Europa fünf ETFs, von denen der größte, der Lyxor ETF CAC 40, knapp drei Milliarden Assets under Management hat. Es gibt zwar 13 ETFs auf den britischen FTSE 100, diese Indexfonds kommen jedoch insgesamt auf ein verwaltetes Vermögen von 5,4 Milliarden Euro. Keine Frage, der DAX ist unter den europäischen Länderindizes der wichtigste.

Beliebter als der DAX ist lediglich das europäische Schwergewicht, der Euro STOXX 50. Der europäische Leitindex ist derzeit der häufigste Basiswert für ETFs. Aktuell gibt es 21 verschiedene Indexfonds, die die Kurven des Euro STOXX 50 nachbilden. Zusammen kommen sie nach Angaben der UniCredit verwaltete Volumen in Höhe von 21,2 Milliarden Euro. Die Beliebtheit als Basiswert des deutschen Leitindexes wächst. Grund dafür dürfte die Stabilität der deutschen Wirtschaft sein, die damit im Kontrast zu der vergleichsweise unsicheren Situation der so genannten PIIGS-Staaten, Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien steht. Immerhin hat sich Deutschland schneller als andere europäische Länder von der Krise erholt. Lag der DAX Anfang 2009 noch weit unter 4.000 Zählern, hat er 2011 schon längst die 7.000-Punkte-Marke überschritten. Die Charttechniker von GodmodeTrader.de gehen in ihren Analysen davon aus, dass der DAX in absehbarer Zeit auch die 8.000er-Marke anpeilen und damit fast das Vorkrisenniveau wieder erreicht haben dürfte.

Europäische Aktien-Indizes wieder gefragt

Auch europäische Aktien steigen wieder in der Anlegergunst. „Die Investoren haben einen großen Fokus auf das STOXX Europe 600 Universum gesetzt und sowohl in den breiten Markt als auch in einige Branchen stark investiert“, erläutert Oliver Kilian, ETF-Experte von der UniCredit. Die Studie von Deborah Fuhr, ETF-Expertin von BlackRock, dem Besitzer des ETF-Anbieters iShares, attestiert in Europa ein steigendes Interesse an heimischen Märkten. Im Januar seien insgesamt 3,8 Milliarden US-Dollar in ETFs und ETCs, die in Europa gelistet waren, geflossen.

„Seit Jahresbeginn bis Ende Januar sind 4,7 Milliarden US-Dollar an neuen Geldern in Aktien-ETFs gegangen. Das waren drei Milliarden US-Dollar mehr als das Plus im Vorjahreszeitraum. Die Zuflüsse in ETFs, die europäische Indizes abbilden, lagen bei 1,8 Milliarden US-Dollar. 2010 wurden über den gleichen Zeitraum Abflüsse von 0,1 Milliarden Dollar verzeichnet“, schreibt Fuhr. Der STOXX Europe 600 punktet mit Diversifikation, der DAX mit Potenzial. „Neben dieser sehr diversifizierten Anlage scheinen viele Investoren davon überzeugt zu sein, dass der deutsche Leitindex weiterhin Potenzial hat und sind noch auf den DAX aufgesprungen – auch wenn es hier erste Bewegungen zu Gunsten des Euro Stoxx 50 gibt“, sagt Kilian.

ETFs sind das Core-Investment für viele Anleger

Wie aus der aktuellen Studie von Fuhr weiter hervorgeht, ist der iShares DAX-ETF – gemessen am verwalteten Vermögen – der fünftgrößte ETF in Europa. Auf Platz eins rangiert der Lyxor Euro STOXX 50. Bewertet anhand der Höhe des täglichen gehandelten Volumens, erzielt der iShares DAX-ETF sogar den zweiten Platz. „DAX-ETFs sind natürlich das Core-Investment für viele Anleger und die Klassiker auf dem deutschen Markt. Es setzt sich dabei immer mehr die Erkenntnis durch, dass sich der Markteinstieg über ETFs besonders kostengünstig realisieren lässt“, erläutert Simon Klein, der bei der Société Générale das europäische Geschäft mit Lyxor ETFs leitet. ETFs auf den DAX seien dabei traditionell stark gefragt, weil der Investor die Geldanlage breit streuen und mit einer einzigen Transaktion an der Wertentwicklung der wichtigsten deutschen Aktienwerte partizipieren könne.

„Neben klassischen Index-Investments, bei dem der Investor abzüglich der niedrigen Managementgebühr eins zu eins an der Performance des deutschen Leitindex teil hat, gibt es mittlerweile zudem auch eine attraktive Palette an Instrumenten, die sich für verschiedene Markterwartungen eignen. Investoren können sich zum Beispiel bei fallenden Märkten absichern oder bei steigenden Märkten überproportional profitieren“, beschreibt Klein weiter.

DAX-Familie über ETFs investierbar

Mittlerweile gibt es acht Short-ETFs auf den DAX. Dabei handelt sich um ETFs, die auf Tagesbasis den umgekehrten Verlauf des DAX abbilden. Allerdings erfolgt dies nicht spiegelverkehrt. Denn der Short- DAX fällt um einen Prozentpunkt und nicht um einen Zähler, wenn der DAX um einen Prozentpunkt steigt. Der Short-DAX-ETF, der die meisten Investorengelder anziehen konnte, ist derzeit der db x-trackers ShortDAX Daily mit einem verwaltetem Vermögen von 409 Millionen Euro.

Mittlerweile gibt es auch fünf ETFs auf den DAX, die mit einem Hebel versehen sind. Steigt der DAX um einen Prozentpunkt wird diese Kursbewegung durch einen Hebel verstärkt und der Hebel-ETF klettert zum Beispiel – bei einem Hebel von zwei – um zwei Prozentpunkte. Unter diesen Produkten vereinigt der Lyxor ETF LevDAX mit 357 Millionen Dollar das meiste verwaltete Vermögen.

Doch auch auf andere Mitglieder der DAX-Familie gibt es mittlerweile ETFs, zum Beispiel auf den Stratgie-Index DivDAX. Dieser umfasst die 15 DAX-Unternehmen mit den höchsten Dividenden – ausschüttungen. iShares hat einen ETF auf den DivDAX im Programm und auch ETFLab, die ETFPlattform der Sparkassen, bietet ein solches Produkt, nämlich den ETFLab DAXPlus Maximum Dividend, an. Selbst die Subindizes des DAX wurden mittlerweile in eine ETF-Hülle verpackt. Auf den TecDAX gibt es bisher ein Produkt von iShares, das derzeit 103 Millionen Euro schwer ist. Von dem gleichen Anbieter stammt auch ein ETF auf den MDAX. Dieser kommt auf ein verwaltetes Vermögen von 1,2 Milliarden Euro und hat damit mehr Assets under Manage ment als so mancher Indexfonds, der einen Leitindex nachahmt. Ein Wunder ist das nicht. MDAX-Werte sind bei ausländischen Investoren angesehen. Schließlich gelten die mittelgroßen deutschen Unternehmen als die Entwicklungsstätten von innovativen Ideen.

DAX ist noch ein vergleichsweise junger Index

Auch wenn der deutsche Leitindex aus dem weltweiten Marktgeschehen nicht mehr wegzudenken ist, er ist deutlich jünger als die Bundesrepublik Deutschland. Seine Geburtsstunde erlebte der DAX vor etwas mehr als 20 Jahren, nämlich 1988. Entwickelt wurde er von dem Finanzjournalisten Frank Mella. Dass der DAX binnen kürzester Zeit populär wurde, lag an zwei Dingen: Dem an Fahrt gewinnenden Computerzeitalter und dem Privatfernesehen. Ein Jahr, bevor der DAX an den Start ging, hatten sich mehrere Banken und Wirtschaftsblätter zusammengetan und ein TV-Börsenformat entwickelt. 1987 ging die Telebörse auf dem Privatkanal Sat1 zum ersten Mal auf Sendung und berichtete, als der DAX aus der Taufe gehoben wurde. Der DAX bildete zudem eine dankbare Quelle für die Börsenberichterstattung des neuen Formats. Anders als sein Vorgänger lieferte er seine Kurse im Minutentakt und sorgte damit für deutlich mehr Dynamik und gegebenenfalls auch Dramatik. Was heute den meisten schon wieder zu langsam sein dürfte – mittlerweile sind ja sekündliche Kurse gefragt -, war damals eine Sensation. Für die meisten Indizes gab es damals nämlich nur Schluss- und Anfangskurse. Dass die DAX-Kurse so schnell abrufbar waren, war wiederum der Frankfurter Börse zu verdanken. Diese hatte 1987 ihre Kurseingabe auf Computer umgestellt und damit den Börsenhandel in Deutschland erst so richtig in Bewegung gebracht.

Erstes Partizipationszertifikat auf den DAX wurde 1990 emittiert

Dem DAX, der im Fernsehen seither dauerpräsent war, folgten die ersten Index-Produkte, die dem Anleger ermöglichten an der Wertentwicklung dieses Indexes teilzuhaben. 1990 brachte die Dresdner Bank ihren „Partizipationsschein auf den Deutschen Aktienindex“ heraus. Das war ein Zertifikat, das den Kursverlauf des DAX nachahmt: Es fällt, wenn der DAX fällt und steigt, wenn der Leitindex klettert. Weil die Anleger vom Fernsehsessel aus zusehen konnten, wie der DAX und damit auch ihr Investment sich entwickelt, waren Zertifikate auf den DAX schnell gefragt. Zu den ersten ETFs in Deutschland vor zehn Jahren gehörte daher auch ein Indexfonds auf den DAX. Der Vorteil: Während Zertifikate nachrangige Inhaberschuldverschreibungen sind, sind ETFs wie Fonds Sondervermögen und bergen dementsprechend ein minimales Emittentenrisiko. Da es vom DAX zwei Versionen gibt, den Performance-Index, in dem die Dividenden enthalten sind, und den Preisindex, ist es übrigens für den Anleger wichtig, darauf zu achten, welcher DAX dem ETF zu Grunde liegt.

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