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Der weltweite Investitionsbedarf in die Infrastruktur ist hoch

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Heike Fürpass-Peter im Interview
Heike Fürpaß-Peter, Lyxor Asset Management

Vor einigen Tagen legte Lyxor zwei Infrastruktur-ETFs auf. Das EXtra-Magazin sprach mit Heike Fürpaß-Peter, ETF-Vertriebschefin für Deutschland und Österreich des französischen ETF-Anbieters,  über den ETF und die Ziele von Lyxor für das restliche laufende Jahr.

Was unterscheidet dieses Produkt von anderen ähnlich strukturieren ETFs auf Infrastruktur-Unternehmen?

Der Fokus der neuen ETFs liegt auf den Kerninfrastruktursektoren Verkehr, Telekommunikation und Energie. Diese Sektoren dürften am schnellsten von erhöhten Infrastrukturausgaben der Staaten profitieren. Dabei liegt der Investmentschwerpunkt auf den USA und Europa. Im Vergleich mit globalen Produkten sind die neuen Lyxor ETFs daher regional ausgerichtet. Die Dividendenrenditen der ETFs sind mit 2,95% bzw. 4,06% im Vergleich mit andern Fonds eher im oberen Bereich.

Was macht Produkte auf den Sektor Infrastruktur für den Anleger interessant?

Der weltweite Investitionsbedarf in die Infrastruktur ist hoch. Prognosen gehen bis 2030 von jährlich 3,3 Billionen USD aus. Wird nur ein Bruchteil dieser Summe tatsächlich investiert, können Infrastrukturunternehmen davon kräftig profitieren. Insbesondere der Kerninfrastrukturbereich bietet Investoren eine defensive Anlagestrategie und somit Zugang zu zuverlässigeren Wachstumschancen. Denn die dort tätigen Unternehmen sind generell resistenter gegenüber kurzfristigen Konjunkturzyklen und tendieren zu stabileren Erträgen und Cashflows. Darüber hinaus bieten Infrastrukturinvestments zwei weitere Vorteile für die Anleger: Sie schützen vor Inflation und bieten die Möglichkeit der Portfoliodiversifikation.

Die Gewichtung von Versorger-Aktien wird begrenzt. Trifft dies auch auch für die anderen Sektoren zu?

Für beide ETFs gilt, dass die Gewichtung der Sektoren (Verkehr, Telekommunikation und Energie) einer festen Obergrenze von 50% unterliegt.

Infrastruktur-Aktien erzielen aktuell eine vergleichsweise hohe Dividendenrendite. Wie nachhaltig sind diese hohen Gewinnausschüttungen?

Hohe Dividenden sind nicht das primäre Ziel der beiden ETFs. Im Fokus stehen vielmehr die Chancen solcher Unternehmen, die der Kerninfrastrukturbranche zuzurechnen sind. Es besteht jedoch ein natürlicher Zusammenhang zwischen Unternehmen dieser Art und starken Dividendenrenditen aufgrund ihrer langfristig vorhersehbaren Cashflows. Dies spricht für nachhaltig hohe Dividendenerträge.

Was sollten Anleger bei Infrastruktur-ETFs bezüglich der Korrelation zu anderen Portfoliobestandteilen beachten?

Infrastrukturinvestments entwickeln sich nicht völlig unabhängig von den breiten Aktien-Benchmarks. Sie bieten jedoch in gewissem Rahmen die Möglichkeit, das Aktienportfolio durch die Beimischung nichtzyklischer Titel zu diversifizieren. Sie sind eher ein strategisches als ein taktisches Investment.

Inwieweit ist geplant, den ETF auch in Deutschland an der Börse Frankfurt oder auf Xetra handelbar zu machen?

Wir wollen das nicht ausschließen, machen entsprechende Schritte aber vom tatsächlichen Bedarf der Investoren abhängig. Sollte zusätzlich zu Euronext und der Londoner Börse eine starke Nachfrage nach einem deutschen Handelsplatz erkennbar sein, können wir uns auch die Frankfurter Börse vorstellen.

Das erste Halbjahr 2017 ist vergangen. Wie zufrieden sind Sie mit dem ETF-Geschäft, was ist bei Ihnen besonders gefragt und was sind die Ziele von Lyxor für den deutschen Markt bis Jahresende?

Dank weiter steigender Mittelzuflüsse blickt die ETF Branche insgesamt auf ein sehr positives erstes Halbjahr zurück. Dies gilt insbesondere für Lyxor. In den ersten sechs Monaten konnten wir bereits mehr neues Geld einsammeln als im ganzen Jahr zuvor. Was die Assets under Management angeht, haben wir inzwischen mit der Deutschen Bank gleichgezogen. Auf der Aktienseite waren zu Beginn des Jahres US Aktien ETFs sehr gefragt. Inzwischen setzen die Anleger allerdings verstärkt auf Europa. Auf der Rentenseite rückten zuletzt wieder inflationsgelinkte Produkte in den Fokus. Über den weiteren Ausbau unserer Kooperationen mit den Online Banken wollen wir unser Geschäft auch im Retailbereich weiter ausbauen.

Lesen Sie dazu auch den Artikel zu den beiden Infrastruktur-ETFs

Weitere Informationen über das Thema finden Sie in unserem Anlageleitfaden.

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.
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