Deutsche schätzen die Rendite ihrer Geldanlage oftmals falsch ein.
Deutsche schätzen die Rendite ihrer Geldanlage oftmals falsch ein.

2017 war das Jahr des Sparens: Rund 12.000 Euro hat jeder Deutsche laut faktenkontor.de durchschnittlich im vergangenen Jahr angelegt. Das ist knapp ein Drittel des Gesamtvermögens, über das der Bundesbürger im Durchschnitt verfügt. Doch trotz des Niedrigzinsumfeldes schlummert ein Großteil des Geldes in kurzfristigen und damit kaum oder gar nicht verzinsten Anlagen. Ein Grund dafür könnten die falschen Renditeerwartungen der Deutschen sein. Dies sind Ergebnisse der bevölkerungsrepräsentativen Studie „Aktienkultur in Deutschland“, für die 2.000 Deutsche ab 18 Jahren im Auftrag der „Aktion pro Aktie“ im Januar 2018 befragt wurden. Die Aktion wurde vor einigen Jahren von führendenden Direktbanken ins Leben gerufen, um den Deutschen die Aktien als Geldanlage schmackhaft zu machen.

Zu optimistische Renditeerwartungen für Spareinlagen

Verbraucher nehmen hierzulande etwa an, mit dem Sparbuch noch 1,1 Prozent Rendite jährlich erwirtschaften zu können. Doch selbst diese Annahme ist zu hoch gegriffen: Laut repräsentativem Index des Verbraucherportals biallo.de liegt der Zinssatz für dreimonatiges Festgeld bei 0,23 Prozent. Immerhin 43 Prozent der Deutschen legen ihr Geld auf dem Sparbuch an, das vergleichbare Zinsen liefert. Ähnlich sieht es beim Tagesgeld aus: Mehr als ein Drittel der Bundesbürger verfügt über diese täglich kündbare Geldanlage. Die Renditeerwartung beträgt laut faktenkontor.de 1,6 Prozent pro Jahr – tatsächlich sind es laut biallo.de 0,16 Prozent. Und selbst beim Girokonto rechnen die Deutschen mit 0,9 Prozent Zinsen jährlich, obwohl das Guthaben meist gar nicht verzinst wird. Viele Filialbanken verlangen sogar eine monatliche Gebühr für die Kontoführung.

Aktienfonds auf Platz zwei hinsichtlich erwarteter Rendite

Spitzenreiter bei der prognostizierten Rendite sind Immobilien mit 4,4 Prozent jährlich. Aktienfonds belegen den zweiten Platz: Durchschnittlich 3,5 Prozent Ertrag jährlich erhoffen sich die Deutschen von einem Fondsinvestment. Dennoch ist nur jeder Fünfte darin investiert. Bei Einzelaktien ist das Bild noch erschreckender: Lediglich zwölf Prozent der Deutschen haben ihr Vermögen darin angelegt, obwohl eine Rendite von 3,4 Prozent pro Jahr erwartet wird. ETFs, also börsengehandelte Indexfonds, liegen bei der Ertragserwartung deutlich hinter Aktienfonds und Einzelaktien: Mit nur zwei Prozent Rendite jährlich wird hier gerechnet. In ETFs investieren fünf Prozent der Deutschen.

Thomas Brummer war nach dem Betriebswirtschaftsstudium für das Anlegermagazin „Der Aktionär“ tätig. Im Anschluss schrieb er mehr als vier Jahre für das Verbraucherportal biallo.de und einige Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier. Währenddessen hospitierte er in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf. Seit 2018 schreibt er für extra-funds.de und das ETF EXtra-Magazin.