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Deutschlands erster Mitmachfonds – Klasse durch Masse

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Den Index durch aktives Management schlagen. Was Profis nur selten gelingt, will die Plattform Investtor nun mit einem neuartigen Anlagekonzept nachhaltig realisieren. Das Prinzip: Durch aktive Bewertung und Prognosen aller Anleger entsteht ein Mehrheitstrend mit hoher Treffsicherheit.

Anlegen, mitmachen, bewerten, gewinnen. Mit Investtor, dem ersten deutschen Mitmachfonds, geht der Starnberger Vermögensverwalter, die Top Vermögen AG, zusätzlich neue Wege und bietet eine „innovative Antwort auf die Krise und den Vertrauensverlust“ der vergangenen Jahre. Ein regulierter, transparenter Fonds, den der Anleger direkt beeinflussen kann, indem er fortlaufend seine eigene Meinung einbringt. Damit ersetzt er weitgehend den Fondsmanager.

Fonds plus Mitmach-Plattform

Der in Luxemburg aufgelegte Fonds präsentiert sich klassisch mit einem Anlageuniversum aus 200 gängigen Werten, die derzeit noch vorgegeben sind – allesamt Global Brands. Gekauft wird er über eine Depotbank. Die Mindestinvestitionssumme beträgt 4.000 Euro. Die Managementgebühr beträgt ein Prozent. Ebenso der maximale Ausgabeaufschlag. Sobald sich der Anleger auf der Plattform www. investtor.de registriert hat, heißt es: einloggen und aktiv werden. Jeder kann seine Präferenzaktien vorschlagen und positiv oder negativ bewerten, also Handelsempfehlungen sowie eine Einschätzung zum Kursziel für die kommenden 12 Monate abgeben. Aufgenommen werden dann die Titel mit der insgesamt höchsten Zustimmungsquote. Um gegenseitige Manipulation auszuschließen, ist das Eingabeverfahren kein Diskussionsforum, sondern klar vorstrukturiert und einfach zu bedienen. Gleichzeitig wird die Historie der eigenen Bewertungen angezeigt, und zwar im Abgleich mit den aktuellen Durchschnittsergebnissen aller Teilnehmer. Selbst über die aktuelle Höhe der Investitionsquote wird abgestimmt.

Boni für Anleger

Das Fondsportfolio setzt sich stets aus den verschiedenen Einzelentscheidungen zusammen. Waren diese gut, werden Punkte vergeben. Und wer über ein Jahr die meisten Punkte hat, bekommt am Ende bares Geld aus der Managementgebühr: 500 Euro für die besten drei, je 100 Euro für die Top-Five-Prozent. „Im Folgejahr dürfte es deutlich mehr sein“, meint Michael Thaler, der bei Top Vermögen für die konzeptionelle Entwicklung von Investtor verantwortlich ist. Er geht bis Ende 2010 von rund 2.000 Teilnehmern aus. Die Anreizkombination aus selbst mitgesteuerter Performance und Bestenliste mit Gewinnchancen steht unter dem Motto: „Boni für Anleger statt für Fondsmanager – die Chance für verborgene Anlagetalente“.

Aktiv-Management im Web-2.0-Format

„Wir sprechen zunächst vorwiegend informierte Selbstentscheider an, die schon eine gewisse Erfahrung haben“, so Michael Thaler, der aber nicht nur diese Anleger im Blick haben dürfte. Mitmach-Strukturen kamen mit der Web-2.0-Kultur auf und reagieren mit neuen Geschäftsmodellen auf die Vorlieben der jüngeren Generation. Erfolgreiches Beispiel ist die noch junge Münchener Fidor Bank, die als erste Web-2.0-Bank seit Anfang 2009 im Netz ist – nach dem Prinzip: mitbestimmen und mitverdienen. Doch bei aller Social-Media-Struktur – im Kern handelt es sich bei Investtor um einen aktiv gemanagten Fonds. Und die haben in jüngster Zeit kräftig Federn gelassen zugunsten von passiven Anlagestrategien wie ETFs. Nur ein geringer Anteil aktiv gemanagter Produkte brachte auf Jahressicht höhere Erträge als ETFs. Damit bestätigte sich einmal mehr die alte Erkenntnis (seit Markowitz), dass es langfristig besser ist, auf den Durchschnitt zu zielen. Somit stellt sich aber auch die Frage, wo beim neuen Mitmach-Fonds der Ansatz für nachhaltige Outperformance- und Renditechancen liegt.

Wissen der vielen

Michael Thaler geht davon aus, dass es mittelfristig möglich ist, den Markt zu schlagen, wenn das Wissen aller einzelner Teilnehmer eingesetzt und zusammengeführt wird. „Sie entscheiden sich ja nur für eine Aktie, wenn Ihre Meinung zu deren Kurspotenzial auf guten Informationen beruht“, so Thaler weiter. „Jeder hat sein eigenes Spezialgebiet mit entsprechendem Branchenwissen.“ Damit setzt er auf ein Phänomen, das als Wissen der vielen auch durch den Bestseller des US-Autors James Surowiecki The Wisdom of Crowds bekannt wurde. Hierin beschreibt er, wie durch Selbstorganisation und statistische Effekte Entscheidungen von Massen treffender ausfallen können als die von spezialisierten Einzelpersonen. Die Kernaussage: Eine Gruppe unterschiedlicher, individuell und unabhängig voneinander entscheidender Personen ist in der Lage, zutreffende Voraussagen für die Zukunft zu treffen. Als Bestätigung für diese These werden zahlreiche Beispiele aus der Geschichte genannt. In Deutschland war es Günther Jauch, der vor rund zwei Jahren bei „Wer wird Millionär“ die Gesamtheit der Zuschauer gegen zwei ausgewiesene Experten antreten ließ. Nachdem die Antworten zu Fragen aus einem bestimmten Wissensbereich ausgewertet wurden, zeigte sich: Die Gesamtheit der Zuschauer lag mit den Experten im Ergebnis gleich.

Die große Zahl

„Diesen Effekt können Sie auch an der Börse vorfinden“, sagt Michael Thaler. Er sieht ein zunehmendes Interesse an dem Thema auch in der Wissenschaft. So beschäftigen sich unter anderem das Santa Fe Institute in Texas oder das MIT in Boston mit derartigen Phänomenen. „Entscheidend ist dabei das Gesetz der großen Zahl“, sagt er und erklärt in Bezug auf Investtor: „Wenn viele entscheiden, so gibt es immer ein paar, die die richtige Antwort wissen, und die sind entscheidend. Deren Anteil wächst mit der Gesamtzahl aller Teilnehmer. Bei uns müssen zehn Prozent die richtige Erwartung haben.“ Damit will Thaler den Markt schlagen. Dabei verweist er auf zwei konkrete Beispiele. Das eine ist ein amerikanischer Fonds mit virtuellen Werten und Geld, bei dem die 300 besten Analysten zu einzelnen Aktien mitmischen. Der schlug den Markt immer dann, wenn Risiko belohnt wurde. Auch bei der DZ-Bank kommt das Wissen der vielen zum Einsatz. Sie lässt alle zwei Monate eine Umfrage mit TNS Infratest durchführen. Befragt werden 1.500 Anleger, wie sie den DAX in den kommenden zwei Monaten einschätzen. Im Schnitt kommen sie erstaunlich häufig zum richtigen Ergebnis. Bezogen auf Investtor betont Thaler, dass das Wissen der vielen nur deshalb sinnvoll eingesetzt werden kann, weil die Daten objektiv aggregiert werden. Außerdem müsse sichergestellt sein, dass Manipulationen ausgeschlossen sind. „Es dürfen keine Informationskaskaden entstehen“, erklärt er. Aus diesem Grund wird auf der Plattform nur anonymisiert und strukturiert bewertet. Die Teilnehmer treffen ihre Entscheidungen unabhängig voneinander. „Da darf kein sozialer Druck entstehen“, erklärt er. „Deshalb werden bei uns fast keine weiteren Informationen zur Verfügung gestellt. Jeder bringt das Wissen aus eigenen Informationsquellen ein.“ Bei Investtor ist man vom Konzept überzeugt. Eine viermonatige Testphase hat es offenbar bereits gut bestanden. Auch die bisherigen Teilnehmer äußern sich positiv. Mit seiner neuen Struktur scheint der Mitmach-Fonds Potenziale zu haben. Die Idee ist jedenfalls pfiffig und dürfte zumindest geeignet sein, den Markt zu beleben. EXtra wird das Projekt beobachten und berichten, wie sich Investtor künftig entwickelt.

Kontakt:

Mehr Informationen zu Investtor erhalten Sie unter Telefon 089 / 18 94 357 66 oder im Internet unter www.investtor.de.

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