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Die Arbeit von ETF Market Makern

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ETF Handelsraum

Market Maker übernehmen eine zentrale Rolle im täglichen ETF-Handel. Sei es über die Börse oder auch im außerbörlichen Handel. Sie führen Angebot und Nachfrage zusammen, schaffen neue ETF-Anteile oder nehmen sie zurück. Insgesamt stellen sie die Liquidität sicher.

ETF Market Maker sind spezialisierte Wertpapierhändler, die sich um die Quotierung und Preisstellung von ETFs kümmern. Sobald ein Market Maker ein festes Mandat zur Quotierung von ETFs an einer Börse erhalten hat, wird er als Designated Sponsor bezeichnet. ETF Market Maker stellen laufend sicher, dass der Preis eines Fondsanteils dem tatsächlichen Wert sehr nahe kommt. Bei ETFs richtet sich die Wertentwicklung bekanntlich danach, wie sich der zugrunde liegende Index entwickelt. Dabei wird über die Zusammensetzung des ETFs ein Wert errechnet, der den Wert der zugrunde liegenden Bestandteile widerspiegelt. Dieser Wert wird als Nettoinventarwert (engl. Net Asset Value oder kurz NAV) bezeichnet. Kernfunktion des ETF Market Makers ist es, Liquidität zur Verfügung zu stellen. Das erreicht er, indem er temporäre Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage überbrückt. Der Market Maker stellt für die von ihm betreuten Werte verbindliche Geld- und Brief-Kurse (sogenannte Quotes). Der Market Maker bietet somit an, zum Geldkurs zu kaufen und zum Briefkurs zu verkaufen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Orders ausgeführt werden, erhöht sich damit signifikant, die Liquidität steigt.

Wege zur Liquidität

Der Market Maker erhält Liquidität auf zweierlei Art. Zum einen durch den täglichen Börsenhandel im Sekundärmarkt und zum anderen – und dieser Punkt ist fast noch wichtiger – durch den sogenannten Creation-/Redemption- Prozess, welcher im Primärmarkt vollzogen wird. Dieser läuft für den Investor im Hintergrund ab. Der Creation-/ Redemption-Vorgang ist jedoch enorm bedeutend für ETFs und bildet das Fundament für die Vorteile dieser Produktklasse.

Fundament der ETFs

Zunächst beginnt der Creation-/Redemption- Prozess mit einer exakten Übersicht über sämtliche Indexwerte inklusive deren Gewichtung. Dieses sogenannte Portfolio Composition File, das der Emittent dem Market Maker auf täglicher Basis zur Verfügung stellt, bildet die Grundlage für den gesamten Prozess. Dabei ist zu beachten, dass ausschließlich der Market Maker (Authorised Participant) den Creation-/Redemption- Prozess durchführen kann. Will der Market Maker ETF-Anteile kreieren, so muss er sich zunächst an den Kapitalmärkten mit dem entsprechenden Underlying eindecken. Dies kann er in der Regel über Wertpapierkäufe oder Wertpapierleihe tun. Hat er das dem Index entsprechende Portfolio gekauft, nutzt er dieses, um sogenannte Creation Units zu erwerben. Im Regelfall entsprechen 50.000 ETF-Anteile einer Creation Unit – dies kann jedoch von Produkt zu Produkt variieren. Bei der physischen Replikation findet im Creation-Prozess ausschließlich ein Tausch von Wertpapieren statt (sogenannte In-Kind-Transaktionen). Barmittel werden nicht getauscht. Zudem werden sämtliche Transaktionskosten nicht dem Fonds entzogen, sondern gehen zulasten des Market Makers. Liefert dieser nun den Aktienkorb an den ETF-Emittenten, erhält er im Gegenzug ETF-Anteile im Wert des gelieferten Aktienkorbs. Das Gegenteil des Creation-Prozesses ist der Redemption-Prozess (Rücknahme). Kauft der Market Maker am Kapitalmarkt genügend ETF-Anteile zusammen, kann er diese beim Emittenten wieder gegen den Aktienkorb zurücktauschen. Hatte er die Aktien geliehen, kann er sie dem Verleiher zurückgeben. Waren die Aktien gekauft, kann er sie am Kapitalmarkt veräußern. Auch beim Redemption-Prozess findet kein Austausch von Barmitteln statt. Ebenso werden die Kosten für diese „Hintergrundtransaktionen“ nicht dem Fonds entzogen, sondern vom Market Maker getragen.

Liquidiät ist wichtig

Die Liquidität eines ETF ist von der Liquidität des zugrunde liegenden Wertpapierkorbes abhängig. Sofern der Market Maker, der für die börsliche und außerbörsliche Kursstellung verantwortlich ist, genug Möglichkeiten hat, das Underlying zu handeln oder andere Instrumente für den Hedge zu finden, werden enge Preise gestellt. Beispiele, wo dies nur unzureichend zutrifft, sind zum einen bestimmte Renten- ETFs (Corporate- und bestimmte Covered-Bond-Produkte) und zum anderen sehr exotische Aktien-ETFs (wie z. B. afrikanische Underlyings). Während des Börsenhandels stellt der Market Maker mit den im Creation-Prozess erworbenen Stücken verbindliche Geld- und Briefkurse an den Börsen. Die auf seinen Büchern befindliche Position ist jedoch abgesichert durch einen adäquaten Hedge. Damit ist seine Position keinem Marktrisiko ausgesetzt – sie ist deltaneutral. Falls nun ein Börsenumsatz stattfindet, ändert sich die Positionsgröße des Market Makers und er muss auf der Gegenseite seinen Hedge ebenfalls anpassen.

Aufwendiger Hedge

Bei komplexeren Produkten verläuft der Absicherungsprozess sehr ähnlich, allerdings mit anderen Instrumenten. So muss zum Beispiel bei einem ETF auf den FTSE Xinhua 25 zum einen das Währungsrisiko abgesichert werden und zum anderen auch das Aktienrisiko (z. B. der Hang Seng Future). Der Hang Seng Index-Future ist allerdings ein ungenauer Hedge gegenüber dem FTSE Xinhua 25 Index, da dieser ein zu großes Gewicht an der HSBC Bank enthält. Dies führt dazu, dass die Aktie wieder gegengehandelt werden muss, um den Unterschied auszugleichen. Schlussendlich ist es für den Market Maker enorm wichtig, die genaue Zusammensetzung seines ETFs zu kennen und wie diese Komponenten für ihn handelbar sind, da ansonsten eine vernünftige und kompetitive Preisstellung nicht darstellbar ist.

ETF Market Making