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Die Konstruktion von Indizes

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Zahlreiche Entscheidungen müssen getroffen werden, bevor ein Index das „Licht der Börsenwelt“ erblickt.

Die Konstruktion eines Index ist auf dem ersten Blick einfach: Es werden einige Aktien, am besten nach Marktkapitalisierung gewichtet, in einen Korb geworfen, dessen Wert dann laufend berechnet wird. Nun ist die Sache aber doch um einiges komplexer. Ein Index hat eine deskriptive Funktion. Das heißt, er stellt einen Trendindikator dar und ist die Grundlage für Anlageentscheidungen. Auf der operativen Ebene stellt ein Index die Basis für börsengehandelte Optionen, Futures und börsengehandelte Fonds. Damit hat ein Indexkonstrukteur eine hohe Verantwortung, denn schon kleinste Unebenheiten in der Konstruktion oder in der laufenden Bewertung können zu erheblichen Problemen führen oder den Index gar unbrauchbar machen.

Was sind die Anforderungen an einen Index?

Zunächst muss er die Wertentwicklung eines Portfolios unter der Prämisse „Operation Blanche“ abbilden, was bedeutet, dass es keine (theoretischen) Geldentnahmen gibt. Darüber hinaus muss er sich in seiner Zusammensetzung als Benchmark eignen: Seine Kurse müssen eine Aussagekraft haben und die beinhalteten Werte müssen eine hohe Liquidität vorweisen. Auch sollen Investoren in der Lage sein, diesen Index problemlos nachbilden zu können. Eine hohe Aktualität sowie hohe Kursversorgung sind ebenfalls obligatorisch. Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Repräsentationsgrad des abgedeckten Marktes. Die Branchenstruktur muss richtig nachgebildet werden und die Marktdurchdringung muss signifikant sein. Gerade bei Themenindizes ist es entscheidend, ob das zugrundeliegende Thema richtig nachgebildet werden konnte.

Weitere Parameter sind bei der Konstruktion zu beachten. Dazu gehört die Frage, welche Formel zur Berechnung herangezogen werden soll. Theoretische stehen Laspeyres und Paasche zur Verfügung, die aber in den Ergebnissen unterschiedliche Werte liefern. Dann muss festgelegt werden, ob es sich um einen Kursoder Performance-Index handeln soll. Manche Indexanbieter gehen hier soweit, zu einem Index beide Versionen anzubieten. Die Festlegung des Berechnungsintervalls ist gerade für große Märkte ausschlaggebend. So wird der DAX z.B. sekündlich berechnet. Bei Nischenmärkten ist eine derart hohe Periodizität nicht zwingend notwendig. Dennoch muss eine regelmäßige Kursversorgung gewährleistet werden. Dann spielen noch Faktoren wie z.B. die Wahl der Währung eine Rolle. Internationale Indizes beinhalten Werte mit unterschiedlichen Währungen. Der Indexanbieter muss nun entscheiden, welche Währung als Referenz dienen soll. Und schließlich muss das Gewichtungsverfahren festgelegt werden und die Frequenz der Überprüfungen der Zusammensetzung. Das alles sind Faktoren, die erforderlich sind, um nicht nur ein funktionierendes, sondern auch ein qualitativ hochwertiges Indexkonzept aufzubauen.

Dieser Artikel wurde dem Newsletter Analysis Kompakt  Nr. 03 von Scope entnommen.

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