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Die Mär von der Liquiditäts-Hausse

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Dr_Alexander_Seibold

Nach der Bundestagswahl werden die Grausamkeiten nun langsam bekannt. Wie in früheren Marktkommentaren und anderen Publikationen mehrfach aus unserem Hause betont wurde, sind Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen nun unumgänglich. Statt Abwrackprämie und Kurzarbeitergeld geht es künftig um Steigerungen der Einnahmen für Staatshaushalt und Sozialsysteme.

Ein aktueller Marktkommentar von Dr. Seibold Capital GmbH.

Die gewaltigen mit Schulden finanzierten Stützungsprogramme müssen schließlich finanziert werden. Im Rest von Europa und in den USA ist die Situation ähnlich, wenn nicht sogar noch prekärer. Dies wird auf die Stimmung der Anleger drücken. Es ist daher unwahrscheinlich, dass sie bei den aktuell hohen Kursen – ob bei Aktien, Anleihen oder Rohstoffen – weiter so kräftig kaufen werden.

Der schwache Ausblick für 2010 scheint derzeit keine Rolle zu spielen

Die Entwicklung der Kapitalmärkte verläuft nur sehr selten monokausal. Doch scheinen sich viele Marktteilnehmer darauf versteift zu haben, dass alleine die überbordende Liquidität als Grund für einen weiteren Anstieg der Asset-Preise ausreicht. Dagegen scheint das maue Wirtschaftswachstum 2010 in Europa und in den USA, die hohen Arbeitslosenzahlen und das immer noch fragile Bankensystem für viele keine Rolle mehr zu spielen.

Aktienmärkte brechen trotz Rekordvolumen bei Liquidität ein

Die ansteigenden Volumina in Geldmarktfonds verhinderten nicht einen massiven Einbruch der Aktienkurse im Herbst 2008. Wenn die Aussichten auf einen Erfolg bei der Aktienanlage schlecht sind, investiert niemand – seien die Geldmarkt-Konten auch prall gefüllt. Zwar hat die lockere Geldpolitik geholfen, einen Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern und zahlreiche Banken gerettet. Für einen tragenden Aktienmarktaufschwung ist aber eine Erholung der Realwirtschaft nötig.

Zu den fundamentalen Gründen kommt noch ein psychologischer: Viele Indizes befinden sich jetzt etwa auf dem Niveau, das sie 2008 vor der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers hatten. Beim DAX ist das die Zone zwischen 5800 und 6000 Punkten. Das heißt, viele Anleger sind nervös, wenn der DAX deutlich unter diese Marken fallen sollte. Die wieder erreichten Einstandskurse wären in Gefahr, massenhaft würde wieder verkauft werden.

Die Gefahr ist groß, dass sich die Bärenmarktralley totläuft

Der Verlauf des US-amerikanischen Aktienindex S&P 500 zeigt, wie anfällig der Aufschwung am Aktienmarkt ist. Bei schlechten Nachrichten vom US Arbeitsmarkt oder dem konjunkturellen Zahlenkranz haben die Kurse schnell einige Prozent verloren, wie Anfang September oder Anfang Oktober. Sicher haben einige Banken und Technologiekonzerne auf den ersten Blick ermutigende Quartalszahlen vorgelegt. Auf der anderen Seite haben etliche Unternehmen einen Umsatzeinbruch von bis zu 50 Prozent berichtet. Wir erwarten nach dem Ende der Berichtssaison über das dritte Quartal 2009 eher schlechte Nachrichten von der Konjunktur- und Arbeitsmarktseite. Die Gefahr ist groß, dass sich die Bärenmarktrallye, die seit dem Tiefpunkt am 6. März hohe Kursgewinne gebracht hat, totläuft.

Short-ETFs bietetn Schutz im Portfolio

Ich werde oft gefragt, wie man sich als Privatanleger in dieser kniffligen Situation verhalten sollte. Betrifft es Investitionen unter dem alten Steuerregime vor Einführung der Abgeltungssteuer, sollte man überlegen, wie man den Steuervorteil konservieren kann. Es gibt heute viele Möglichkeiten, ein Aktien(fonds)depot gegen Kursverluste abzusichern, ohne die Wertpapiere verkaufen zu müssen. Ein Beispiel sind Short-ETFs. Bei jüngeren Investments, die Gewinne am Aktienmarkt aufweisen, sollte man sich mit dem Gedanken anfreunden, Profite glattzustellen.

Dieser Marktkommentar stammt von der Dr. Seibold Capital GmbH.

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